Pascal Wehrlein will mit Porsche den WM-Titel in der Formel E gewinnen. - Bildquelle: PorschePascal Wehrlein will mit Porsche den WM-Titel in der Formel E gewinnen. © Porsche

München - Am Donnerstag geht es los. Mit dem freien Training (ab 16:10 Uhr im Livestream auf ran.de) startet das Rennen um die Formel E-Weltmeisterschaft.

In Saudi Arabien (Rennen 1 am Freitag ab 17:30 Uhr live auf ProSieben MAXX und ran.de; Rennen 2 am Samstag ab 17 Uhr in SAT.1 und auf ran.de) geht Pascal Wehrlein nach seinem Wechsel erstmals mit einem Porsche an den Start. Im ran-Interview spricht der jüngste DTM-Champion über die Vorbereitung, gestiegene Ansprüche und Sebastian Vettel.

ran.de: Herr Wehrlein, nur noch ein paar Tage bis zum ersten Rennen in Riad. Wie groß ist die Vorfreude?

Pascal Wehrlein: Ich freue mich riesig. Für mich war es ja jetzt eine einjährige Pause. Mein letztes Rennen war in Marrakesch am 29. Februar 2020.

ran.de: Corona hat auch den Rennkalender der kommenden Saison schon durcheinandergewirbelt, eigentlich sollte es ja schon im Januar losgehen. Wie hat sich dadurch Ihre persönliche Vorbereitung verändert?

Wehrlein: Ich habe schon ein paar Dinge anders gemacht als sonst. Im Winter verbringe ich normalerweise sehr viel Zeit im Fitnessstudio oder beim Snowboarden und Skilanglaufen. Skilaufen war ich auch dieses Jahr ein paar Mal, aber allein. Dazu habe ich mir im Keller ein eigenes Fitnessstudio eingerichtet.

ran.de: Und die Vorbereitung mit dem Team? Sie wechselten ja von Mahindra zu Porsche.

Wehrlein: Die Arbeit mit dem Simulator ist ganz wichtig. Ich war auch schon ein paar Mal im Auto, seitdem ich bei Porsche bin, seit letztem Jahr im August. Da bin ich sehr vertraut geworden mit dem Auto, mit dem Team. Ich fühle mich sehr wohl. Also - die Vorbereitung lief gut. Passt alles.

ran.de: Es spielt demnach keine Rolle, dass Sie das letzte Mal im Dezember bei den Tests in Valencia mit anderen Autos auf der Strecke waren und mehr oder weniger "kalt" starten?

Wehrlein: Nein. Klar, Rennen zu fahren, ist schon etwas anderes - aber ich bin in meiner Karriere schon viele Rennen gefahren. Jetzt hatte ich durch den Teamwechsel und Corona eine etwas längere Pause. Aber ich glaube nicht, dass das etwas an meiner Herangehensweise oder daran, wie ich Rennen fahre, verändert hat.

ran.de: Die Formel-E-Saison beginnt gleich mit einem Nachtrennen. Ist das für einen Rennfahrer eine besondere Herausforderung?

Wehrlein: Mir persönlich gefallen Nachtrennen viel besser. Es macht richtig Spaß, es kommt einem alles auch viel schneller vor. Riad wird mein erstes Nachtrennen in der Formel E, da muss ich das richtige Visier finden. Aber grundsätzlich mag ich das Ambiente abends mit dem Flutlicht einfach, das ist cool.

ran.de: Sie gehen in Ihre dritte Saison in der Formel E. Wie haben Sie sich in der Zeit als Fahrer entwickelt - und sind Ihre Ansprüche gestiegen?

Wehrlein: Ich habe, glaube ich, in meinem ersten Jahr sehr große Schritte als Formel-E-Fahrer gemacht. Die Serie ist sehr speziell, gerade das Energiemanagement zu beherrschen, ist keine leichte Aufgabe. Meine Ansprüche an mich selbst waren schon immer sehr hoch. Ich weiß: Wenn ich das Beste aus mir und dem Auto heraushole, stehe ich ziemlich weit vorne. Da mache ich mir selbst den meisten Druck.

ran.de: Welche Bedeutung hat der Wechsel zu Porsche für Sie - und wie passt das neue Team zu Ihren Zielen?

Wehrlein: Mein Hauptziel ist es, Rennen zu gewinnen. Das war der ausschlaggebende Punkt, warum ich gewechselt bin. Ich glaube an das Team, an unsere Entwicklung. Zusammen mit Porsche habe ich gute Chancen, Rennen zu gewinnen, konstant Podiumsplätze zu holen. Und dann ist man auch ein Titelanwärter - und wir wollen ganz klar um den Titel fahren.

