George Russell musste sich in einem Topteam wie Mercedes erst zurechtfinden - Bildquelle: Motorsport ImagesGeorge Russell musste sich in einem Topteam wie Mercedes erst zurechtfinden © Motorsport Images

"In gewisser Hinsicht fühlte ich mich fast ein bisschen wie ein Rookie", sagt George Russell über seine erste Formel-1-Saison mit Mercedes, nachdem er zuvor drei Jahre für Williams hinterm Steuer saß. Daran sei vor allem das Niveau des Teams schuld, das nicht umsonst acht Konstrukteurstitel gewann.

"Wir sprechen über Dinge, über die ich in der Formel 1 noch nie zuvor gesprochen habe", gesteht der Brite gegenüber ausgewählten Medien, darunter 'Motorsport.com'.

"Ich habe also einige Zeit gebraucht, um zu verstehen, wie die Abläufe im Team aussehen und wie ich das Auto in Bezug auf die Abstimmung schneller machen kann, weshalb ich mich zu Beginn der Saison ein wenig wie ein Rookie gefühlt habe."

Hamilton im ersten Jahr geschlagen

Dennoch gelang es Russell, seinen Teamkollegen Lewis Hamilton gleich in der ersten Saison zu schlagen. Er platzierte sich nicht nur in der WM vor dem siebenfachen Weltmeister, sondern fuhr auch den einzigen Saisonsieg für Mercedes ein.

"Mit Lewis als Teamkollegen zu arbeiten, ist natürlich eine großartige Sache", betont Russell, "denn er ist offensichtlich der größte Fahrer aller Zeiten, und ich habe eine Menge von ihm gelernt, wahrscheinlich eher abseits der Strecke, um ehrlich zu sein, wie er sich mit den Ingenieuren verhält und seine Arbeit macht."

"Aber es waren auch die kleinen Details auf der Strecke, die mich wirklich beeindruckt haben. Wenn man Formel-1-Weltmeister werden will, muss man die Besten schlagen. Man muss alle schlagen. Und ich bin in der glücklichen Lage, Lewis als meinen Maßstab zu haben", meint der Mercedes-Pilot.

Russell erklärt seine Ausrutscher 2022

Doch obwohl Russell 2022 die wichtigsten Ergebnisse für das Team holte und in den ersten 16 Rennen 15 Mal unter den ersten fünf Plätzen landete, gab es in seiner ersten Saison als Silberpfeil-Werksfahrer auch einige bemerkenswerte Fehler.

Dazu gehörten ein Zusammenstoß mit Valtteri Bottas und Mick Schumacher in Singapur, ein Zusammenstoß mit Carlos Sainz beim Start in Austin und eine verpatzte Poleposition, als Mercedes in Mexiko endlich wieder um Siege kämpfen konnte.

Auf die Frage, ob diese Momente darauf zurückzuführen sind, dass er sich zu sehr versucht habe, antwortet Russell: "Ja, ich denke, dass es letztendlich auf die Erfahrung ankommt."

"In diesem Sport muss man den Dingen ihren Lauf lassen. Man kann nichts erzwingen. Wie gesagt, kommt es auf die Erfahrung an. Ich habe schon immer gewusst, dass man bei 99 Prozent viel mehr Leistung hat als bei 101 Prozent. Bei 101 Prozent ist man von der Klippe gestürzt und hat den Höhepunkt überschritten."

"Wenn man mit 99 Prozent fährt, hat man vielleicht nur 0,01 Sekunden liegen lassen. Fährt man mit 101 Prozent, ist der Crash vorprogrammiert", erklärt der Brite. "Man will mit 100 Prozent fahren, und manchmal werden es doch 101 Prozent. Das ist also auch eine Erfahrung." Wie beim Qualifying in Mexiko.

"Ich wusste, dass ich in Mexiko auf der Runde zur Poleposition einen kleinen Fehler gemacht hatte, also habe ich mich mehr angestrengt, um die verlorene Zeit wieder aufzuholen. Es war unvermeidlich, dass ich die Runde ruinieren würde", gesteht er.

Williams vs. Mercedes wie Tag und Nacht

In Bezug auf den Vorfall in Austin sagt Russell: "Ich glaube nicht, dass ich es übertrieben habe. Das war einfach unglücklich, eine kleine Fehleinschätzung. Ich erwartete, dass Carlos außen angreifen würde, aber er schnitt mich innen, und da war es schon zu spät."

"Aber nochmal, ich versuche, meine Grenzen auszuloten. Und da sind wir wieder bei diesem Gefühl, dass man sich in gewisser Weise wie ein Rookie fühlt, wenn man zum ersten Mal an der Spitze mitfährt. Es ist eine ganz andere Geschichte, als wenn man hinten fährt", zieht er erneut den Vergleich zu Williams.

"Wie man sich der Kurve 1 nähert, ist völlig anders. Man hat ein paar Autos vor sich und nicht den Ziehharmonika-Effekt von 15 Autos vor einem. Wenn du hinter 15 Autos fährst, ist die Luft viel schmutziger als wenn du hinter drei Autos fährst."

"Ich bin drei Jahre lang hinten gefahren und habe erst 20 Rennen auf dem Buckel, in denen ich vorne mitgefahren bin. Man lernt diese kleinen Eigenheiten, die man in dieser Position hat, genauso wie ich gelernt habe, wie es ist, hinten zu fahren", so Russell.