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ELF live auf ProSieben MAXX und ran.de

ELF - Hamburg Sea Devils: Tackle Dennis Kenzler über seinen Einsatz in der Ukraine, Edebali als kleinen Jungen und die ELF-Realität

  • Aktualisiert: 11.06.2023
  • 09:53 Uhr
  • ran.de
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© imago images/Beautiful Sports
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Die Sea Devils treten erstmals im Hamburger Volksparkstadion an und empfangen Rhein Fire aus Düsseldorf (Sonntag, ab 16:15 Uhr live auf ProSieben MAXX und ran.de). Im ran-Interview spricht Offensive Tackle Dennis Kenzler über das Event, sein Team und seine Hilfsaktion in der Ukraine.

von Oliver Jensen

Am Sonntag steigt im Hamburger Volksparkstadion das Duell zwischen den Hamburg Sea Devils und Rhein Fire aus Düsseldorf (ab 16:15 Uhr live auf ProSieben MAXX und ran.de).

Vor der Mega-Partie spricht der Hamburger Offensive Tackle Dennis Kenzler im ran-Interview über die Lage bei seinem Team, die Situation in der ELF, die Bedeutung von Ex-NFL-Spielern im Team und sein Engagement im Ukraine-Krieg.

  • Sonntag, 11. Juni, 12:45 Uhr: Vienna Vikings at Berlin Thunder auf P7MAXX (und im Livestream)
  • Sonntag, 11. Juni, 16:15 Uhr: Rhein Fire at Hamburg Sea Devils auf P7MAXX (und im Livestream)

ran: Herr Kenzler, wie groß ist Ihre Vorfreude auf das Spiel im Volksparkstadion?

Dennis Kenzler: Mega, ich freue mich total auf das Volksparkstadion. Ich habe als Kind mein erstes Footballspiel der Hamburg Sea Devils im Volksparkstadion gesehen, damals noch in der NFL Europe. Nun selber für die Sea Devils zu spielen, ist natürlich ziemlich cool. Man spürt auch in der Mannschaft, dass die Vorfreude vorhanden ist. Wir haben zwar bereits Finalspiele in einem großen Stadion bestritten, das aber nun zu Hause zu erleben, ist noch einmal viel cooler. 

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ran: Der Saisonstart verlief nicht wie gewünscht. Sie verloren bei den Panthers Wroclaw mit 25:34. Wie blicken Sie darauf zurück?

Kenzler: Man merkt, dass unser Kader umstrukturiert wurde. Wir haben viele neue, junge Spieler, die sich erst einmal an das Niveau in der ELF gewöhnen müssen. Insgesamt haben wir viele unnötige Fehler gemacht, die zu der Niederlage geführt haben. Das hätte nicht sein müssen. Aber vielleicht ist es auch gut, dass wir noch einmal gesehen haben, dass die Leistung nicht reicht.

ran: Die Sea Devils standen in den ersten beiden Spielzeiten der ELF im Finale, haben aber beide Male verloren. Ist der Titelgewinn nun das logische Ziel?

Kenzler: Es muss von jedem das Ziel sein, ganz nach oben zu kommen. Ansonsten braucht man gar nicht anzutreten. Ob das realistisch ist, werden wir sehen. Unser Ziel ist aber, jede Woche zu gewinnen. Wenn wir das schaffen, stehen wir oben.

ran: Wie würden Sie Ihren Head Coach Charles Jones, der bereits in der NFL Assistenztrainer bei den Miami Dolphins, den Carolina Panthers sowie den Cleveland Browns gewesen ist, beschreiben?

Kenzler: Er ist ein sehr angenehmer und ruhiger Head Coach. Ich habe auch schon andere amerikanischen Coaches erlebt, die wesentlich lauter und präsenter waren. Er agiert eher im Hintergrund, beobachtet sehr viel und spricht dann mit den einzelnen Spielern. Aber er schreit nicht herum, das überlässt er seinen Assistenztrainern. 

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ran: Der frühere NFL-Profi Kasim Edebali war bis vergangene Saison noch Ihr Mitspieler bei den Sea Devils und ist nun ran-Experte. Welche Erinnerungen haben Sie an ihn?

Kenzler: Er war ein absoluter Führungsspieler. Er ist sehr selbstbewusst und war immer für das Team da. Er hat sich als Mensch nicht verändert. Ich hätte gedacht, dass ein früherer NFL-Star ein bisschen auf dicke Hose macht. Aber das war gar nicht der Fall. Er war noch immer der kleine Junge aus Hamburg, der einfach nur Football spielen möchte. Ich habe vor vielen Jahren mein allererstes Football-Spiel mit meiner Mannschaft aus Elmshorn gegen die Hamburg Huskies gemacht, für die Kasim seinerzeit gespielt hat. Damals stach Kasim bereits hervor, er hatte gefühlt jede Position gespielt, auch Quarterback. Er war schon damals ein Ausnahmeathlet.

ran: Sprechen wir über die aktuelle Mannschaft der Sea Devils. Tight End John Levi Kruse ist wieder zurück, nachdem er sich kurzzeitig in der CFL versucht hat…

Kenzler: Ja, das ist schade für ihn, aber sehr gut für Hamburg. Er war dort beim Rookie-Camp, bei dem sich viele Spieler beweisen können. Danach wird leider schon relativ grob aussortiert. Leider hat es Levi dann auch getroffen. Das ist bei vielen Spielern der ELF der Fall, die sich in der CFL versuchen und das Camp nicht überstehen. Dennoch ist die ELF meiner Meinung nach ein gutes Sprungbrett. Sie ist medial sehr präsent, zudem spielen die besten Spieler Europas vereint in dieser Liga.  

ran: In dem 25-jährigen US-Amerikaner Preston Haire haben Sie einen neuen Quarterback. Was zeichnet ihn aus?

