Seit dem 15. September ist die Netflix-Doku "Schumacher" über das Leben des ...Seit dem 15. September ist die Netflix-Doku "Schumacher" über das Leben des Formel-1-Rekordweltmeisters zu sehen

München – Gleich vorweg: Wer sich von der Netflix-Dokumentation "Schumacher" neue Details zum Gesundheitszustand Michael Schumachers erhofft, wird enttäuscht. Ebenso alle Fans der ersten Stunde, die völlig neue Seiten an ihrem Idol kennenlernen wollen.

Stattdessen sorgt der Film vom Regie-Trio Vanessa Nöcker, Michael Wech und Hanns-Bruno Kammertöns für Gänsehaut: Mit den größten Momenten einer einzigartigen Laufbahn – und mit einem einfühlsamen Einblick in eine Familie, deren Leben von einer Tragödie erschüttert wurde.

Erinnerungen an große Formel-1-Momente

Den sportlichen Fokus legt "Schumacher" auf die 90er. Vom Debüt des Kerpeners in Spa über den ersten Rennsieg ebenda, die sensationellen WM-Titel mit Benetton oder die Skandal-Crashes mit Hill und Villeneuve, die Schumachers internationales Image als brillanten, aber zuweilen unfairen Piloten prägten, werden alle frühen Karriere-Highlights in ikonischen Bildern gezeigt.

Dabei kommen Konkurrenten auf der Strecke wie Damon Hill, Mika Häkkinen oder David Coulthard ebenso zu Wort wie Schumachers langjährige Weggefährten Flavio Briatore, Jean Todt und Ross Brawn sowie Manager und Entdecker Willi Weber.

Ein Fest für Schumi-Fans, in dem aber auch leise Töne wie der Unfalltod von Ayrton Senna oder Schumachers schwerer Crash in Silverstone 1999 angeschlagen werden. Auch das schwierige erste Jahr im zunächst fast unfahrbaren Ferrari wird ausführlich thematisiert, genauso wie der erlösende erste WM-Titel mit der Scuderia im Jahr 2000.

Kein Rütteln am Mythos Michael Schumacher 

Für Fans der ersten Stunde halten sich die neuen Erkenntnisse über den Menschen hinter dem Rennfahrer Schumacher dennoch in Grenzen. Perfektionistisch in den Ansprüchen an sich und seinen Boliden, herzlich im Umgang mit dem eigenen Team, unnachgiebig in Konflikten mit Konkurrenten auf und neben der Strecke – so weit, so bekannt.

Am erfrischendsten sind da noch die Rückblicke in Schumachers Kart-Laufbahn mit zum Teil herrlich schrägem Videomaterial aus den 80ern, wenn etwa der Teenager Schumacher in tiefstem rheinländischem Dialekt erklärt, warum er für Luxemburg an den Start geht.

Dass Schumachers vier ultradominanten Meisterschaften mit Ferrari von 2001 bis 2004 sowie das sportlich unspektakuläre Comeback bei Mercedes ab 2010 im Schnelldurchgang abgefrühstückt werden, kommt der Dramaturgie der knapp zweistündigen Dokumentation nur zugute. Denn seine eindringlichsten gut 20 Minuten hat der Film ohnehin im Umgang mit dem folgenschweren Ski-Unfall Schumachers im französischen Meribel vom 29. Dezember 2013.

Eindringlich: Der Ski-Unfall und das Leben danach

Hier geben Ehefrau Corinna sowie die Kinder Mick und Gina-Maria Schumacher Einblicke ins sonst hermetisch abgeriegelte Privatleben, ohne dass der Film in Voyeurismus abdriftet. Begleitet von bislang öffentlich unbekannten Fotos aus dem Familienalbum und Videoaufnahmen etwa vom Skydiving in Dubai oder auf der Kutsche mit einem jungen, pausbäckigen Mick, rückt die Familie Schumacher und ihr Umgang mit der Tragödie in den Mittelpunkt.

Wenn Sohn Mick, der inzwischen den Spuren seines Vaters in die Formel 1 gefolgt ist, im Film seinen Papa als Mentor vermisst ("Ich würde alles aufgeben, nur für das"), geht das an die Nieren. "Ich meine, jeder vermisst Michael, aber Michael ist ja da. Anders. Aber er ist da und das gibt uns allen Kraft, finde ich", sagt Ehefrau Corinna. "Michael hat uns immer beschützt, und jetzt beschützen wir Michael."

Schumi-Fans bleibt so weiter nur die Ungewissheit – und schöne Erinnerungen an einen einzigartigen Sportler und Menschen.

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