Maximilian Günther hat in der vergangenen Saison zwei Rennen für sein BMW i ... - Bildquelle: ImagoMaximilian Günther hat in der vergangenen Saison zwei Rennen für sein BMW i Andretti Motorsport Team gewinnen können © Imago

ran.de: Nach sieben Monaten ohne Racing geht es kommendes Wochenende endlich wieder los. Wie sehr haben Sie die Renn-Action vermisst?

Maximilian Günther: So eine lange Rennpause hatte ich noch nie und ich habe es unheimlich vermisst. Wir hatten letztes Jahr einen eigenartigen Rhythmus: Erst fünf Monate Pause bis Berlin, dort in 14 Tagen sechs Rennen -  das war unheimlich intensiv - und danach wieder diese lange Pause.

Wir haben die Zeit wirklich gut genutzt mit Testfahrten im Simulator, vielen Meetings und dem engen Austausch mit den Ingenieuren, um das ganze Paket für die Saison 7 zu optimieren und so stark wie möglich zu machen. Aber ja, mir ist das schon sehr abgegangen in der letzten Zeit und ich freue mich schon, wenn es jetzt losgeht.

ran.de: Sie sind jetzt gut eine Woche vor dem Rennwochenende in Saudi-Arabien angekommen. Wie sieht Ihr Tagesablauf momentan, aus – gerade in Anbetracht der Corona-Vorkehrungen in der Formel E?

Günther: Ich bin am Freitagabend angekommen, jetzt habe ich zwei Tage Quarantäne im Hotel. Am Montagmorgen habe ich meinen PCR-Coronatest und dann bin ich vermutlich ab Montagnachmittag auf freiem Fuß. Dann kann ich rausgehen, Sport machen und mich besser akklimatisieren. Ab Mittwoch bin ich an der Rennstrecke.

 

ran.de: Ihre vergangene Saison verlief mit zwei Siegen schon vielversprechend. Was sind die Ziele für diese Saison?

Günther: Als Rennfahrer möchtest du natürlich immer gewinnen. Aber meine Philosophie war es schon immer, mich nur auf mich selbst und meine Arbeit zu konzentrieren. Ich versuche, mich und das Team jeden Tag zu verbessern und nach vorne zu pushen. In den drei Tagen in Diriyya will ich jeden Tag alles rausholen. Wenn wir das schaffen, haben wir die Chance auf ein gutes Ergebnis. Das war immer schon meine Philosophie und so wird es auch über die ganze Saison bleiben.

ran.de: Wo sehen Sie sich selbst im Fahrerfeld? Wer ist der beste Pilot in der Formel E? Wo stehen Sie?

Günther: Das kann man nicht konkret beantworten, weil die Leistungsdichte in der Formel E einfach so kompakt ist. Es gibt wahrscheinlich dieses Jahr zehn, zwölf Titelkandidaten. Spekulationen sind in der Formel E, was Meisterschaftsplatzierungen angeht, ohnehin immer schwierig. Ich glaube, es ist selbsterklärend, dass ich ganz vorne sein möchte.

ran.de: Sie wohnen seit Sommer 2020 in Monaco. Ist Ihr neues Heimrennen dort Ihr persönliches Highlight der anstehenden Saison?

Günther: Ja, tatsächlich. Ich freue mich unheimlich auf das Rennen in Monaco. Das und hoffentlich Berlin, wenn es stattfindet, sind als meine zwei Heimrennen, meine Favoriten. Monaco ist sehr speziell. Es war schon immer mein Kindheitstraum, dort ein Rennen zu fahren und dort zu leben. Das konnte ich mir nun beides erfüllen. Es ist einfach sehr speziell dort: Das Flair, die tolle Atmosphäre… und die Strecke ist auf jeden Fall eine Herausforderung.

ran.de: Sie haben über Ihren Umzug nach Monaco gesagt, dass einer der Gründe dafür sei, unter Sportlern mit ähnlichem Lebensstil zu sein. Trifft man sich als Rennfahrerkollege in Monaco hier und da oder ist das angesichts der Corona-Situation ohnehin kaum möglich?

Günther: Es ist natürlich alles durch die Corona-Pandemie stark eingeschränkt. Ich habe in den letzten Monaten gut aufgepasst, um gesund zu bleiben. Aber für Leistungssportler war es möglich, in die Fitnessstudios zu gehen. Da gibt es in meinem Studio sehr viele andere Profisportler aus dem Tennis, Rennsport oder Radrennsport. Man pflegt Kontakte, die über den Motorsport hinausgehen und es ist cool, diese Leute kennenzulernen. Die ersten Monate in meiner neuen Heimat gefallen mir sehr gut.

 

ran.de: Zurück zur Formel E: Was macht sie als Rennserie in Ihren Augen besonders attraktiv für Fahrer und Fans?

