München - Mit der Einführung des neuen Gen3-Autos wird sich 2023 auch das sportliche Format der Formel E verändern.

Entsprechende Regeländerungen wurden vom Motorsport-Weltrat des Automobil-Weltverbands FIA in einer Online-Abstimmung abgesegnet und am Freitag veröffentlicht.

Die gravierendste Änderung ist die Einführung von Schnellade-Boxenstopps, die unter dem Titel "Attack Charge" den bisherigen Attack-Mode ablösen können.

Anstatt die Zusatzleistung durch das Überfahren einer Schleife abseits der Ideallinie zu aktivieren, soll dies künftig durch einen 30-sekündigen Boxenstopp geschehen, bei dem die Batterie mit einem 600-Kilowatt Ladegerät namens "Booster" aufgeladen wird.

Allerdings ist es nach Aussage von Formel-E-Geschäftsführer Jamie Reigle unwahrscheinlich, dass das neue Element schon beim Saisonauftakt am 14. Januar in Mexiko-Stadt (ab 20:30 Uhr live auf ProSieben) zum Einsatz kommen wird.

"Die Herausforderung, die wir haben, ist, dass der Lieferant der Zellen für das In-Race-Ladegerät, was wir Booster nennen, derselbe ist wie die Zellen für die Batterien", sagt Reigle der englischsprachigen Ausgabe von 'Motorsport.com'.

Formel E will Schnelllade-Stopps "nicht erzwingen"

"Wir mussten zuerst sicherstellen, dass die Batterien in Ordnung sind, und dann können wir die Zellen für die Ladegeräte bereitstellen", so Reigle weiter. "Diese könnten bis Mexiko fertig sein, aber letztendlich muss man sich all die Dinge ansehen, die sich ändern."

"Wir haben diese Technologie, aber wir sollten sie nicht bis Januar erzwingen, sondern sie erst dann einführen, wenn wir ein hohes Maß an Vertrauen haben, dass sie auf die richtige Art und Weise implementiert werden kann", fährt der Formel-E-Geschäftsführer fort. Getestet werden soll die neue Technik bei den offiziellen Testfahrten im Dezember dieses Jahres in Valencia.

Beim Einsatz der Schnellade-Boxenstopps will sich die Formel E alle Türen offen halten. Denkbar sei laut Reigle beispielsweise auch, bei Double-Header-Rennen ein Rennen im konventionellen Formel-E-Format auszutragen und das zweite mit Attack-Charge, um für mehr strategische Variabilität zu sorgen. Fest steht hingegen, dass der Fan-Boost nicht mehr fortgeführt wird.

Plätze für Young Driver im ersten Training

Die Formel E wird darüber hinaus zu einer festen Rundenzahl zurückkehren, nachdem die Renndistanz zuletzt anhand der Zeit bemessen wurde. Für Runden hinter dem Safety-Car wird die Renndistanz weiterhin anteilig erhöht.

Auch am Qualifying-System gibt es kleinere Änderungen. So bleiben die ausgelosten Gruppen bis zum Finale getrennt, statt dass Fahrer aus Gruppe A bereits im Viertelfinale gegen Fahrer aus Gruppe B antreten müssen. Der Rennmodus für die Saison 2023 wird auf 300 Kilowatt festgelegt, wobei der Qualifying- und Attack-Modus auf 350 Kilowatt erhöht wird.

Außerdem übernimmt die Formel E die Young-Driver-Regel aus der Formel 1. Einmal pro Saison muss jeder Stammfahrer in einem ersten Freien Training seinen Platz im Cockpit an einen Fahrer abgeben, der bisher noch nicht in der Formel E gefahren ist.