Blick von der Steintribüne: So sieht die neue Norisring-Boxenanlage aus - Bildquelle: DTMBlick von der Steintribüne: So sieht die neue Norisring-Boxenanlage aus © DTM

München - Die DTM-Dachorganisation ITR reagiert auf die Boxenstopp-Zwischenfälle am Lausitzring und setzt dieses Jahr auf dem Norisring (vom 1. bis 3. Juli live auf ProSieben und ran.de) auf die längste Boxenanlage seit der Premiere des Klassikers im Jahr 1947.

Diese wird von 120 auf 170 Meter erweitert - und damit fast um die Hälfte länger sein als im Vorjahr.

Doch man baut nicht nur in die Länge: Das bisher einstöckige Zelt wird 2022 um eine weitere Etage erweitert. Während ebenerdig die Teams und die Logistik untergebracht sind, wurde im Obergeschoss Platz für Teamcatering und die VIP-Power-Lounge geschaffen - inklusive Terrasse und direktem Zugang zur Siegerehrung.

Neben dem speziellen Norisring-Qualifyingmodus mit zwei Startgruppen ist auch die Verlängerung der Boxenanlage eine Reaktion auf das riesige DTM-Starterfeld, das nach dem T3-Lamborghini-Aus in Nürnberg 28 Boliden umfassen wird, während im Vorjahr 20 Autos am Start waren.

Ein Meter mehr Platz pro Team als am Lausitzring

Der Abstand zwischen den Boxenstopp-Stationen wird am Norisring nun zehn Meter betragen, während er am Lausitzring wegen der kurzen Anlage nur 9,1 Meter umfasst hatte. Das führte beim zweiten Saisonwochenende im Mai trotz der breiten Boxengasse dazu, dass bereitstehende Räder von Boliden erfasst wurden und die Piloten wegen des Platzmangels Schwierigkeiten hatten, ihren Boxenstopp-Platz problemlos anzufahren.

"Generell war die Boxengasse viel zu eng", meinte damals David Schumacher. Und Grasser-Pilot Mirko Bortolotti forderte daraufhin Änderungen bei den zukünftigen Rennen und machte Rennleiter Scot Elkins als Lamborghini-Repräsentant in der neuen Drivers-Working-Group auf das Problem aufmerksam.

In Imola war die Situation durch das lange Boxengebäude etwas entschärft: Statt den 9,1 Metern lagen die "Galgen" - das sind die Boxenstopp-Stationen der Teams, an denen die Luftschläuche für die Schlagschrauber montiert sind - 13 Meter auseinander.

"Enger als am Norisring geht es eigentlich kaum"

"Das ist vernünftig", meinte Abt-Teamchef Thomas Biermaier am Italien-Wochenende der DTM auf Nachfrage von 'Motorsport-Total.com'. Und deutete bereits an, dass die ITR "alles mögliche" versucht, "damit wir auch am Norisring den größtmöglichen Unterschied haben."

Abt-Audi-Pilot Rene Rast warnte währenddessen davor, dass auf dem Norisring die Enge in der Boxengasse, die auch deutlich schmäler als am Lausitzring ist, zum Problem werden könnte. "Enger als am Norisring geht es eigentlich kaum", so der 35-jährige Mindener. "Das wird eine Herausforderung, die man irgendwie meistern muss."

Es sei nicht akzeptabel für Teams und Fahrer, "da einen Egotrip zu fahren", so Rast. " Man muss mehr Rücksicht aufeinander nehmen." Dass die die Option bestehe, auf dem Straßenkurs am Dutzendteich das provisorische Boxengebäude auszubauen, wusste Rast zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Größere Boxenanlage: ITR stellte im März die Weichen

Die ITR hat das Problem aber schon länger auf dem Radar: Bereits Mitte März - also deutlich vor dem Saisonauftakt - begann Joe Franz, der bei der DTM-Dachorganisation seit vielen Jahren für die Logistik zuständig ist, mit der Planung der neuen provisorischen Norisring-Boxenanlage.

Mit dem Aufbau begann man vor genau zwei Wochen am 13. Juni, abgeschlossen wurden die Arbeiten vergangene Woche am Donnerstag.

Trotz der Bemühungen der ITR muss man aber davon ausgehen, dass es am Norisring in der Boxengasse heiß hergehen wird. Denn neben dem größeren Starterfeld werden dieses Jahr auch Reifenwechsel in der Safety-Car-Phase oder bei Full-Course-Yellow als Pflichtstopp gezählt.

Boxen-Speedlimit am Norisring erneut 40 km/h

Dieser darf von einem Piloten pro Zweier-Team abgeleistet werden, was dazu führt, dass bei einer Neutralisierung des Rennens zahlreiche Piloten gleichzeitig stoppen wollen, um Zeit zu sparen. Das hatte zuletzt auch in Imola für turbulente Szenen gesorgt, als Grasser-Lamborghini-Pilot Bortolotti nach einem "unsafe Release" Winward-Mercedes-Pilot Lucas Auer in der Boxengasse gegen die Mauer drückte.

Um Unfallfolgen in der Boxengasse zu vermeiden, entschied sich die ITR, am Norisring wie im Vorjahr die Höchstgeschwindigkeit in der Boxengasse von 60 auf 40 km/h zu verringern.

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