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München/Wolfsburg - Aller guten Dinge sind drei – besagt ein altes Sprichwort. Diese Weisheit könnte nun auch auf den Volkswagen-Konzern zutreffen.

Denn bereits zweimal hat VW in den vergangenen Jahren einen Einstieg in die Formel 1 geprüft, beide Mal kam man zu dem Endergebnis: Nein.

Nun läuft beim Konzern aus Wolfsburg laut "Motorsport-Total" ein dritter Prüfauftrag, und die Chancen für einen Einstieg in die Königsklasse stehen so gut wie nie.

Es ist eine Story der "BBC", die aktuell für mächtig Aufstehen sorgt. Darin ist von VW-Mitarbeiter Fritz Enzinger zu hören, dass ein Einstieg in die Formel 1 für den Konzern unter bestimmten Bedingungen "von großem Interesse" sein könne.

Volkswagen diskutiert über F1-Einstieg

Und Enzinger ist nicht irgendwer. Anfang 2018 übernahm der Österreicher die Leitung der Sparte Konzern-Motorsport. Er ist für die Motorsportstrategie des gesamten Unternehmens zuständig und gilt dabei als Befürworter eines Formel-1-Projekts. Zudem ist er als Porsche-Motorsportchef tätig.

Im Interview mit der "BBC" hat Enzinger nun in Sachen Königsklasse Stellung bezogen. "Grundsätzlich werden alle Entwicklungen im Motorsport und in Rennserien permanent beobachtet und bewertet", erklärte der Österreicher. Dies gelte besonders "im Hinblick auf den neuen Motor und die Regeln für den Antriebsstrang in der Formel 1 ab 2025. Sollten Aspekte der Nachhaltigkeit dabei eine Rolle spielen, zum Beispiel die Einführung von E-Fuels, dann wäre das von großem Interesse."

Dass sich die Wolfsburger immer wieder mit der Königsklasse beschäftigen, ist in Branchenkreisen schon länger bekannt. Und die Voraussetzungen stehen besser als bei den vorherigen Überlegungen.

Ex-VW-Mitarbeiter nun F1-Boss

Der Dieselskandal ist zwar noch nicht beendet, die schlimmste Phase aber wohl überstanden. Zudem ist mit Stefano Domenicali ein früherer VW-Mann inzwischen Chef der Formel 1. Und dieser kennt sich mit der Thematik aus. 2015 entwickelte Domenicali eine Studie, die klären sollte, ob ein Einstieg in die Königsklasse des Motorsport für Audi Sinn ergibt.

Doch nicht nur Enzinger lässt bei VW aufhorchen. Konzernchef Herbert Diess sprach davon, dass die Formel 1 mit synthetischen Kraftstoffen spannend sei und Spaß mache. Es sei eine Motorsport-Erfahrung, die technischen Wettbewerb mit sich bringe.

Doch auch wenn die Konzernleitung gegenüber einem Einstieg in die Königsklasse offen zu sein scheint, würden die Wolfsburger dies wohl nur tun, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

VW bräuchte Erfolgschancen

Für einen noch vertretbaren Geldbetrag müsste es eine realistische Chance auf Erfolge geben – und das auch noch ökologisch nachhaltig.

Bereits 2017 wurde über einen möglichen Einstieg der VW-Tochter Porsche diskutiert. 40 Mitarbeiter entwickelten zunächst heimlich einen F1-tauglichen Sechszylinder. Warum das Projekt scheiterte, darüber gibt es bis heute verschiedene Versionen.

VW erklärte, dass die bestehenden Hersteller nicht bereit dazu gewesen wären, das Motorenformat so zu verändern, dass ein Neueinsteiger eine realistische Erfolgschance gehabt hätte.

Chance auf VW-Einstieg gestiegen

Von der Formel-1-Seite war zu hören, dass VW zwar ein neues Motorenreglement vorantreiben wollte, gleichzeitig aber nicht bereit war, sich zu einem Einstieg in die Serie zu bekennen. Nur in diesem Fall hätte man sich eventuell auf ein neues Format bereits zur Saison 2021 eingelassen.

Nun stehen die Türen erneut offen.

Hinter den Kulissen werden die Weichen für einen neuen Motor ab 2025 gestellt. Die Chancen auf einen VW-Einstieg steigen. Welche Marke dann für den Mutterkonzern starten würde, ist völlig unklar. Mit Audi, Bentley, Bugatti, Lamborghini, Porsche, SEAT, Skoda und Volkswagen kommen theoretisch acht in Frage.

In der Praxis würde sich die Auswahl wohl auf nur drei beschränken. Audi als Volumenhersteller, der den Werbespruch "Vorsprung durch Technik" neu beleben könnte. Porsche als Marke mit einem klangvollen Namen und dem Einfluss der Porsche-Familie im Konzern. Und Lamborghini als hundertprozentige Tochter von Audi, die noch bis 2020 von F1-Boss Domenicali geleitet wurde.

Motoren-Reform 2025?

Damit sich VW aber wirklich auf das Abenteuer einlässt, müsste sich auch die Formel 1 bewegen. Nach dem Ausstieg von Honda dürfte ein großes Interesse bestehen, VW zu gewinnen. Und sei es nur, um einen Scherbenhaufen zu vermeiden, sollte sich ein weiteres Werk zurückziehen.

Für den Wolfsburger Konzern stehen Themen wie Nachhaltigkeit und eine Budgetdeckelung in den kommenden Jahren im Vordergrund. Entscheidend dürften also die drei verbliebenen Hersteller Alpine (Renault), Ferrari (FIAT) und Mercedes (Daimler) werden.

Würden sich diese im Hinblick auf eine Motoren-Reform kooperativ zeigen, dann scheint auch bei Volkwagen nichts unmöglich.

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