George Russell im Mercedes W13 vor Max Verstappen im Red Bull RB18 in Barcel... - Bildquelle: Motorsport ImagesGeorge Russell im Mercedes W13 vor Max Verstappen im Red Bull RB18 in Barcelona © Motorsport Images

München - Auf dem Papier stehen die Plätze drei und fünf für George Russell und Lewis Hamilton beim Spanien-Grand-Prix 2022 in Barcelona. Doch insgeheim fühlt sich das Mercedes-Team nach dem sechsten Saisonrennen der Formel 1 wie ein Sieger. Und jetzt spricht Teamchef Toto Wolff wieder ganz offen vom WM-Titelkampf.

Die Chance auf den Gesamtsieg sei schließlich "immer gegeben", meint Wolff, aber Barcelona und der dortige Rennverlauf habe dem gesamten Rennstall neue Hoffnung verliehen. Speziell die Aufholjagd von Hamilton nach dem Zwischenfall in Runde eins sei "sehr ermutigend" gewesen, so Wolff. "Das zeigt, wir haben Fortschritte gemacht."

"Ich habe ein Auto gesehen, das mich an die Rennautos der vergangenen Jahre erinnert hat. Du liegst (nach der ersten Runde) 30 Sekunden hinter dem kompletten Feld zurück, kämpfst dich aber zurück und in die Region des Podiums."

"Können wir also um den Titel kämpfen? Nun, wir glauben, wir können das tun", sagt Wolff. Eine Einschränkung aber macht der Mercedes-Teamchef: "Dazu brauchen wir ein Auto, das dazu in der Lage ist, auf eins und zwei zu fahren. Und wir denken, wir haben gute Gründe, um zu glauben, dass wir das schaffen können."

Shovlin: Mercedes fährt nicht mehr nur mit

Laut Mercedes' leitendem Renningenieur Andrew Shovlin habe das Team jetzt zumindest "das Gefühl, wieder richtig Rennen zu fahren" und sei "fest entschlossen, im Kampf um beide Weltmeisterschaften mitzumischen". Er wiederholt, was Wolff schon gesagt hat: "(Barcelona) hat uns den Glauben gegeben, dass wir genau das tun können."

Die technischen Updates am W13-Mercedes für den Spanien-Grand-Prix hätten das Team entscheidend vorangebracht, betont Shovlin. Er spricht von einer "verbesserten Pace" und "einem Weg, wie wir aus (dem Porpoising-Problem) herauskommen", außerdem von "einigen Teilen in der Pipeline", die den Silberpfeil kurzfristig noch schneller machen sollen.

Wolff: "Wenn du dieses Bouncing in den Griff kriegst, kannst du das Auto wesentlich tiefer fahren und generierst damit auch wesentlich mehr Abtrieb. Das konnten wir bisher nicht tun. Jetzt aber haben wir ein bisschen am Unterboden gearbeitet und jetzt hält das Auto das aus."

Barcelona-Updates als "großer Fortschritt" für Mercedes

Mercedes habe deshalb einen "großen Fortschritt" erzielt in Barcelona. Wolff meint, sein Team habe "das Defizit auf die Spitzenteams halbiert", sagt aber auch: "Da ist noch immer viel zu tun, bis wir ganz vorne mit dabei sind."

Es gelte weiterhin, "Kleinigkeiten überall" zu optimieren, so der Teamchef. Inzwischen befinde sich Mercedes mit dem W13 aber auf einem guten Weg: "Die Antriebsleistung ist gut, auch die Fahrbarkeit ist gut. Die Balance zwischen Luftwiderstand und Abtrieb hat am Wochenende gut funktioniert. Da muss das Auto hin in Sachen Topspeed auf den Geraden."

Konkurrenz sieht verbesserten Mercedes, aber ...

Die Konkurrenz erkennt die Mercedes-Fortschritte an, doch der Angstschweiß steht Ferrari-Teamchef Mattia Binotto bisher nicht auf der Stirn. Er sagt bei "Sky": "Im Qualifying fehlten Mercedes sieben Zehntel, und wir reden von einem kurzen Kurs."

"Im Rennen lagen sie 30 Sekunden oder mehr hinter Red Bull. Es hätten vielleicht 40 Sekunden auf Charles (Leclerc) sein können. 40 Sekunden auf 66 Runden sind immer noch sechs, sieben Zehntel pro Runde, und das ist immer noch viel", meint Binotto und fügt hinzu: "Es ist wie für Ferrari im vergangenen Jahr."

Christian Horner als Teamchef von Red Bull scheint ähnlich zu denken. Auch ihm ist der verbesserte Mercedes-Speed aufgefallen. "Aber: Wir lagen am Ende trotzdem noch um etliche Sekunden vor ihnen und unsere beiden Autos haben den besseren Mercedes überholt", sagt er.

Mercedes habe allerdings "große Fortschritte erzielt" und habe ein "positives Wochenende" gehabt. "Wir unterschätzen daher niemanden", meint Horner. Und: "Mercedes bringt sich zurück ins Spiel um den Titel. Ich habe ja von Anfang an betont, es handelt sich hierbei um ein sehr starkes Team."

Konstanz als Vorteil im Kampf gegen Ferrari und Red Bull

Und die große Mercedes-Stärke ist in diesem Jahr bisher die Konstanz bei den Ergebnissen. Einzig die Silberpfeile und Red Bull haben bislang in jedem Rennen zweistellig gepunktet, Russell hat gar jeden Grand Prix in den Top 5 beschlossen.

Diese Resultate überzeugen auch "Sky"-Experte Timo Glock: "Lewis ist ein bisschen hinten dran, aber George holt ja Punkte um Punkte, macht wirklich einen tollen Job. Das zeigt die Extraklasse von ihm, dass er fehlerfrei in den Rennen bleibt und immer wieder die Punkte mitnimmt und sich in der WM in keine schlechte Position bis jetzt gebracht hat."

Ferrari und Red Bull wiederum hatten schon Ausfälle ihrer Spitzenfahrer zu beklagen. Auch deshalb wähnt sich Mercedes-Teamchef Wolff in einer guten Position: Sein Team sei zwar im Moment "von der Pace her noch nicht" dabei an der absoluten Spitze. "Du hast aber vielleicht mal ein paar richtig gute Ergebnisse und die anderen nicht. Dann bist du wieder dabei", meint er.

Wolff stapelt tief für Monaco

Vielleicht schon beim Rennen in Monaco? Wolff will nicht zu viel versprechen. Denn der enge, kurvenreiche dritte Sektor in Barcelona habe seinem Team Schwierigkeiten bereitet. "Da lagen wir mit der Pace daneben, weil unser Auto überhitzt hat", so erklärt er.

"Das könnte in Monaco anders sein, aber Monaco war in der Vergangenheit nicht unser bestes Rennen. Vielleicht lag das auch daran, dass unser Auto so groß war wie ein Elefant. Ich bin daher wirklich gespannt, wo wir am Wochenende stehen."

Weil Mercedes "mit dem Aufwärmen der Reifen zu kämpfen habe", seien seine Erwartungen an Monaco "geringer als auf jeder anderen Strecke", sagt Wolff. "Wissenschaftlich erklären kann ich das eher nicht. Wir rechnen daher mit einer weiteren Lernerfahrung, die uns zurück ins Spiel bringen kann."

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