Sebastian Vettel wurde nach dem Ungarn-GP disqualifiziert. - Bildquelle: ImagodSebastian Vettel wurde nach dem Ungarn-GP disqualifiziert. © Imagod

München - Als Sebastian Vettel beim Großen Preis von Ungarn als Zweiter über die Ziellinie fuhr, war die Freude bei den deutschen Motorsport-Fans groß. Doch es dauerte nicht lange, ehe die ersten bereits eine böse Vorahnung hatten.

Denn statt wie vorgeschrieben im Parc fermé, stellte der viermalige Weltmeister sein Auto am Streckenrand ab. In den meisten Fällen ein Zeichen dafür, dass nicht mehr genügend Sprit im Tank ist - was eine Disqualifikation zur Folge hätte.

Darauf angesprochen ging Vettel in den TV-Interviews später aber nicht von mangelndem Benzin, sondern einem überhitzten Sensor aus. Auch eine Strafe befürchtete der Deutsche nicht. Doch es kam anders.

Nicht genügend Sprit in Vettels Auto

In den Regularien der FIA ist klar geregelt, dass sich nach einem Rennen noch mindestens ein Liter Benzin im Tank befinden muss. Hintergrund: Das Benzin wird von den Kontrolleuren auf seine Zusammensetzung überprüft, für diese Proben braucht es mehr als nur ein paar Milliliter.

Der geforderte Liter konnte aus dem Aston Martin von Vettel allerdings nicht entnommen werden, es reichte nur noch für 0,3 Liter.

In der Folge ging alles seinen Gang. Teamchef Otmar Szafnauer wurde zu den Stewards berufen. Nach einer kurzen Anhörung ging es noch einmal zum Boliden. Es wurde ein weiterer Versuch unternommen, den nötigen Sprit im Auto zu finden. Ohne Erfolg.

Disqualifikation von Vettel vorläufig

Die FIA disqualifizierte Vettel daraufhin vorläufig, Aston Martin will das aber wohl nicht auf sich sitzen lassen. Der Rennstall geht nämlich davon aus, dass sich trotz der Entnahme der 0,3 Liter noch weitere 1,44 Liter im Auto befinden. Demnach soll eine defekte Benzinpumpe für die nur geringe Menge an auffindbarem Sprit verantwortlich sein.

"Wir wissen, wie viel wir vor dem Start getankt haben, und wir wissen, wie viel verbraucht wurde während des Rennens. Dank des 'Fuel-Flow-Meters', der ohnehin von der FIA homologiert wird", erklärte Szafnauer "Motorsport-Total.com".

Demnach kann der Automobil-Weltverband dies auch "selbst nachprüfen".

Protest muss erst eingelegt werden

Der Rennstall informierte die FIA im Anschluss darüber, dass er Protest einlegen will. Dies ist jedoch nur eine vorläufige Ankündigung. Nach dem Urteil verbleiben dem Vettel-Team nun 96 Stunden, um sich zu entscheiden, ob wirklich gegen die Disqualifikation protestiert wird. Mit einer baldigen Entscheidung ist dabei aber nicht zu rechnen.

Noch am Sonntagabend wurde das Auto mit der Nummer 5 beschlagnahmt. Vettels Bolide wird nun nach Frankreich gebracht. Dort wiederum wird er von Ingenieuren der FIA auseinandergenommen, beziehungsweise der Tank freigelegt und nach den von Aston Martin angekündigten 1,44 Litern gesucht.

Sollten die Ingenieure bei den Untersuchungen die noch fehlenden 0,7 Liter oder sogar mehr finden, dürfte das Team Protest einlegen. "Wir müssen der FIA beweisen, dass das Benzin noch da war, und dass 300 Milliliter genug sind für eine repräsentative Probe. Das wird die Basis unseres Protests sein", so Szafnauer weiter.

Sommerpause hilft Aston Martin

Dass die Regel klar besagt, dass der Liter Benzin physisch entnommen werden muss, davon wollte der Teamchef indes nichts wissen. "Das ist eine alte Regel, die zurückreicht in die Zeit, bevor wir all die Messungen und Sensoren hatten."

Ob sich wirklich noch weiterer Kraftstoff im Tank befindet und nur von der Benzinpumpe nicht nach oben befördert werden konnte, werden die nächsten Tage zeigen. Möglich ist dabei beispielsweise auch, dass die Sensoren am Auto nicht ganz exakt kalibriert waren und falsche Ergebnisse an Aston Martin geliefert haben.

Auch wenn in Fachkreisen nicht davon ausgegangen wird, dass Vettels Disqualifikation noch zurückgenommen wird, unmöglich ist dies nicht. Zumal Aston Martin in einem Punkt Glück hat: die Formel 1 befindet sich in der Sommerpause. Würde am kommenden Wochenende das nächste Rennen stattfinden, hätte es nicht die Zeit gegeben, um Vettels Auto überhaupt genauer zu untersuchen.

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