Sebastian Vettel. - Bildquelle: imago images/Jan HuebnerSebastian Vettel. © imago images/Jan Huebner

München/Abu Dhabi - Am Ende bekam Sebastian Vettel die gesamte Saison nochmal frisch serviert. Komprimiert auf 55 Runden beziehungsweise rund 90 Minuten. 

Denn was schieflaufen konnte, lief dann auch schief. Eine Taktik, die nicht aufging, ein Boxenstopp, bei dem es hakte, DRS, das nicht funktionierte und nur Platz fünf, weit hinter Weltmeister und Sieger Lewis Hamilton und auch hinter seinem Ferrari-Teamkollegen Charles Leclerc, der Dritter wurde.

Seinen Humor hatte er nicht ganz verloren, als er den technisch bedingten DRS-Ausfall als "Kreisliga" bezeichnete: "Ich weiß nicht, wie so was hier passieren kann. Liegt wahrscheinlich daran, dass fast kein Geld in diesem Sport vorhanden ist."

Trotzdem: Es war ein unversöhnliches Ende einer Saison, die mehr Fragen offen ließ, als sie beantwortete.

Schlappe gegen Leclerc

WM-Platz fünf ist es für Vettel unter dem Strich, so schlecht war er zuletzt 2014, in seinem letzten Red-Bull-Jahr. Ein mickriger Sieg in Singapur gelang ihm. Dazu hat er 24 Punkte weniger als der junge Monegasse Leclerc. Das Qualifying-Duell verlor er mit 9:12.

Man fühlt mit Vettel mit, wenn er nach dem Finale in Abu Dhabi fast schon aufatmend sagt: "Jetzt ist es vorbei. Der Fokus liegt auf dem nächsten Jahr. Ich bin jetzt ganz froh, dass es eine Pause gibt." Fast: Ein Testtag noch am Dienstag, dann ist Schluss. 

Seine Vorfreude rührt nicht nur daher, dass er kurz vor dem Saisonabschluss zum dritten Mal Papa wurde. Er hatte bereits am Freitag zugegeben, dass er lieber zu Hause geblieben wäre.

Die Sehnsucht nach der Familie ist verständlich, was wohl auch ein bisschen daran liegt - und da gibt es nichts schön zu reden - dass die Saison verkorkst war. Für ihn bedeutet der Heimflug: Endlich abhaken, zurückziehen, durchatmen, Kraft tanken und dann 2020 neu durchstarten.

Immer am falschen Ort

"Es scheint in diesem Jahr immer so gewesen zu sein, dass ich immer irgendwie am falschen Ort war", sagte er. Ein Rennen als Spiegelbild eines ganzen Jahres.

Auf jeden Fall landete er nicht dort, wo er landen wollte. Ganz nebenbei lief beziehungsweise fuhr ihm sein Teamkollege den Rang ab. Leclerc mauserte sich vom Wasserträger der erklärten Nummer eins Vettel vor der Saison schnell zum Herausforderer auf Augenhöhe und ist für viele nun nicht mehr nur der designierte Thronfolger, sondern bereits jetzt der neue Anführer der Scuderia.

Vettel auf dem Abstellgleis. Mit 32 gehört er zum alten Eisen, so lauten zumindest einige Analysen. Im Ferrari-Land Italien vor allem.

Zwischenzeitlich lief es in dieser Saison für Vettel so mies, dass es sogar immer wieder Gerüchte über ein mögliches Karriereende gab. "Wenn ich mir nicht zwei Haxen breche, fahre ich nächstes Jahr", betonte er in Abu Dhabi nochmals.

Doch Vettel weiß: 2020 wird ein entscheidendes Jahr, ein wegweisendes. Sein Vertrag bei Ferrari läuft aus, es wird sein sechster und vermutlich letzter Anlauf mit den Roten, den Titel zu gewinnen, in die Fußstapfen seines einstigen Idols Michael Schumacher zu treten.

Löst Hamilton ihn ab?

Längst gibt es Gerüchte, dass Hamilton zum Abschluss seiner großen Karriere noch einmal für Ferrari fahren will, er soll dann Vettel ablösen. Der Flirt wird immer heißer. Was wiederum Vettel nach 2020 macht, ließ er zuletzt offen. 

Das Reglement bleibt vor dem Start der neuen Formel-1-Ära 2021 ein letztes Mal stabil. Bedeutet: Erster Gegner im Kampf um den Titel bleiben Mercedes und Hamilton, auch Red Bull will mitmischen.

Hat er es noch drauf? Oder ist der Generationenwechsel im Grunde schon vollzogen?

"Wir müssen als Team stärker werden und ich als Einzelperson muss besser sein. Es war kein großartiges Jahr für mich. Ich bin der Erste, der sich mit meiner Leistung beschäftigt. Und wenn ich ehrlich bin, dann weiß ich, dass ich besser sein kann", sagte Vettel: "Der Schlüssel wird sein, dass wir nächstes Jahr direkt von Anfang an vorne sind - und dann auch vorne bleiben", erklärte Vettel. 

Er forderte: "Wir müssen einen Schritt nach vorn machen. Hoffentlich haben wir dann ein stärkeres Paket, damit wir mit Mercedes und Red Bull um die Spitze kämpfen können."

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