Bislang lief alles super, ich bin gut integriert, habe gute Verbindungen zu meinen Ingenieuren und Mechanikern aufgebaut. Wir verstehen uns alle schon sehr gut, auch wenn wir noch kein Rennen gefahren sind. Und es ist auch schön, mal wieder so ein bisschen zu Hause zu sein. Stuttgart [Porsche-Hauptsitz, Anm. d. Red.] ist nur eine Stunde von dem Ort entfernt, an dem ich aufgewachsen bin. Da kann man wieder Schwäbisch reden. (lacht)

ran.de: Welche Rolle spielte Teamkollege Andre Lotterer bei Ihrer Eingewöhnung?

Wehrlein: Andre ist ein sehr offener Mensch, an den ich mich gerade am Anfang anlehnen konnte. Er gibt mir Feedback, hat eine große Erfahrung, kennt das Team - Andre war und ist ein sehr wichtiger Ansprechpartner für mich.

ran.de: Die siebte Formel-E-Saison ist die erste, die als offizielle WM ausgetragen wird. War das Ihrer Meinung nach ein überfälliger Schritt - und ziehen Sie daraus nochmal Extramotivation?

Wehrlein: Aus persönlicher Sicht war es eigentlich schon immer eine Weltmeisterschaft. Es sind so viele verschiedene Marken dabei, so viele Hersteller, dann fahren wir in so vielen unterschiedlichen Ländern. Aber jetzt haben wir den offiziellen Status durch die FIA, und das verleiht dem Ganzen natürlich nochmal zusätzlich Prestige.

ran.de: Noch stehen nicht alle Rennen fest, aber auf welchen Kurs freuen Sie sich am meisten?

Wehrlein: Ehrlich gesagt: Ich freue mich auf alle - Hauptsache, ich kann endlich wieder Rennen fahren! (lacht) Und der Kalender wird nicht wieder verschoben. Es muss natürlich alles sicher sein, aber da kümmern sich die Formel E und FIA super. Und alles andere liegt nicht in meiner Hand.

ran.de: Im kommenden Jahr verliert die Formel E mit BMW und Audi zwei deutsche Hersteller, eigentlich der erste Rückschlag nach stetigem Wachstum. Wie sehen Sie die Zukunft der Rennserie?

Wehrlein: Es ist natürlich schade, gleich zwei Deutsche zu verlieren. Aber was man so hört, ist das Interesse neuer Hersteller durchaus groß. Mal sehen, was passiert, aber ich bin da sehr optimistisch.

ran.de: Sie haben 2015 die DTM gewonnen, sind bis heute der jüngste Champion der Rennserie. Der Zuspruch für die neue Saison mit GT3-Autos ist noch überschaubar. Wie bewerten Sie die aktuelle Situation?

Wehrlein: Wie es sich mit den Teams und Herstellen entwickelt, kann ich aus der Ferne schwer beurteilen, da bin ich zu wenig up-to-date. Aber ich freue mich einfach, dass es mit der DTM weitergeht, denn ich verbinde mit ihr viele schöne Erinnerungen und Momente. Letztes Jahr hat es ja zwischenzeitlich nicht so gut ausgesehen, deswegen umso schöner, dass auch 2021 gefahren wird - und beim ersten Rennen sitze ich dann gespannt vor dem Fernseher.

ran.de: Sie schauen ja bestimmt auch Formel 1, kennen Sebastian Vettel sehr gut. Was trauen Sie ihm bei seinem neuen Team Aston Martin zu?

Wehrlein: Das Team war letztes Jahr schon gut unterwegs, sie haben auch einen Sieg eingefahren. Sie sind konstante Anwärter auf Podiumsplätze. Und mit Sebastian haben sie auf jeden Fall einen Fahrer, der das Zeug zum Gewinnen mitbringt.

ran.de: Zum Abschluss nochmals zu Ihnen persönlich. Auch wenn die Zukunft im Motorsport nicht immer zu planen ist - wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Wehrlein: Ich hoffe, dass ich in fünf Jahren die Formel E gewonnen habe - und hoffentlich nicht nur einmal. (lacht) Die nächsten Jahre sehe ich mich auf jeden Fall in der Formel E, denn die macht mir einfach sehr viel Spaß. Interessant wird es auch, was mit den Gen3-Autos passiert. Mich haben aber auch schon immer andere Serien oder Events gereizt.

Das Gute an der Formel E ist, dass man zwei Kalender unter einen Hut bringt - ich hatte ja letztes und vorletztes Jahr auch ein Doppelprogramm als Simulatorpilot bei Ferrari in der Formel 1. Also mal sehen. Vielleicht kommt ja in Zukunft noch was dazu, aber im Moment liegt mein Fokus auf dem Porsche-Formel-E-Projekt.

Das Interview führte: Kevin Obermaier

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