Der größte Erfolg: Der Titelgewinn in der DTM 2002 als Privatteam. - Bildquelle: imago images / Motorsport ImagesDer größte Erfolg: Der Titelgewinn in der DTM 2002 als Privatteam. © imago images / Motorsport Images

München - Als die Firma Abt gegründet wurde, gab es noch keine Autos. Begonnen hat alles deshalb mit einer Pferdekutsche. 

Eine, die sommer- und wintertauglich war. Mit Kufen, die man im Winter runterklappen konnte.

Keine Frage: Schon 1896 war das Traditionsunternehmen Abt mit einem Pioniergeist ausgestattet. Und im Allgäu war so eine Allwetter-Kutsche Kutsche der Renner. 

Viel Herzblut in jeder Generation

"Es ist schön, wenn man weiß, wo man herkommt, und wie viel Herzblut in jeder Generation gesteckt hat", sagte Hans-Jürgen Abt der Zeit. 

2021 wird Abt immerhin 125 Jahre alt. "Das ist schon eine Familiengeschichte, auf die man sehr stolz sein kann", so Abt, der seit rund 30 Jahren das Sagen hat. Und mit einem ähnlichen Näschen wie sein Urgroßvater ausgestattet ist. Oder aber der eigene Vater.

"Abt hat immer für Innovationen gestanden. Mein Vater war auch schon ein großer Ingenieur und war aber auch sehr motorsportbegeistert", sagte Hans-Jürgen Abt, inzwischen der geschäftsführende Gesellschafter. 

Er hatte im Grunde gar keine andere Wahl: "Wenn man jeden Tag am Tisch sitzt und im Grunde mehr Benzin schmeckt als Apfelsaft, dann kommt das von alleine. Dann riecht man das, dann will man das und dann macht man am Ende das Gleiche weiter und entwickelt es dann auch."

Abt hat sich in all den Jahren enorm entwickelt und ist heute breit aufgestellt: Im Motorsport ein großer Name, dazu echter Elektro-Pionier und anerkannter Auto-Veredler. 

"Bei allen motorsportlichen Aktivitäten wird die DTM immer einen besonderen Stellenwert für Abt Sportsline haben. Wir waren 2000 mit unserem Abt-Audi TT-R Gründungsmitglied der neuen DTM. Ich bin stolz darauf, dass es uns zwei Jahrzehnte lang gelungen ist, auf und neben der Rennstrecke Highlights zu setzen", sagte Abt, der auch nach dem Ausstieg von Audi und dem Ende der DTM als Werkssport der Serie die Treue hält.

2021 ist die 22. Saison der "Äbte" in der DTM und eine Rückkehr zu den eigenen Wurzeln, denn angefangen hatte Abt 2000, im Jahr der Wiedergeburt der DTM mit Opel und Mercedes, mit dem in Eigenregie entwickelten Abt-Audi TT-R als Privatteam. 

Auf einer Bierkiste

Als damals die ersten Bewegtbilder vom Auto entstanden, rollte der TT-R einen Hügel hinunter und Fahrer Christian Abt saß auf einer Bierkiste – einen Motor und einen Fahrersitz gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Doch nach nur 100 Tagen stand das ehrgeizige Projekt beim ersten Rennen am Start, 2001 folgte am Nürburgring der erste Sieg. 

Abt hat immer noch ein Bild vom damaligen Motorsportchef Norbert Haug im Büro hängen, auf dem steht: "Erst trinkt ihr unser Bier leer und dann nehmt ihr uns noch die Pokale weg." Haug hatte damals alles, was es bei ihm zu trinken gab, mit dem Gabelstapler in die Abt-Hospitality gekarrt.

2002 folgte dann in Zandvoort der erste Titelgewinn durch Laurent Aiello. 

"Die Zieldurchfahrt damals in Zandvoort war unglaublich, ein Moment, den wir niemals vergessen werden", spricht Abt über diesen speziellen motorsportlichen Höhepunkt in der 125-jährigen Firmengeschichte. 

Legendäre Partys

Was folgte, waren als Audi-Werksteam fünf Titel und 67 Siege. Und sehr viele weitere, legendäre Partys.

"Wir haben uns auch über dritte Plätze gefreut. Wir waren jung, dynamisch, anfangs erfolglos, dann erfolgreich, und wir haben immer versucht, die Motivation und Stimmung zu halten", sagte Abt. Sein Motto als Chef: "Wer hart arbeitet, soll auch für den Erfolg belohnt werden. Das haben wir mit dem Feiern gemacht und das hat sich dann rumgesprochen, da spricht man heute noch drüber."

Den Ruf der harten Abt-Schule will der 58-Jährige gar nicht erst verharmlosen. "Wir haben schon eine gewisse Härte, denn ich bin ein schlechter Verlierer. Ich glaube, insgeheim ist jeder ein schlechter Verlierer – wenn man Sport macht, will man gewinnen", sagte er. Trotzdem müsse ein gewisser Teamgeist da sein: "Wir haben gemeinsam viel erreicht und das geht runter bis zu dem, der die Werkstatt putzt."

Der Pioniergeist von damals treibt Abt Sportsline noch heute an, genauso wie der familiäre Charakter des Teams und die bayerische Mia-san-mia-Mentalität. "Wer hier arbeitet, der gehört dann einfach dazu. Wir sind nicht so hierarchiebestimmt, sondern wollen ein großes Team sein. Jeder weiß, was seine Aufgaben sind und wird aber auch an diesen Aufgaben gemessen", sagt Abt. 

Kein großer Fan von E-Mobilität

Was Abt früh für seine Firma entdeckte, war die E-Mobilität. Seit mehr als zehn Jahren beschäftigt sich das Unternehmen damit, obwohl Abt selbst gar kein großer Fan des Themas war. Doch seine Mitarbeiter trommelten für das damals noch eher unbekannte Thema, das noch in den Kinderschuhen steckte.

Das Team gehörte dann ab 2014 zu den Gründungsteams der Formel E. Abt zögerte nicht, als sich diese Chance bot. 

"Weil wir gesagt haben: Wenn wir uns als Unternehmen mit E-Mobilität beschäftigen, dann wollen wir damit auch im Motorsport erfolgreich sein", so Abt. Die Äbte wurden erst einmal belächelt, "weil es hieß, das hätte doch mit Sport nichts zu tun", so Abt. Zunächst startete Abt (mal wieder) als Privatteam, dann als Audi-Werksteam. 

Über die letzten Jahre habe man eine tolle Rennplattform geschaffen, sagte Abt: "Und waren Gott sei Dank auch erfolgreich, haben viele Pokale mit nach Hause genommen und der Öffentlichkeit gezeigt, dass es auch ohne Verbrenner geht – und dass das auch bei den Fans gut ankommt."

Einstieg in die Extreme E

Aber: Auch hier zieht sich Audi – nach der aktuellen Saison – zurück. Bedeutet: Es ist offen, wie es mit Abt in der Formel E weitergeht.

Doch das Team weiß, wie man mit Rückschlägen umgeht. Deshalb geht Abt zusammen mit Cupra nun ab April auch in der Extreme E (live auf ProSieben MAXX und ran.de) an den Start. "Wir lieben Innovationen, Wettkampf, E-Mobilität und das Gefühl, als Pionier bei etwas ganz Neuem dabei zu sein", sagt Abt.

Innovation und Pioniere: So ähnlich wie bei der Allwetter-Pferdekutsche. 

Andreas Reiners

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