Lewis Hamilton konnte seine letzte Quali-Runde nicht zu Ende bringen - Bildquelle: Motorsport ImagesLewis Hamilton konnte seine letzte Quali-Runde nicht zu Ende bringen © Motorsport Images

Wieder muss sich Lewis Hamilton seinem Teamkollegen George Russell in einem Qualifying-Duell geschlagen geben: Während sich Russell am Samstag in Monaco als Sechster qualifizierte, kam Hamilton nicht über Platz acht hinaus. Eine knappe halbe Sekunde trennte das Mercedes-Duo.

Trotzdem sagt Teamchef Toto Wolff bei 'Sky': "Lewis war der schnellere Mann und dann hat er die Runde abgebrochen, weil wir ihm gesagt haben: Wenn du den Eindruck hast, dass in Kurve 1 der Reifen nicht ready ist, brichst du einfach ab. Und das hat er gemacht und dann läuft er in die rote Flagge hinein."

Mit dieser wurde Q3 nur wenige Minuten vor dem Sessionende abgebrochen, nachdem in der letzten Kurve vor dem Tunnel erst Sergio Perez (Red Bull) eingeschlagen und dann Carlos Sainz (Ferrari) mit ihm kollidiert war. Deshalb konnte Hamilton seine schnelle Runde nicht zu Ende fahren - anders als Russell.

Hamilton: "Schlimmer als erwartet"

"Ich glaube, davor sah es gar nicht so schlecht aus", spricht Hamilton sein Tempo vor dem Abbruch an, grämt sich deshalb aber nicht: "So etwas kann passieren. So ist es nun einmal."

Das Auto habe sich im Allgemeinen zwar besser angefühlt, so der Brite weiter. "Aber wir scheinen langsamer zu sein. Ich weiß nicht genau, warum. Es fühlte sich an, als hätten wir das Auto verbessert, was das Bouncing angeht, aber wir waren langsamer."

Dass sich Mercedes in Monaco schwer tun würde, damit hatte das Team schon gerechnet. Doch Hamilton räumt ein: "Ich glaube, es ist schlimmer, als wir erwartet haben, wegen der Bodenwellen. Für uns ist es überall super holprig, egal bei niedriger, mittlerer oder hoher Geschwindigkeit. Es ist also eine Herausforderung."

Auch Teamchef Wolff sagt: "Das ist die Realität, so sieht es einfach aus. Gerade Monaco war in der Vergangenheit nicht einfach für uns, aber das müssen wir annehmen." Der Abstand sei derselbe wie im Qualifying in Barcelona. "Es ist also realistisch, wo wir gelandet sind. Das Auto ist gut für Platz fünf und sechs. Norris war schneller als wir, aber wir hätten hier ohnehin keine Wunder erwarten dürfen."

Obwohl in Monaco nicht die gleichen aerodynamischen Kräfte wirken wie etwa in Barcelona, entpuppte sich das Hüpfen des Autos für Mercedes auch diesmal als Problem. Vom in dieser Saison so viel diskutierten "Porpoising" will Wolff aber nicht sprechen.

"Das Auto springt nach wie vor, nur anders, nicht mehr dieses Aero-Bouncing, sondern es ist einfach unheimlich steif", erklärt er die Problematik in Monaco. "Das haben wir vor allem auf der Vorderachse. Damit wird es relativ unkontrollierbar für den Fahrer. Da brauchst du natürlich das Vertrauen und das haben wir nicht."

Rennpace gut, Ausgangsposition schlecht

Genau das bestätigt auch Chefingenieur Andrew Shovlin. "Das war ein schwieriger Tag für das Team und die Fahrer", resümiert er. "Es war nicht einfach, mit dem Auto hier zu arbeiten, und die Probleme mit der Fahrhöhe, unter denen wir litten, machten es für George und Lewis schwierig, Vertrauen in das Auto aufzubauen."

"Wir haben die meisten Dinge mit den Reifen ausprobiert", verrät der Brite über die Arbeit am Samstag. "Am Ende konnten wir sie ordentlich ins Fenster bringen, wobei der erste Sektor unser bester Sektor war. Zur Hälfte der Runde fielen wir jedoch etwas ab."

Das habe zum einen am Überhitzen gelegen, über das sich Hamilton in Q2 am Funk beschwerte. Zum anderen sei es auf die Tatsache zurückzuführen gewesen, dass die Probleme mit der Bodenfreiheit in den letzten beiden Sektoren mehr Zeit kosteten.

"Die Plätze sechs und acht sind keine guten Ausgangspositionen", weiß Shovlin, "und obwohl unsere Rennpace am Freitag gut zu sein schien, ist es schwierig, sie zu nutzen, wenn man im Verkehr steckt." Denn Überholmöglichkeiten sind auf dem engen Straßenkurs in Monaco bekanntermaßen rar gesät.

Doch Mercedes spekuliert auf Zwischenfälle: "Hier gibt es jedoch selten ein unkompliziertes Rennen, also könnten sich uns bei der Strategie einige Möglichkeiten bieten, und die Wettervorhersage sieht so aus, als ob es ein bisschen Regen geben könnte, was uns bei unseren Startpositionen durchaus freuen würde."

Darauf hoffen auch Wolff und Hamilton. "Also ich wünsche mir, dass es regnet und richtig stark zugeht. Dann wäre natürlich ein Podium wieder ein Ziel, das anzustreben wäre", sagt der Teamchef. Und Hamilton ergänzt: "Ich werde zwar keinen Regentanz aufführen. Aber ich möchte, dass es regnet, damit es ein bisschen besser werden kann, als im Trockenen nur auf dem achten Platz herumzufahren."

"Hier kann man nicht überholen", betont der Mercedes-Pilot. "Ich hoffe deshalb, dass das Wetter mitspielt und sich Möglichkeiten ergeben, und dass die Leute vielleicht andere Strategien anwenden. Es wäre schön, einmal etwas Glück zu haben."