DTM-Boxenstopp - Bildquelle: DTMDTM-Boxenstopp © DTM

München - Am Reifenreglement der DTM für die erste Saison als GT3-Serie wird nach wie vor herumgeschraubt: Die DTM-Dachorganisation ITR setzte sich vergangene Woche dafür ein, dass dieses Jahr statt den ursprünglich geplanten drei Reifensätzen pro Fahrzeug pro Wochenende ein vierter Reifensatz genutzt werden darf. Doch das wurde von den Teams abgelehnt.

"Das hätte zusätzliche Kosten von 20.000 bis 30.000 Euro bedeutet", erklärt Hans-Peter Naundorf, Teamchef beim Rowe-Rennstall, warum sich die Mehrheit dagegen entschied.

Die Rechnung ist einfach: Ein zusätzlicher Satz Michelin-Reifen kostet rund 2.000 Euro. Bei acht Rennwochenenden macht das für ein Team mit zwei Fahrzeugen einen Unterschied von 32.000 Euro aus. Bei einem Budget von rund einer Million Euro pro Fahrzeug kein unwesentlicher Unterschied.

Warum Michelin einen zuätzlichen Reifensatz wollte

Doch wieso wollte die ITR zusätzliche Reifen bringen? Laut Informationen von "Motorsport-Total.com" macht sich DTM-Reifenpartner Michelin nach dem Wechsel von den S9M- auf die weicheren S8M-Reifen - auch als Medium-Mischung bekannt - Sorgen, dass der größere Abbau für Reifenknappheit und in weiterer Folge auch zu Schäden führen könnte.

Die Franzosen, die das unbedingt vermeiden wollen, setzten sich daher für einen zusätzlichen Reifensatz ein. Jetzt sieht es allerdings so aus, dass nur am ersten Rennwochenende in Monza pro Fahrzeug fünf frische Reifensätze zur Verfügung stehen, von denen zwei nur im Freien Training am Freitag benutzt werden dürfen.

Ab dem zweiten Wochenende erhält jedes Team pro Fahrzeug nur noch drei frische Reifensätze für die beiden Renntage, an denen wie gewohnt auch je ein Qualifying gefahren wird. Immerhin eine Änderung brachte die ITR bei den Teams durch: Statt zwei dürfen nun drei Reifensätze vom vorangegangen Wochenende mitgenommen werden.

Reifenknappheit sorgt für Strategiepoker

Doch wie wird sich die nun festgelegte Regelung auf die Rennwochenenden auswirken? Zumindest an den Renntagen könnte sie für mehr Spannung sorgen, denn da es an jedem Tag wie in der Class-1-Ära ein 20-minütiges Qualifying und ein Rennen mit einem Boxenstopp gibt, müssen die Piloten nun pokern.

"Man muss sich gut überlegen, was man macht", bestätigt Naundorf. "Nutze ich in jedem Qualifying nur einen neuen Satz oder nutze ich nur einen neuen Satz im Rennen beim Boxenstopp? Oder fahre ich in einem Qualifying zwei neue Räder? Und in welchem Qualifying?", beschreibt er die unterschiedlichen Strategiemöglichkeiten.

"Das kann für die Spannung nur gut sein"

Zum Vergleich: In der Class-1-DTM hatten die Teams für ein Fahrzeug pro Rennwochenende sieben Hankook-Reifensätze zur Verfügung, von denen zwei nach dem Freitag zurückgeben werden mussten. An den Renntagen durfte jeder Fahrer also fünf statt drei Reifensätzen nutzen.

"Das ergibt etwas Verzerrung - und das kann für die Spannung gut sein", so Naundorf über die Reduktion. Zudem gewährleistet die Regelung, dass ein Pilot, der am Samstag im Rennen früh ausscheidet, frische Reifensätze spart und sich somit am Sonntag noch gute Chancen ausrechnen darf. Dieses strategische Element wäre bei vier frischen Reifensätzen nicht von so großer Bedeutung gewesen.

Kaum Betrieb im Freitag-Training?

Der Nachteil der Lösung ist allerdings, dass in den Freien Trainings, die aller Voraussicht nach je 40 Minuten lang dauern werden, nicht viel Betrieb auf der Strecke zu erwarten ist. "Es wird davon abhängen, wie viele Reifen verfügbar sind, wie man mit den Reifen umgegangen ist und ob man die Strecke kennt oder nicht kennt", so Naundorf.

"Es kann durchaus sein, dass ein Reifen nach dem Rennen schon so kaputt ist, dass es nicht mehr viel Sinn ergibt, damit herumzueiern. Damit machst du vielleicht dann maximal ein paar Boxenstopp-Übungen."

Eines ist aber schon jetzt klar: Aufgrund des stark limitierten Reifenkontingents wird die Set-up-Suche 2021 zur Herausforderung. "Ab dem zweiten Rennwochenende erhalten wir jetzt drei Sätze neue Räder. Und diese neuen Räder werden erst ab dem Samstag gefahren", erklärt Naundorf. "Vor dem Qualifying hat noch kein Fahrer ein neues Rad gefahren. Das ist nicht optimal. Man weiß also nicht, worauf man sein Fahrzeug abstimmen muss und müsste eigentlich sehr viel testen gehen."

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