Lewis Hamilton kämpft mit dem losen Heck und seiner Sitzposition im Mercedes... - Bildquelle: Motorsport ImagesLewis Hamilton kämpft mit dem losen Heck und seiner Sitzposition im Mercedes W14 © Motorsport Images

Lewis Hamilton hat am Medientag (Donnerstag) vor dem Grand Prix von Australien 2023 in Melbourne erstmals ganz offen über seine Probleme mit dem Mercedes-AMG F1 W14 E Performance gesprochen. Dabei hat der siebenmalige Weltmeister verraten, dass er unter anderem mit der für ihn ungewohnten Sitzposition nicht zurechtkommt.

"Ich weiß nicht, ob die Leute das überhaupt wissen, aber wir sitzen näher an den Vorderrädern als alle anderen Fahrer. Unser Cockpit ist weit nach vorn gerückt", erklärt Hamilton. "Dadurch hast du beim Fahren das Gefühl, als würdest du auf den Vorderrädern sitzen - und das ist eins der schlimmsten Gefühle, die du beim Fahren haben kannst."

Der Mercedes-Fahrer versucht, sein Empfinden mit einem Vergleich zu erklären: "Wenn du dein Auto zu Hause fährst und die Räder direkt unter deinen Beinen liegen, hast du auch kein gutes Gefühl, wenn du in den Kreisverkehr reinfährst. Es ändert einfach das Verhalten des Autos und wie du als Fahrer seine Bewegung wahrnimmst."

Das Fahrverhalten sei dadurch schwieriger zu antizipieren als wenn man weiter hinten sitzen würde: "Damit komme ich einfach nicht klar", gibt Hamilton zu. "Ich höre dem Team zu, und das war die Richtung, von der sie gesagt haben, dass wir sie einschlagen sollten. Hätte ich das Gefühl vorher gekannt, hätte ich das nicht zugelassen. Das muss sich ändern."

Jetzt wird klar: Das meinte Hamilton nach den Tests

Damit wird auch endlich klar, was Hamilton gemeint hat, als er nach den Wintertests sagte, die Ingenieure hätten ihm nicht zugehört und seien nicht ausreichend auf seine Wünsche eingegangen. Eine Aussage, die von manchen Medien als schiefer Haussegen bei Mercedes interpretiert wurde und tagelang Schlagzeilen machte.

Hamilton entschuldigte sich später für seine unglückliche Wortwahl - die ihm aber von Teamchef Toto Wolff nie übelgenommen wurde. Der Österreicher sagt: "Wir waren uns alle nicht ganz sicher, ob das die richtige Richtung ist. Aber nach acht Jahren Erfolg ist es schwierig, einfach zu sagen, dass alles, was wir in den Daten sehen, in den Mülleimer gehen soll."

Daher habe man Ende 2022, als der verbesserte W13 mit George Russell in Brasilien gewann, entschieden, dem Konzept "eine zweite Chance zu geben. Die haben wir uns jetzt gegeben, um das Paket performen zu lassen, und das ist nicht gelungen. Jetzt müssen wir einfach die Handbremse stark anziehen und in eine andere Richtung fahren", sagt Wolff.

Wolff trotz Schlagzeilen nicht sauer auf Hamilton

Das, was Hamilton gesagt hat, hinterlässt bei ihm keinen Beigeschmack: "Manchmal gehen die Emotionen mit uns durch und wir sagen Dinge in den Medien, die hin und wieder falsch übersetzt oder auch polarisierend dargestellt werden. Das verursacht innerhalb des Teams keine Schmerzen, weil wir genau wissen, dass einem manchmal die Emotionen durchgehen können."

Was nichts daran ändert, dass Hamilton mit dem Fahrverhalten des W14 nicht zufrieden ist. Das Auto verzeihe wenig, sagt er, und sei an der Vorderachse zu locker, statt hinten am Heck gut zu haften. Mal Untersteuern, mal Übersteuern: "Es macht das Gegenteil von dem, was wir wollen, und das müssen wir hinkriegen", seufzt er.

Mit dem W13 habe man 2022 "bis zur letzten Runde des letzten Rennens" am "Porpoising" gelitten. Das Rennen, "bei dem wir es am wenigsten hatten, war wahrscheinlich Brasilien. Aber sonst war die Balance das ganze Jahr hindurch ziemlich gleich. Es war ein massiv frontlastiges Auto, mit schwachem Heck, beim Einlenken sehr spitz. Und unberechenbar. Sehr unberechenbar."

Hamilton: Liebte er nicht eigentlich Übersteuern?

Dabei ist Hamilton einer, der mit einem losen Heck normalerweise gut umgehen kann: "Übersteuern hat mir eigentlich immer Spaß gemacht", sagt er. Aber: "Wir haben auch jetzt eine sehr starke Front und ein weniger gutes Heck." Und vor allem neigt der W14 nicht mehr zum "Porpoising", was 2022 eins der Hauptprobleme war. So weit, so gut.

Aber: "Wenn man sich die Pace der Red Bulls anschaut, dann können sie früher aufs Gas gehen als wir und die Geschwindigkeit besser durch die Kurve mitnehmen, einfach weil sie ein viel besser ausbalanciertes Heck haben. Ich hoffe einfach, dass wir da bald den Trick finden und wir dann nicht mehr weit weg sind von den anderen."

Hamilton bedankt sich beim Team für Flexibilität

"Wir haben in der Vergangenheit bewiesen, dass wir schnell entwickeln können, und ich hoffe, dass das wieder der Fall ist, wenn wir das Potenzial des Autos jetzt aufmachen. Die Jungs können Vollgas in die Richtung gehen, und ich bin dankbar, dass sie aufgeschlossen sind, was zu verändern, und wir nicht stur an dem festhalten, was wir haben."

"Mir ist schon klar", sagt Hamilton, "dass es eine Weile dauert, bis wir das aufgeholt haben. Der Red Bull wird ja auch weiterentwickelt. Aber einige Autos werden vielleicht irgendwann ein Plateau erreichen. Dann geht's nicht mehr vorwärts. Vielleicht schaffen sie es trotzdem. Sie haben ein großartiges Team, und ich bin mir sicher, dass sie noch mehr Downforce finden werden."

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