Sebastian Vettel sorgte bei seinen Demorunden für Begeisterungsstürme - Bildquelle: Sebastian VettelSebastian Vettel sorgte bei seinen Demorunden für Begeisterungsstürme © Sebastian Vettel

Sebastian Vettels Demorun mit dem Williams-Renault aus der Saison 1992 war einer der emotionalen Höhepunkte des Rennsonntags in Silverstone. Nigel Mansell hatte mit dem FW14B seinen einzigen WM-Titel gewonnen, und der Lärm, den das Auto verursachte, ließ bei vielen Fans auf den Tribünen Gänsehaut aufkommen.

Der Clou: Vettel, ein Kämpfer für Klima- und Umweltschutz, betankte den Williams nicht mit erdölbasiertem Benzin, sondern mit einem CO2-neutralen Kraftstoff. Und das, ohne dass dafür der Motor umgebaut werden musste. Ganz getreu des Mottos "Race without Trace", also sinngemäß: "Rennfahren, ohne Spuren zu hinterlassen".

Vettel hatte den FW14B im Jahr 2020 beim Auktionshaus Bonhams ersteigert. Der Kaufpreis wurde damals zwar nicht veröffentlicht; ein Jahr zuvor war aber ein Auto des gleichen Typs um rund drei Millionen Euro verkauft worden.

Dadurch, dass sich das Auto in seinem Privatbesitz befindet, kann Vettel damit anstellen, was er will. Ein Umbau für den Einsatz mit E-Fuels war aber gar nicht nötig: "Wir haben alles so gelassen, wie es war", sagt er in einem Video auf seiner Internetseite sebastianvettel.de. Und: "Mit dieser Technologie sind wir in der Lage, unsere Geschichte am Leben zu erhalten."

Preis pro Liter: 5,95 Euro

Den CO2-neutralen Kraftstoff hat Vettel für 5,95 Euro pro Liter beim Berliner Unternehmen P1 gekauft, das in Belgien produziert. Er erklärt: "Der Preis wird günstiger durch eine effizientere Produktion, das heißt eine dezentrale Herstellung überall dort, wo es erneuerbare Energien im Übermaß gibt."

Denn E-Fuels entstehen unter Zuhilfenahme von Strom aus zum Beispiel Biomasse und dem Absaugen von CO2 aus der Atmosphäre. Der Haken dran ist der hohe Stromverbrauch bei der Erzeugung. Daher, so Vettel, müsse die eingesetzte Energie erneuerbar sein, zum Beispiel aus "Offshore-Windparks in Dänemark, Sonne in der Sahara oder Thermalenergie in Island".

Mit E-Fuels betriebene Verbrennungsmotoren sind damit weit weniger effizient als klassische Elektroautos. Allerdings gelten E-Fuels als sinnvolle Alternative, um in der Übergangsgeneration Millionen von Gebrauchtwagen klimaneutral zu betreiben. Und auch im Motorsport könnten E-Fuels eine Alternative zu fossilen Kraftstoffen darstellen.

Die Formel 1 wird 2026 umrüsten. Vettel hinterfragt, warum das nicht schneller geht: "Ich bin nicht der, der die Entscheidungen trifft. Aber wir haben keine Zeit zu verschwenden. Mir ist klar, dass sich nicht alle einig sind, das schon früher zu ändern. Aber letztendlich wäre genau das, es früher zu ändern, wahrscheinlich die richtige Entscheidung."

Schon jetzt billiger als Formel-1-Rennbenzin

Dass das möglich wäre, hat Vettel mit seinem Demorun zu beweisen versucht. Der Renault-Motor im Williams FW14B leistet geschätzte 750 PS - und lief mit der CO2-neutralen Kraftstoffalternative völlig problemlos. 5,95 Euro pro Liter sind zudem ein Preis, den sich die Formel 1 leisten kann. Das derzeit eingesetzte Rennbenzin ist sogar teurer.

Vettels ehemaliger Teamchef Christian Horner ist ein Fan von E-Fuels, weil das ermöglichen könnte, auch in Zukunft spektakuläre und lautstarke Motoren in der Formel 1 einzusetzen: "Das muss geschehen, finde ich. Ich hatte Gänsehaut! Die Menschen gehen auch noch zu den Rolling Stones. Der Sound ist Teil der DNA der Formel 1. Das sollten wir nicht ignorieren."

Für Vettel war der Demorun ein emotionales Erlebnis. Genau vor 30 Jahren hatte sein FW14B mit Mansell am Steuer in Silverstone gewonnen - und Mansell war es auch, der danach auf ihn wartete. "Das war für mich etwas ganz Besonderes", sagt der viermalige Weltmeister. "Ich habe mich wieder wie ein Fünfjähriger gefühlt. Der Sound gab mir das Gefühl, ich sei 30 Jahre in der Zeit zurückgereist."

"Die Sache hat bewiesen, dass wir mit dem Sound Emotionen wecken können, dass das aber auch auf verantwortungsbewusste Art und Weise geht. Das war mir sehr wichtig. Als die Idee aufkam, das Auto 30 Jahre nach Nigels Sieg hier zu fahren, dachte ich darüber nach, wie wir das am besten machen. Und ich bin sehr stolz darauf, dass wir das hinbekommen haben", sagt Vettel.