Nico Hülkenberg musste lang auf eine Entscheidung des Haas-Teams warten - Bildquelle: Motorsport Network (Sascha Riefe)Nico Hülkenberg musste lang auf eine Entscheidung des Haas-Teams warten © Motorsport Network (Sascha Riefe)

Nico Hülkenberg feiert 2023 ein Comeback in der Formel 1, doch dass er bei Haas Mick Schumacher ersetzen würde, das war lang nicht klar. Erst beim Grand Prix von Brasilien fiel die endgültige Entscheidung für den 35- und gegen den 23-jährigen Deutschen - und zwischendurch sah es so aus, als habe Schumacher die viel besseren Chancen.

Laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' stand Hülkenbergs Name bereits früh in der Saison auf der Liste möglicher Kandidaten, sollte sich Schumacher nicht steigern können. Denn Schumachers Saisonbeginn hatte Teamchef Günther Steiner und Eigentümer Gene Haas überhaupt nicht überzeugt, und so stand über seiner Zukunft früh ein Fragezeichen.

Doch obwohl die Vorbehalte gegen eine Vertragsverlängerung mit Schumacher spätestens nach dessen neuerlichem Crash in Monaco evident wurden, gab ihm Haas weiterhin die Chance, sich zu empfehlen. Und tatsächlich konnte sich Schumacher steigern. Das Qualifying in Montreal, Silverstone und Spielberg waren die positiven Highlights der Saison.

Hülkenberg bestätigt im Nachhinein, dass sich seine Chance bei Haas "nach der Sommerpause" ergeben habe, und zwar "Stück für Stück". Im Interview mit 'Sky' verrät er, dass alles viel "länger gedauert" habe als ursprünglich gedacht, denn: "Mick hat dann auf einmal besser performt, und man hat ihm Zeit gegeben."

Warum alles so lang gedauert hat

Doch Schumachers sehr starker Auftritt in Spielberg sollte sein letzter in den Punkten bleiben, und so deutete teamintern ab Ende August viel auf einen Fahrerwechsel hin. Es ist ausschließlich der Tatsache zu verdanken, dass Schumacher jede Chance gegeben werden sollte, sich zu beweisen, dass Hülkenberg nicht schon viel früher bestätigt wurde.

Schumacher aber konnte seine Chance nicht nutzen. Es passierten kleine, aber überflüssige Pannen wie der Trainingscrash in Suzuka, wo er auf dem Weg zurück an die Box abflog. Auch Antonio Giovinazzi baute bei seinem Freitagseinsatz in Austin einen Crash. Hülkenberg schaute sich zu dem Zeitpunkt "recht entspannt" von der Seitenlinie an, wie der Geduldsfaden von Gene Haas riss.

Viele Fans haben das Warten auf die Haas-Entscheidung als nervtötende Hängepartie empfunden. Hülkenberg beteuert, an ihm habe der ganze Prozess "nicht sehr" gezerrt: "Aus meiner Sicht war ich in einer recht komfortablen Situation, denn ich war ja raus. Für mich war im Sommer die Wahrscheinlichkeit größer, dass es nicht klappt, als dass es klappt."

Es sah schon sehr nach Mick aus!

Steiner bestätigt die Darstellung, dass man Schumacher sofort weiterverpflichtet hätte, hätte er sein Leistungsniveau vor Ende der Sommerpause stabilisieren können: "Absolut. Mick hat sich während der Saison stark verbessert. Jeder konnte das sehen. Zwischendurch sah es sehr gut aus. Darum hat die Entscheidung so lang gedauert."

"Wir haben uns das nicht leicht gemacht und die Entscheidung nicht etwa schon vor der Sommerpause getroffen", versichert der Südtiroler, in Übereinstimmung mit Hülkenbergs Aussage. "Wir haben so lang gebraucht, um zu entscheiden, was das Beste für das Team ist. Das habe ich ja ständig gesagt. Mick ist einige Rennen sehr gut gefahren."

Gereicht hat's letztendlich trotzdem nicht, weshalb jetzt Hülkenberg zum Zug kommt. Bereits am Dienstag sitzt der Routinier beim Post-Season-Test erstmals im Haas, weswegen er übrigens die Teilnahme am November-Mitgliederstammtisch auf dem YouTube-Kanal von Formel1.de auf Dezember verschieben muss. Ihn ersetzt am Freitagabend ServusTV-Kollege Christian Klien.

Hülkenberg ist "glücklich", dass es mit dem Comeback doch noch geklappt hat. 2019 war seine bisher letzte Vollzeitsaison in der Formel 1. In der Pause habe er "gemerkt und gefühlt, dass ich das Buch doch noch nicht ganz zuschlagen möchte. Und ja, es hat geklappt. Die Interessen haben sich gefunden und gebündelt."

Schönes Leben auch ohne Renncockpit

Dabei hat er sich in seiner Reservistenrolle nicht grundsätzlich unwohl gefühlt. Hülkenberg wurde Experte bei ServusTV und ging in dieser Rolle hervorragend auf, wurde erstmals Vater und nutzte die Auszeit, um sich den schönen Dingen des Lebens zu widmen, vieles davon dokumentiert auf seiner Instagram-Seite.

Und er war Test- und Ersatzfahrer bei Aston Martin, wo er am Saisonbeginn 2022, als Sebastian Vettel mit Coronavirus zu Hause bleiben musste, unter Beweis stellen konnte, dass er immer noch sofort da ist, wenn er gerufen wird. Dritter Fahrer zu sein, sagt Hülkenberg, sei ganz "chillig" gewesen: "Da sitzt man nicht in dem heißen Sitz und hat den Leistungsdruck."

Ähnliche Situation wie Ende 2020

Viel intensiver war dann die Hängepartie im Sommer, als er monatelang nicht wusste, ob er bei Haas eine Chance bekommt oder nicht. Aber: "Ich habe das nicht zum ersten Mal gemacht. Es hat schon Vertragsverhandlungen gegeben, die ich in der Vergangenheit geführt habe, die ähnlich waren. Das war nicht alles neu für mich."

Zum Beispiel Ende 2020, als bei Red Bull die Entscheidung letztendlich gegen ihn und für Sergio Perez fiel. Diesmal sollte er das bessere Ende für sich haben. Hülkenberg erinnert sich: "Irgendwann, die letzten zwei Monate, war ich recht optimistisch." Das deckt sich mit Recherchen von 'Motorsport-Total.com', wonach bereits in Monza viel in seine Richtung gedeutet haben soll.

Jetzt beginnt am Dienstag sein nächstes Kapitel als Rennfahrer. Hülkenberg wird "die nächsten Monate intensiv nutzen, um mich vorzubereiten. Der Test am Dienstag wird hart, keine Frage. Es ist heiß. Die Strecke, wie sie jetzt ist, ist ultra-highspeed, alles fünfter, sechster Gang. Das wird sportlich", blickt er seiner Haas-Premiere auf dem Yas-Marina-Circuit entgegen.