Max Verstappen prallte mit seinem Red Bull nach einem Reifenplatzer in die M... - Bildquelle: GettyMax Verstappen prallte mit seinem Red Bull nach einem Reifenplatzer in die Mauer. © Getty

München - Es waren zwei der wohl größten Aufreger des vergangenen Formel-1-Wochenendes: die Reifenplatzer bei Max Verstappen und Lance Stroll.

Erst prallte der Kanadier in seinem Aston Martin auf der Geraden zurück zu Start und Ziel mit mehr als 300 km/h in die Mauer, zwei Runden vor Schluss erwischte es dann den zu diesem Zeitpunkt Führenden Max Verstappen. Sein Red Bull schlug gefährlich nahe an der Mauer ein, die die Strecke von der Boxeneinfahrt trennt.

Was beide Unfälle einte: Ein völlig unvorhergesehener Reifenplatzer am linken Hinterrad beendete in Sekundenbruchteilen das Rennen – und sorgte für eine Menge Kopfzerbrechen in der Königsklasse.

Spekulationen in Richtung Pirelli

Vor allem die Tatsache, dass beide Vorfälle nach dem selben Prinzip und ohne Vorankündigung abliefen, befeuerte Spekulationen in Richtung Pirelli. Der Reifenhersteller zeigte sich zunächst ratlos. Später äußerte sich der Motorsportchef des Unternehmens, Mario Isola. "Wir vermuten, dass ein Trümmerstück auf der Strecke lag und die Reifen angeritzt hat. Wir haben an einem linken Hinterreifen von Hamilton einen Schnitt gefunden, der stammt für uns eindeutig von einem Trümmerteil", so Isola.

"Verstappens und Strolls Reifenplatzer sind auf dem gleichen Abschnitt der Strecke passiert, vielleicht lagen da irgendwelche Trümmerteile. Wir sammeln derzeit weitere Informationen und auch die Telemetriedaten aller Teams. Bis wir ein Ergebnis haben, dauert es vermutlich ein paar Tagen", so der Pirelli-Sportchef weiter.

Auch bei Red Bull zeigte man sich zunächst ratlos. "Unser Renningenieur hat noch bei Max nachgefragt, da schien alles okay zu sein. Und dann boom! Im Moment wissen wir noch nicht, was passiert ist. Der Verschleiß sah gut aus. Man konnte sehen, dass plötzlich Luft austrat. Ob das von einem Trümmerteil herbeigeführt wurde, wissen wir nicht", erklärte Teamchef Christian Horner bei "AUTO BILD Motorsport".

Verstappen glaubt Erklärung nicht

Beim Aserbaidschan-Grand-Prix in Baku konnte der Hersteller die betroffenen Reifen, beziehungsweise was davon noch übrig geblieben ist, noch nicht genau unter die Lupe nehmen. Dies geschieht erst bei einer vertiefenden Analyse im Werk in Mailand.

Dass der Reifen-Monopolist Trümmerteile als Ursache angeben wird, davon war Max Verstappen bereits direkt nach seinem unglücklichen Ausscheiden überzeugt. "Pirelli wird wie immer sagen, dass da ein Teil von einem anderen Crash auf der Straße lag", erklärte der Niederländer, ohne dieser möglichen Erklärung zu glauben: "Ich glaube, das kann nicht immer so sein. Stroll hatte denselben Crash wie ich. Da muss etwas falsch laufen."

Davon wollte die italienische Firma, die durch ihr Engagement in der Königsklasse vor allem Werbung für ihre Straßenprodukte machen will, selbstverständlich nichts wissen.

Woher kamen Trümmerteile?

"Wenn so etwas passiert, müssen wir unbedingt verstehen, woran es gelegen hat. Wir haben nach dem Rennen zahlreiche Reifensätze begutachtet, die mehr als 30 Runden auf dem Buckel hatten und an denen haben wir nichts gefunden. Man kann daher nicht behaupten, dass ein grundsätzliches Problem an den Reifen vorliegt", stellte Isola klar.

Dass es sich beim Unfall von Verstappen um einen Reifenschaden infolge eines Trümmerteils gehandelt haben könnte, scheint durchaus nicht unwahrscheinlich - verunglückte Stroll zuvor doch fast an der gleichen Stelle. Woher sich allerdings der Aston Martin seinen Schaden geholt haben soll, ist völlig unklar.

Bei der Aufklärung der Vorfälle versucht Pirelli aktuell Druck zu machen. Normalerweise werden die einzelnen Pneus nach den Rennen via Schiff abtransportiert, in diesem Fall kommt ein Flugzeug zum Einsatz. Der Hersteller will noch vor dem Rennen in Frankreich in knapp zwei Wochen eine fundierte Analyse beim Automobil-Weltverband FIA vorlegen.

Reifen noch verhältnismäßig intakt

Helfen könnte bei der Aufklärung die Tatsache, dass bei beiden Unfällen verhältnismäßig viel Reifen auf der Felge verblieben ist.

"Der Reifen ist noch in einem Stück, wir haben alle Teile. Es ist auch da schwer, weil der Reifen noch vom Unterboden und anderen Teilen beschädigt werden konnte, aber es ist nicht unmöglich, die genaue Ursache herauszufinden", machte Isola Hoffnung.

Ob Verstappen, Stroll und Co. den Ausführungen des Reifenherstellers am Ende Glauben schenken werden, steht allerdings auf einem anderen Blatt.

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