Günther: Zunächst mal steht Motorsport immer für Entwicklung und eine Vorreiterrolle für Technologie, die dann im Straßenverkehr eingesetzt wird. Die technischen Möglichkeiten, die wir in den Formel-E-Autos haben, sind grenzenlos und spektakulär. Es ist außerdem herausfordernd auf den engen Stadtkursen. Es ist sowohl im Qualifying als auch im Rennen eine Riesen-Herausforderung, die Boliden am Limit zu bewegen. Das macht viel Spaß und verlangt uns Fahrern alles ab.

Außerdem ist die Leistungsdichte unheimlich hoch. Und natürlich sind letztlich die Rennen sehr spannend, auch durch das Thema Energiemanagement, das die Rennen unberechenbar macht. Bis zum Schluss sind viele Überholmanöver geboten. Die Serie garantiert einfach immer sehr großes Spektakel.

ran.de: Dennoch hat Ihr Hersteller BMW für das Ende der Saison seinen Abschied aus der Formel E verkündet. Kam die Nachricht für Sie überraschend? Was war Ihr erster Gedanke, als Sie davon erfahren haben?

Günther: Für mich war es auch überraschend, auch wenn ich natürlich informiert wurde, bevor die Pressemitteilung rausging. Es ist natürlich sehr schade. Mit BMW und Audi gehen zwei tolle deutsche Automobilhersteller. Aber im Endeffekt sind das Dinge, die man als Fahrer nicht kontrollieren kann. Ich freue mich einfach sehr auf die anstehende Saison zusammen mit meinem BMW i Andretti Motorsport-Team. Wir sind eine sehr starke Truppe und haben einiges vor, und darauf konzentrieren wir uns. Alles was über Saison 7 hinausgeht, werden wir in den kommenden Monaten sehen.

ran.de: Die Rennlizenz Ihres Teams liegt ja nicht bei BMW, sondern bei Andretti Motorsports. Wird es für das Team nach der Saison also mit einem anderen Hersteller weitergehen?

Günther: Ich kann jetzt natürlich nichts verkünden. Aber ich glaube, es ist sehr wahrscheinlich, dass Andretti Motorsport in der Formel E weitermacht. Sie haben die Lizenz. Die Liste der Hersteller, die in die Formel E einsteigen wollen, ist lang. Das ist kein Geheimnis. Aber zu diesem Zeitpunkt ist da einfach zu wenig klar. Meine Optionen für die Saison 8 und darüber hinaus werde ich dann zu gegebenen Anlass selektieren.

ran.de: Sehen Sie sich selbst auch über die Saison hinaus in der Formel E oder orientieren Sie sich in eine andere Richtung?

Günther: Meine Ausrichtung ist klar: Ich sehe meine Zukunft in der Formel E. Nicht zuletzt, weil es seit diesem Jahr eine WM ist. Der Stellenwert der Formel E ist unglaublich hoch. Sie gehört zusammen mit der Formel 1 und der IndyCar-Serie zu den größten Serien weltweit. Natürlich gibt es auch andere Programme wie zum Beispiel die Hypercar-Serie, die in den nächsten Jahren auch interessant werden, aber meine Priorität ist ganz klar die Formel E.

ran.de: Wie geht das Team mit der Situation um? Spüren Sie vor der letzten gemeinsamen Saison in dieser Zusammensetzung eine Jetzt-erst-recht-Stimmung?

Günther: Ich war seit der Verkündung des BMW-Ausstiegs regelmäßig in engem Kontakt mit dem Team, weil es mir wichtig ist, dass die Motivation im Team mindestens genauso hoch ist wie vorher. Und das habe ich vom ersten Tag an gespürt. Das gesamte Team wird dieses Jahr alles in die Waagschale legen, was wir haben. Ich freue mich unheimlich auf meine zweite Saison mit diesem Team und bin gespannt, was dabei herauskommt.

ran.de: In der Formel 3 waren Sie unter anderem Teamkollege von Mick Schumacher und Lance Stroll. Wie haben Sie ihn dort als Teamkollege empfunden und glauben Sie, dass er sich in der Formel 1 durchsetzen wird?

Günther: Ich denke auf jeden Fall, dass Mick die Formel 1 absolut bereichert. Es ist einfach etwas Besonderes, einen Fahrer mit dem Namen Schumacher in einem Formel-1-Boliden zu sehen. Ich hatte 2017 in der Formel 3 ein Jahr das Vergnügen, sein Teamkollege zu sein und wir hatten ein sehr gutes Verhältnis und einen guten Austausch miteinander. Für ihn war es die erste Saison, für mich ging es um die Meisterschaft. Es hat Spaß gemacht und ich wünsche ihm auf jeden Fall alles Gute in der Formel 1!

Das Interview führte: Martin Jahns

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