Maxime Martin vor dem Aston Martin: Nach fünf Jahren ist die Mission beendet - Bildquelle: Alexander TrienitzMaxime Martin vor dem Aston Martin: Nach fünf Jahren ist die Mission beendet © Alexander Trienitz

Ende Oktober hat BMW bekanntgegeben, dass Ex-DTM-Pilot Maxime Martin nach fünf Jahren bei Aston Martin nach München zurückkehrt. Aber wie kam es eigentlich zum Comeback des Belgiers bei BMW? "Ich war immer im Austausch mit BMW, man trifft sich bei vielen Rennen im Fahrerlager", holt Martin im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' aus. "Wir haben dann Gespräche geführt, weil sie neue Pläne und Ziele hatten. Ich wollte ebenfalls erneut eine Veränderung."

Abgesehen davon habe er beim britischen Hersteller "eine langfristige Perspektive oder Vision vermisst, was die Marke angeht", stellt er klar. "Aston Martin ist eine recht kleine Marke, sie haben keine langfristigen Pläne. Alles passiert kurzfristig. Am Ende war all das Teil der Entscheidung, wieder in ein Wettbewerbs-Umfeld zu wechseln."

Zumal sich die Aston-Martin-Einsätze, wie auch Ex-Aston-Martin-Kollege Nicki Thiim erfahren musste, in den vergangenen Jahren in Grenzen. "Bei Aston Martin hatten wir zwei schwierige Jahre. 2021 habe ich nur ein Rennen mit Aston Martin bestritten - der Rest war mit Porsche", verweist er auf seine Langstrecken-Einsätze im 911 GT3 R, für die er von seinem Arbeitgeber ab 2020 wie Thiim im T3-Lamborghini in der DTM eine Freigabe erhielt.

Wie es 2017 zur Trennung von BMW kam

Martin bereut seine Jahre beim britischen Hersteller aber keineswegs. "Ich wollte etwas Neues entdecken, brauchte eine neue Herausforderung und einen Tapetenwechsel", sagt er. "Aston Martin hatte damals ein großartiges Projekt - mit einem Fünfjahresvertrag, einem WEC-Programm in der GTE-Pro-Klasse mit dem neuen Vantage. Daher war es ein guter Zeitpunkt, zu gehen."

Bei BMW habe man die Entscheidung verstanden: "Es gab kein Problem mit der Marke oder irgendwem. Es ging einfach um eine neue Herausforderung", erklärt Martin. Was die britische Marke für ihn Ende 2017 so attraktiv machte?

"Viele kleine Dinge", antwortet er. "Es handelte sich um ein kleineres Team, eine kleinere Struktur. Ich wollte etwas anderes probieren. Und das war gut. Ich bin sehr happy mit meinen Jahren dort. Ich hatte wirklich tolle Rennen, habe Le Mans gewonnen in der GTE-Pro", verweist er auf seinen GTE-Klassensieg gemeinsam mit Alex Lynn und Harry Tincknell in Le Mans im Jahr 2020. "Ich könnte nicht sagen, dass das nicht gut gewesen wäre", grinst er.

Martin über BMW-Rückkehr: "Es ist der richtige Zeitpunkt"

2023 wird Martin in der Sprint- und Langstreckenserie der GT-World-Challenge Europe mit Valentino Rossi für WRT starten, weitere Programme wie die DTM schließt er selber nicht aus.

Der Zeitpunkt für eine Rückkehr sei optimal. "Es ist der richtige Zeitpunkt - mit einem neuen Management, einem neuen Projekt, der Mischung zwischen BMW M und BMW Motorsport", verweist er auf die Tatsache, dass Anfang des Jahres Andreas Roos die Leitung des Motorsportbereichs übernommen hat. "Und BMW wollte, dass ich zurückkomme."