Kenzler: Preston ist ein angenehmer Typ, der noch relativ jung ist. Er ist eine sehr gute Ergänzung für uns. Er kann den Ball werfen, kann aber auch selber laufen und auch eine Defense lesen. Im vergangenen Jahr waren wir mit unserer Offense noch sehr eindimensional. Ich denke, dass wir in dieser Saison deutlich gefährlicher sind. 

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ran: In der Verteidigung sticht der neue Defensive Back Deion Harris heraus, der 2019 alle Spiele der Washington Redskins in der Preseason absolvierte. Ist er ein Führungsspieler?

Kenzler: Ja, er ist die Schlüsselfigur bei den Defensive Backs. Er ist ganz wichtig für alle Spieler auf dieser Position. Und das nicht nur durch seine Präsenz auf dem Feld, weil er die besten gegnerischen Receiver im Eins-gegen-Eins covern kann. Er kann auch den jungen Spielern viel geben. Wenn man eine komplette Preseason in der NFL verbracht hat, muss man schon ein sehr guter Spieler sein.

ran: Wie zeitaufwändig ist es überhaupt, in der ELF zu spielen und gleichzeitig berufstätig zu sein?

Kenzler: Das ist schon sehr zeitaufwändig. Ich bin Sales Manager und arbeite daher im Büro. Ich beginne morgens mit der Arbeit, in der Mittagspause gehe ich dann gegenüber von meiner Arbeit ins Fitness-Studio. Und nach dem Feierabend steht Football an. Am Montag und Mittwoch haben wir Meetings, die wir immerhin online abhalten können, sodass wir uns die Anfahrt sparen. Und Dienstag und Donnerstag steht das Training an. Haben wir ein Auswärtsspiel, findet am Freitag oftmals schon die Anreise statt. Für ein Hobby ist das also ein großer Zeitaufwand.

ran: Sie sprechen von einem Hobby. Das bedeutet, dass in der ELF noch nicht richtig Geld verdient wird?

Kenzler: Nein, nur in seltenen Fällen. Die Import-Spieler bekommen natürlich eine Wohnung, ein Auto und Taschengeld, damit sie hier ein halbes Jahr leben können. Bei den Europäern, die aus einem anderen Land kommen, sieht das ähnlich aus. Aber von den Deutschen können nur sehr wenige davon leben. Ich würde schätzen, dass das in ganz Deutschland vielleicht auf zehn Spieler zutrifft. Bei uns im Team gibt es zwar ein paar Spieler, die ein bisschen Geld bekommen. Aber die müssen trotzdem nebenbei arbeiten. 

ran: Aber die Reisekosten werden von den Teams übernommen?

Kenzler: Genau. Die Busfahrt oder auch der Flug werden bezahlt, genauso das Hotel und die Verpflegung. Man hat keine Kosten, um Football zu spielen.   

ran: Sie wurden im vergangenen Jahr in der ELF als Men of Honor ausgezeichnet, weil Sie kurz nach Kriegsbeginn in die Ukraine gereist sind, um Frauen und Kinder nach Deutschland zu bringen. Wie kam es dazu?

Kenzler: Vier oder fünf Tage nach Kriegsbeginn rief mich ein Freund an, der eine Sicherheitsfirma hat. Er meinte, die Menschen in der Ukraine brauchen Hilfe und ich müsse mitkommen. Mein Chef hat das unterstützt und mir sofort bezahlten Urlaub gegeben. Der Plan war, dass wir nur bis zur ukrainischen Grenze fahren, dort die Frauen und Kinder einsammeln und nach Deutschland bringen. Das war allerdings komplizierter als gedacht. An der Grenze herrschte das totale Chaos. Wir sind dann 150 Kilometer in die Ukraine hineingefahren.  

ran: Was haben Sie dort erlebt?

Kenzler: Wir haben zum Glück nichts vom Krieg mitbekommen, weil der Westen der Ukraine nicht so stark davon betroffen ist. Wir sind dort in ein Krankenhaus gefahren und haben die Leute eingesammelt. Aber auch das war nicht so einfach, weil nicht alle ihre Papiere und Reisepässe bei sich hatten. Außerdem gab es auch viel Misstrauen. Das kann man natürlich auch verstehen: Wenn drei große Männer mit Bart und kurzen Haaren vor dir stehen und einer Frau sagen, sie solle bei uns in den Bus steigen, rufen sie nicht sofort Juhu. Zudem konnten wir uns aufgrund der Sprachbarriere kaum verständigen. Das war nicht einfach. Aber das Gute ist, dass wir schlussendlich viele Frauen und Kinder nach Deutschland und somit in Sicherheit bringen konnten.


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