Bei den Starts am Norisring kam es mehrmals zu Unfällen - Bildquelle: DTMBei den Starts am Norisring kam es mehrmals zu Unfällen © DTM

Der Vorwurf der Piloten ist klar: Weil sie beim Start die Ampel nicht sehen können, verlassen sie vorzeitig die Startformation. Das sorgt für Wirbel - und in weiterer Folge für Kettenreaktionen, die auch zum Crashfestival auf dem Norisring geführt haben. Dennoch will die DTM-Dachorganisation ITR auch für die zweite Saisonhälfte nichts an den Starts ändern - und der Forderung einer zweiten Ampelanlage nicht nachkommen.

"Ich sehe es ähnlich wie die Situation mit den Boxenstopps im Vorjahr und sehe deshalb keine Veranlassung, diese Kontinuität im Laufe der Saison zu unterbrechen", stellt DTM-Technikchef Michael Resl im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' klar.

Das dürfe "nicht so verstanden werden, dass wir uns der Verantwortung entziehen, sondern es gibt Regeln, die vor der Saison festgelegt wurden", erklärt der Österreicher. "Und würde man heute was ändern wollen, dann zieht das einen Rattenschwanz an anderen Änderungen mit sich, die wiederum für andere Probleme sorgen."

Warum man nicht einfach eine zweite Ampel aufstellt

Was er damit genau meint? Die DTM-Dachorganisation ITR hat nach den Beschwerden der Piloten beim Saisonauftakt in Portimao versucht, Lösungen zu finden - und die Einführung einer zweiten, gleichgeschalteten Ampelanlage (Repeater-Lights) oder eines Startsignals durch den Rennleiter per Funk geprüft.

Doch laut Resl gibt es aktuell keine zufriedenstellende Lösung. "Das größte Problem bei den Repeater-Lights ist, dass du sie in Einklang mit der vorhandenen Startanlage bringen musst. Du musst alles synchronisieren. Das ist nicht ganz trivial - und kann zu Fehlern führen."

Denn es würde nicht reichen, einfach eine zweite Startampel zu organisieren und die bei allen Rennen zu installieren, da schon eine kleine Verzögerung zum nächsten Problem führen würde. "Wir müssten ein komplettes Starting-Lights-System anschaffen - mit eigener Startampel, Repeaterlights und Pit-Exit-Lights", erklärt Layla Wagener, die als DTM-Managerin für Sport und Technik mit Resl zusammenarbeitet.

"Ein kombiniertes System ist aufgrund unterschiedlicher Streckeninfrastruktur und unterschiedlicher Startampel-Systeme nicht umsetzbar."

Warum es in der Class-1-DTM Repeater-Lights gab

Interessant: In der Class-1-DTM bis 2020 stellte man tatsächlich bei jedem Rennen ein eigenes Ampelsystem inklusive Repeater-Lights auf, doch damals waren noch die stehenden Starts an der Tagesordnung. "Ich gebe jedem Recht, der sich beschwert, weil er bei einem stehenden Start nicht weiß, wann die Ampel auf grün springt", zeigt Resl Verständnis.

"Bei einem rollenden Start in der NASCAR- und in der IndyCar-Serie ist das Feld aber ständig in Bewegung. Da verändert sich die Ausgangslage durch den vor dir fahrenden Piloten ununterbrochen", erklärt der DTM-Technikchef, warum er eine zweite Ampel für nicht notwendig erachtet.

Den Vorschlag, dass der Rennleiter das Startsignal per Funk gibt, habe man mit den Teammanagern gesprochen, er sei aber abgelehnt geworden, so Resl. "Es sollte nicht in der Gewalt des Renndirektors sein, den Startfunk zu geben", sagt er. Zumal die Piloten diesbezüglich ohnehin von ihren Renningenieuren mit dem Startsignal unterstützt werden.

Warum auch Rennleiter-Startsignal per Funk keine Lösung ist

"Jeder Fahrer steht mit seinem Renningenieur in Funkkontakt, aber auch da gibt es Aufregung, weil es vielleicht zu einer Sekunde Zeitverzögerung kommt", erklärt Resl. "Das ist aber nicht unser Problem, weil es dem Team freigestellt wird, welchen Funkanbieter sie nutzen und wie gut das funktioniert."

Aus diesem Grund "können wir als Veranstalter nicht gewährleisten, dass jedes Funksystem zu jedem Zeitpunkt einwandfrei funktioniert", erklärt Wagener, warum man die Verantwortung nicht übernehmen möchte. "Deswegen sehen wir ein Startsignal über Funk aktuell nicht zielführend."

DTM-Technikchef schließt Änderung für 2023 nicht aus

2022 müssen die Piloten also mit den Gegebenheiten leben, aber kommende Saison könnte es durchaus zu einer neuen Lösung kommen. "Wir schauen uns die Technologien an und werden diese auch testen", kündigt Resl an.

"Wir werden sie nicht in diesem Jahr einsetzen, aber wenn die Renndirektion ein Risiko im Startablauf sieht und wir bis dahin eine Lösung getestet haben, bei der wir keine Ausfälle haben und alles synchronisiert ist, dann möchte ich nicht ausschließen, dass wir so etwas auf bestimmten Rennstrecken sehen werden."

Davon, dass die aktuelle Lösung nicht fair sei, will Resl aber nichts wissen: "Wenn du dich schlechter qualifizierst, hast du schlechtere Voraussetzungen - das ist nun mal so. Dann bist du weiter weg von der Ampel."