Dass man bereits eine gemeinsame Geschichte habe - Martin war von 2013 bis 2017 BMW-Werksfahrer -, habe die Rückkehr begünstigt. "Es ist immer einfacher, wenn man mit einer Marke spricht, bei der man schon weiß, wie dort gearbeitet wird. Es gibt keine Überraschungen, und ich komme nicht in ein komplett neues Umfeld", erklärt er.

Welche Rolle Andreas Roos und Vincent Vosse spielten

Aber auch für BMW-Motorsportleiter Roos habe sich dadurch weniger rechtfertigen müssen. "Andreas ist erst im Februar dazugestoßen", so Martin. "Und gleich mal neue Fahrer zu holen, ist auch für ihn schwierig zu rechtfertigen - vor dem Vorstand. Denn er ist neu. Bei mir war es meiner Meinung nach etwas einfacher, weil ich schon mal da war. Und intern gab es einige Leute, die sich gefreut haben, dass ich zurückkehre. Das hat ihm sicher geholfen, diese Entscheidung zu treffen, denn er hatte intern Rückhalt."

Die ersten Gespräche habe er direkt mit Roos geführt. "Wir haben uns bei den VLN-Rennen getroffen." Einer der Fürsprecher sei WRT-Teamchef Vincent Vosse gewesen, obwohl der Belgier seinen Landsmann Martin bis zum ersten Test im Vorjahr noch nie im Team hatte. "Vincent war einer dieser Leute, die der Meinung waren, dass es gut wäre, mich zu holen", so Martin. "Das hat sicher geholfen."

Obwohl er nun in der GTWCE neu ist bei WRT, ist das Umfeld durchaus vertraut, gibt er zu. "Ich kennen viele Leute, die dort arbeiten, weil es ein belgisches Team ist", erklärt er. "Ich habe einen Test mit dem Team in Paul Ricard gemacht - und ich kannte die Hälfte der Crew. Ich habe nie mit ihnen gearbeitet - nur mit ein paar Leuten. Aber man kennt einander. Der Rennsport ist eine kleine Welt."

Martins Ziele mit BMW: Gelingt endlich Nordschleifen-Sieg?

Welche Ziele er nun mit BMW in den kommenden Jahren habe? "24 Stunden Nürburgring", zögert der Regenspezialist, der 2013 in der Eifel Kreise um die Konkurrenz fuhr und Zweiter wurde, nicht lange. "Ich will das gewinnen - zumindest einmal. Ich hatte viel Pech oder was auch immer." Bei den Münchnern sieht er nun gute Chancen: "BMW war dort immer stark, sie haben sich immer bemüht, das zu ermöglichen."

Aber auch sonst gibt es noch einiges, was Martin, der am Sonntag bei den 24 Stunden von Dubai Dritter wurde, erreichen will. "Ich würde gerne in Daytona gewinnen - da war ich auch schon mehrmals Zweiter", hofft er auf einen Sieg Ende Januar im BMW M4 GT3 von Paul-Miller-Racing.

Auch LMDh sei ein Thema. "Wenn ich die Le-Mans-Gesamtwertung gewinnen kann, dann wäre das nach meinem GTE-Sieg toll", sagt der Routinier. "Man weiß nie." Diesbezüglich denkt er aber eher langfristig. "LMDh ist sicher in meinem Kopf, denn BMW nimmt teil - und ich bin jetzt bei BMW. Ich würde lügen, wenn ich sage, dass es mich nicht interessiert."

Aktuell sei das aber "nicht das Thema", stellt er klar. "Jetzt liegt der Fokus eher im GT-Bereich - und dann schauen wir mal." Rein fahrerisch fühlt er sich aber auch durch seine Erfahrung mit den DTM-Prototypen bereit: "Das ist keine andere Welt. Ich bin vier Jahre in dieser Klasse in der DTM gefahren, ich bin auch dreimal in Le Mans in einem LMP-Auto angetreten. Ich habe also einige Sachen in diesem Bereich gemacht und das wäre überhaupt kein Problem."