Ralf Schumacher weiß, wie teuer der Aufstieg in die Formel 1 oder deren Nähe... - Bildquelle: ImagoRalf Schumacher weiß, wie teuer der Aufstieg in die Formel 1 oder deren Nähe ist © Imago

München - Motorsport ist teuer.

Das ist eine Binsenweisheit. Aber wie teuer es ist, die Karriere eines Nachwuchsfahrers vom Go-Kart bis in die Formel 1 zu finanzieren, davon haben nur wenige eine konkrete Vorstellung. Ralf Schumacher bringt jetzt Licht ins Dunkel: "Zwischen 13 und 15 Millionen Euro" kostet seiner Meinung nach der Weg in die Königsklasse des Motorsports.

Schumacher muss es wissen: Sein Sohn David saß bereits im zarten Alter von vier Jahren, so schreibt es zumindest die Wikipedia, zum ersten Mal im Go-Kart; 2017 fuhr er dann schon die Deutsche Junioren-Kartmeisterschaft sowie die CIK-FIA-Kart-Europameisterschaft, also auf dem höchsten Niveau, das der Kartsport vor dem Wechsel ins Formelauto hergibt.

2017/18 fuhr Schumacher jun. Formel 4 in den Arabischen Emiraten und in Deutschland, 2019 wechselte er in die Formel Regional, eine Rennserie, in der mit Formel-3-Autos gefahren wird, und 2020 und 2021 nahm er an der von der FIA internationalisierten Formel 3 teil. Ehe 2022 endgültig der Sprung in den Profisport folgte, genauer gesagt in die DTM.

Die ersten Jahre, "mit sechs, sieben Jahren", sagt Ralf Schumacher in einem Interview auf dem YouTube-Kanal von "Formel1.de", seien noch "nicht so teuer", aber "die Gesamtkarriere", wie er das nennt, die geht ins Geld: 300.000 Euro für eine Saison Formel 4, 900.000 bis 1,3 Millionen Euro für die Formel 3, zwei bis drei Millionen - je nach Team - für die Formel 2.

Selbst ein Familientag auf der Kartbahn ist schon teuer!

Das sind Summen, die ohne Förderkader und Sponsoren für Privatpersonen nicht zu stemmen sind. Das beginnt schon bei der Schnupperhürde: Wer mit seiner Familie rein hobbymäßig eine Stunde Kartfahren gehen möchte, ist für vier bis sechs Personen schnell mal 250 Euro (oder mehr) los. Die Wettbewerbssaison auf Einsteigerniveau ist dann für die meisten schon unleistbar.

Schumacher rechnet vor: In den Bambiniklassen auf Klubsportebene "wird man so um die 30.000 Euro brauchen. Man reist ja durch die Gegend, man schläft irgendwo, man isst ein bisschen was, das Material, und so weiter. Im internationalen Kartsport, bei einem Profiteam mit allen Rennen, ist man dann schon mal gut und gern bei einer Viertelmillion im Jahr."

Es sei "klar", sagt Schumacher mit Bedauern, dass sich "ein Normalsterblicher selbst die kleinen Klassen gar nicht leisten kann. Das ist fast unmöglich. Das geht am Anfang vielleicht noch so ein bisschen, solange es im Klubsport ist. Da gibt es Klassen, die man bezahlen kann. Aber danach wird es schon sehr schwierig."

Michael & Ralf: Damals war die Welt noch in Ordnung

Bei ihm selbst und seinem Bruder Michael, in den 1980er-Jahren, da sei das alles noch ein wenig einfacher gewesen: "Wir hatten das Glück, dass wir Unterstützer hatten - und zugleich auch noch das Glück, dass Kartsport damals noch ein bisschen günstiger war und das Level nicht so hoch. Wir sind auf einer Kartbahn groß geworden. Diesen Vorteil konnte man halt ausspielen."

Vater Rolf war Betreiber der Kartbahn Kerpen-Mannheim, und man darf mutmaßen, dass die beiden Söhne nicht jede Fahrt auf der Bahn normal zahlen mussten. Da ein paar alte Reifen aus dem Müll gefischt, die ein anderer weggeworfen hat, dort einen Motor günstig abgestaubt - so billig, wie Michael und Ralf Schumacher das Rennfahren gelernt haben, ist das heute nicht mehr möglich.

Wo ist der nächste Deutsche für die Formel 1?

Aber wo soll das Geld für die nächsten Schumachers, Vettels und Rosbergs herkommen, wenn Motorsport für normale Familien unbezahlbar geworden ist? Denn im Unterbau der Formel 1 ist weit und breit kein Nachwuchspilot mit deutschem Pass in Sicht, der als heißer Kandidat gehandelt wird, den Sprung in die Königsklasse bald zu schaffen.

"In den Nachwuchsklassen sehe ich im Moment keinen, zumindest habe ich ihn nicht direkt vor Augen", analysiert Schumacher. Bis 2026 Audi einsteigt, könne zwar "viel passieren". Aber ein aktuelles Talent in der Nähe der Formel 1 mit deutschem Reisepass? "Schwierig. Würde mir jetzt gar keiner einfallen."

Kardinalfehler: Aufgabe der Deutschen Formel 3

Einen Beitrag zu dieser Misere geleistet hat seiner Meinung nach, dass es seit 2014 keine Deutsche Formel-3-Meisterschaft und auch keinen Deutschen Formel-3-Cup mehr gibt. "Die Formel 3 abzugeben war ein Riesenfehler", ist Schumacher überzeugt. Die sei nämlich "das Tor in die Formel 1 gewesen. Da sind alle großen Namen durchgegangen."

Unglaublich, aber wahr: Von 16 Deutschen Formel-3-Meistern zwischen 1985 (Volker Weidler) und 2000 (Giorgio Pantano) haben es zwölf zum Formel-1-Rennfahrer und drei zumindest zum Testfahrer gebracht. Der einzige Meister, der nie einen festen Formel-1-Vertrag hatte, war 1991 Tom Kristensen. Der gewann dafür neunmal die 24 Stunden von Le Mans.

Sollte die Formel 1 für Nachwuchsfahrer zahlen?

Die Deutsche Formel-3-Meisterschaft war damals eine der besten Nachwuchsserien der Welt. "Das ist jetzt weg", bedauert Schumacher. "Wir sind jetzt austauschbar. Unsere Fahrer müssen mittlerweile den deutschen Kartsport verlassen und auf die internationalen Bühnen gehen, was ja früher auch nicht der Fall war, um sich dort zu behaupten."

Und die sind teuer. Doch dass der Nachwuchs-Motorsport teuer ist, ist kein rein deutsches Problem. Weshalb Schumacher glaubt, dass sich die Formel 1, die eigenen Angaben nach wirtschaftlich boomt wie nie zuvor, finanziell an der Förderung junger Rennfahrer beteiligen sollte, "damit die Nachwuchsfahrer zu ordentlichen Budgets fahren können".

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