Sotschi - Fast auf Augenhöhe waren Max Verstappen und Lewis Hamilton nach Russland gekommen - doch nun wird der enge Titelkampf in Sotschi wohl zum Fernduell. Schon während des freien Trainings wurde bekannt, dass Red Bull in Verstappens Auto einen neuen Antrieb verbaut hat, der WM-Spitzenreiter startet damit am Sonntag (14:00 Uhr/im Liveticker auf ran.de) vom Ende des Feldes.

Und ganz vorne wird mit großer Wahrscheinlichkeit ein Mercedes stehen - wenngleich es vielleicht nicht Hamilton sein wird. Teamkollege Valtteri Bottas machte zum Auftakt den stärksten Eindruck, drehte in 1:33,593 Minuten die schnellste Runde am Freitag.

Mercedes seit 2014 in Sotschi nicht zu schlagen

Mit nur 44 Tausendsteln Rückstand folgte Hamilton, auch in diesem Jahr spricht also vieles dafür, dass Mercedes seine Serie fortsetzt: Jedes Rennen seit 2014 haben die Silberpfeile in Sotschi gewonnen.

Auch vor diesem Hintergrund entschied man sich bei Red Bull wohl für den Wechsel der Motorenkomponenten. In Russland hat das Team wenig zu verlieren.

Denn aufgrund eines Unfalls der beiden Titelrivalen beim vergangenen Rennen in Monza wäre Verstappen ohnehin um drei Startplätze zurückversetzt worden. In einem Rennen, in dem die Chancen gering sind, nimmt Red Bull die Rückversetzung daher bewusst in Kauf - irgendwann in diesem Jahr hätte Verstappen den neuen Motor ohnehin gebraucht. "So stehen wir jetzt gut da für den Rest der Saison", sagte Teamchef Christian Horner.

Für Verstappen sei es "schade", sagte Hamilton nach dem Training: "Und wir müssen jetzt versuchen, maximal davon zu profitieren. Das wäre ein Doppelsieg."

Was am Sonntag für Red Bull möglich ist, bleibt abzuwarten, Verstappen wusste als Sechster im Training kaum zu beeindrucken. Ordentlich lief es für Sebastian Vettel, der im Aston Martin Neunter wurde. Mick Schumacher landete einen Tag nach der Verkündung seiner Vertragsverlängerung bei Haas auf dem 20. und letzten Platz.

Am Freitag schien über dem Olympiapark von 2014 noch die Sonne, für Samstag ist nun aber anhaltender, heftiger Regen angesagt. Sogar eine Absage der dritten Session und des Qualifyings wollte man im Fahrerlager nicht ausschließen. "Regnen wird es zu 100 Prozent", sagte etwa Schumachers Haas-Teamchef Günther Steiner bei Sky: "Wir müssen schauen, ob das Wasser ausreichend von der Strecke abläuft."

Sollte tatsächlich kein Qualifying möglich sein, würde das Ergebnis des letzten freien Trainings die Grundlage für die Startaufstellung bilden - in diesem Fall wäre Bottas' schnelle Runde am Freitag viel Wert.

Valtteri Bottas würde Lewis Hamilton gewinnen lassen

Allerdings hat der Finne, der sich seit Bekanntgabe seines Abschieds von Mercedes zum Jahresende so stark präsentiert, bereits angekündigt: Im Sinne von Hamiltons WM-Chancen würde er diesem den Sieg bei einer Doppelführung wohl überlassen.

"Es gibt Zeiten, in denen man für das Team etwas einstecken muss", sagte Bottas, "und ja, in dieser Situation würde ich es tun." Die Rückkehr an die WM-Spitze kann Hamilton allerdings auch ohne solche Hilfe anpeilen: Nur fünf Punkte liegt er hinter Verstappen.

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