Vincent Abril.Vincent Abril.

München - Alles sieht nach einem Regelverstoß beim DTM-Auftakt in Monza aus.

Der sportliche Ausrichter AvD informierte eine Woche nach dem Rennwochenende in einer Pressemitteilung der DTM-Dachorganisation ITR darüber, dass das Ergebnis des Samstags-Qualifyings "aus sportrechtlichen Gründen noch nicht finalisiert werden" könne. Grund der Verzögerung: ein schwebendes Verfahren.

Die nächsten Schritte in diesem Vorgang erfolgen vor Ort beim nächsten DTM-Wochenende auf dem Lausitzring vom 23. bis zum 25. Juli (live in SAT.1 und auf ran.de). Weitere Informationen: Fehlanzeige.

Doch was steckt hinter der kryptischen Mitteilung? Offenbar handelt es sich um Unregelmäßigkeiten beim HRT-Mercedes-Fahrzeug von Vincent Abril, der mit einer Bestzeit von 1:46.488 für die erste Pole Position des Jahres sorgte.

Nach Ende des Qualifyings wurden routinemäßig bei einigen Fahrzeugen Sprit-Stichproben entnommen. Beim Mercedes-AMG GT3 des Monegassen habe der Fingerabdruck aus der ersten Probe nicht mit der Referenzprobe aus dem Shell-Tankwagen übereingestimmt.

Das Haupt-Racing-Team will das weder bestätigen noch dementieren: "Es handelt sich um ein schwebendes Verfahren", so HRT-Geschäftsführer Ulrich Fritz. "Deswegen dürfen wir nichts dazu sagen."

Unachtsamkeit oder Trickserei?

Aber wie kann es zu so einem Regelverstoß kommen? Dass es bei der Probe Unregelmäßigkeiten gibt, muss nicht bedeuten, dass jemand absichtlich getrickst hat. Denn selbst kleine Unachtsamkeiten können dazu führen, dass der Sprit kontaminiert ist - zum Beispiel, wenn ein nicht komplett leeres Tankfass genutzt wird, in dem noch Benzinreste aus einer anderen Rennserie enthalten sind.

Das ist gerade im GT3-Bereich vorstellbar, da die Boliden in unterschiedlichen Serien zum Einsatz kommen. Und auch die Verzögerung von einer Woche, bis Ergebnisse vorliegen, ist bei Sprit-Regelverstößen nicht unüblich.

Jedes Fahrzeug muss "zu jedem Zeitpunkt der Veranstaltung", wie in Paragraph 46 des aktuellen DTM-Reglements steht, zwei Liter Kraftstoff im Tank haben, damit drei Spritproben im Motorraum zwischen Einspritzleiste und Kraftstoffleitung entnommen und dann versiegelt werden können. Ein Behälter geht an die Technischen Kommissare, einer an den Kraftstofflieferanten und einer an den Promoter.

Daraufhin wird eine Probe an ein Labor geschickt, in dem diese auf potenzielle Unregelmäßigkeiten untersucht wird. Selbst Kleinigkeiten gelten dabei als Regelverstoß, wie in Paragraph 45, Absatz fünf, klargestellt wird.

"Verändern des vorgeschriebenen Kraftstoffes ist verboten", heißt es dort. "So dürfen zum Beispiel keinerlei Substanzen hinzugefügt, entfernt oder in ihrer Konzentration verändert werden. Jegliches Vermischen mit anderen Kraftstoffen ist verboten; auch dann, wenn dieser bei einer der vorausgegangenen Veranstaltungen zugewiesen wurde."

Welche Strafe ist zu erwarten?

Es kann über eine Woche dauern, bis alle A-Proben überprüft werden. Die anderen bleiben vorerst ungeöffnet, um für den Fall gerüstet zu sein, dass das betroffene Team Berufung einlegt.

Doch welche Folgen könnte es haben, sollte dem Team tatsächlich nachgewiesen werden, dass der Sprit nicht der Referenzprobe entspricht? Das hängt davon ab, welchen Vorteil der Pilot hatte.

Sollte es sich nur um eine Unregelmäßigkeit handeln, die sich nicht maßgeblich auf den Wettbewerb ausgewirkt hat, dann wäre denkbar, dass Abril nur die drei Punkte für die Pole Position verliert. Darauf deutet auch die Formulierung hin, dass das Ergebnis des Qualifyings "noch nicht finalisiert werden" kann.

Vom Rennergebnis ist keine Rede, obwohl Abril auf Platz zwei ins Ziel kam.

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