Sebastian Vettel - Bildquelle: Motorsport ImagesSebastian Vettel © Motorsport Images

München - Das erste Mal Podium und das erste Mal wieder eine Runde in Führung für Sebastian Vettel beim Formel-1-Rennen in Baku. Vettel selbst lag zum ersten Mal seit dem Grand Prix von Brasilien 2019, damals noch auf Ferrari, wieder in Führung.

In Runde 13 kam Sergio Perez zum Boxenstopp, sodass Vettel (8.), der seinen ersten Reifenwechsel noch nicht absolviert hatte, in Führung ging. Seine direkten Gegner waren zu dem Zeitpunkt Charles Leclerc (4./-11,1), Pierre Gasly (5./-10,0) und Yuki Tsunoda (7./-2,9.). Das Problem Carlos Sainz (6./-7,4) sollte sich von selbst erledigen (Ausritt).

Leclerc und Tsunoda kamen am Ende von Runde 9 als Erste aus dem Paket an die Box, Gasly folgte in Runde 11. Leclerc hatte nach seinem Boxenstopp 9,0 Sekunden Rückstand auf Vettel. Daraus ergibt sich ein Boxenstoppdelta von ziemlich genau 20 Sekunden für den Stadtkurs.

Und Vettel sollte den Vorsprung trotz der älteren Reifen zunächst konsequent ausbauen. Aus den neun Sekunden auf Leclerc in Runde 10 wurden 13,0, als Vettel am Ende von Runde 13 in Führung ging. Bis zu seinem eigenen Boxenstopp in Runde 18 konnte der Deutsche den Vorsprung sogar auf 16,9 Sekunden ausbauen - Tendenz steigend.

Weiche Reifen waren noch lange nicht am Ende

Vettel wurde in jener Phase nicht langsamer, sondern immer schneller. Seine Rundenzeiten, als er in Führung lag und freie Fahrt hatte, waren 1:47.184, 1:46.852, 1:46.643, 1:46.609 und 1:46.582 Minuten. Die drei bis fünf Runden, die er noch gebraucht hätte, um nicht nur Tsunoda, sondern auch Gasly und Leclerc zu überholen, hätte sein C5 wahrscheinlich auch noch hergegeben.

"Schwer zu sagen", sagt er, unmittelbar nach dem Rennen von "Motorsport-Total.com" mit dem möglichen Strategiefehler seines Teams konfrontiert - und bestätigt: "Die Reifen fühlten sich gut an und ich hätte noch draußen bleiben können. Das habe ich dem Team auch gesagt." Vermutlich, so Vettel, habe man aber eine günstige Lücke im Feld gesehen.

Dabei hätte man nur auf den Zeitenmonitor schauen und erkennen müssen, dass Vettel viel schneller unterwegs war als seine direkten Konkurrenten, um zu schlussfolgern, dass ein späterer Boxenstopp locker ein bis zwei weitere Positionen gebracht hätte. Dass Vettel Leclerc und Gasly später auch auf der Strecke überholen konnte, erübrigte das Thema aber.

"Ich hatte sofort nach dem Stopp das Gefühl, dass ich ein bisschen schneller kann als Charles. Aber ich wollte auch sicherstellen, dass meine Reifen zu Beginn in einem guten Zustand sind", sagt Vettel. "Lance hatte ja später den Reifenschaden, und für den Neustart hat es uns geholfen, dass wir die frischeren Reifen hatten."

"Vielleicht", räumt er ein, "wäre die Luft da gewesen, noch ein paar Runden länger draußen zu bleiben, denn das Tempo auf dem Soft wurde immer besser. Das kam für uns überraschend. Die anderen gingen teilweise so früh zur Box, dass wir nicht dachten, dass unsere so gut halten würden. Haben sie aber, und ich denke, wir haben das ganz gut gemacht."

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Vettel verteidigt Aston Martin gegen Kritik

Zu kritisieren, dass noch mehr möglich gewesen wäre, sei im Nachhinein einfach, nimmt der viermalige Weltmeister sein Team in Schutz. Er sagt: "Ich denke, wir wollten unsere Position einmal absichern und hinter den anderen einen Rhythmus finden. Und vor denjenigen bleiben, die schon viel früher gekommen waren, bevor sie im Vergleich zu uns schneller werden."

Das Spiel damit, die Reifen im richtigen Moment zu schonen und ebenfalls im richtigen Moment zu attackieren, war schon in Monaco ein wichtiges Element für Vettels fünften Platz. Baku scheint zu bestätigen, dass er auf den beiden Stadtkursen so etwas wie der neue "Reifenflüsterer" der Formel 1 war - eine Qualität, die bisher vor allem seinem Vorgänger Perez attestiert wurde.

"Ich habe am Anfang Reifen geschont", sagt Vettel, "und bin dann länger draußen geblieben. Ich denke, das hat uns später beim Safety-Car-Neustart geholfen, denn da war ich mittendrin dabei und hatte frischere Reifen als alle anderen. Meine Reifen waren da leichter aufzuwärmen als die der anderen. Das war der Schlüssel, um an Charles und Pierre vorbeizukommen."

Der zweite Platz ist - anders als das Podium in Istanbul 2021 - die Fortsetzung eines Aufwärtstrends. Daher glaubt auch Norbert Haug: "Ich hab' mich gewundert, dass er so eine Blockade hatte", so der ehemalige Mercedes-Sportchef im Interview mit '"Sky". "Aber ich glaube, der Knoten ist geplatzt. Ich freue mich total, wie glaube ich ganz viele deutsche Fans."

"Sebastian hat nicht nachgegeben. Ein zweiter Platz mit diesem Auto ist toll. Wenn die anderen patzen, musst du da sein. [...] Er war da und hat geliefert. Nach Monaco, dort als Fünfter, jetzt Zweiter. Das ist wunderbar, und das gibt dem Team und ihm Selbstvertrauen. Absolut wohlverdient", findet Haug.

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