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4-3 und 3-4

Pass Rush in der NFL: Defensiv-Formationen im Vergleich

  • Aktualisiert: 06.02.2023
  • 11:25 Uhr
  • ran.de / Jan Horstkötter / Michael Häring
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© 2016 Getty Images
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Die NFL ist kompliziert. Sehr sogar. Das beginnt schon bei den vermeintlich einfachsten Defensiv-Formationen. ran.de stellt die 3-4 und 4-3 Basis-Defensive des Pass Rushs vor und erklärt die wichtigsten Unterschiede.

Tom Brady, Odell Beckham Jr., Le'Veon Bell. Sie sind die Stars ihres Teams. Verkaufen unzählige Jerseys. Werden als Offensiv-Spieler von den Fans vergöttert.

Es sind die spektakulären Szenen am Ball, die für die Fans eine Attraktivität ausstrahlen, denen Defensiv-Spieler selten nachkommen. Dabei können Verteidiger die noch größeren Game Changer sein. Big Plays machen, die aber selten eine ähnliche Beachtung finden, wie ein One-Handed Touchdown-Catch.

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Vor allem der Pass Rush, die Jagd der Front Seven - also der sieben Spieler nahe der Line of Scrimmage - auf den gegnerischen Quarterback, spielt in Zeiten, in denen der Ball immer schneller die Hände des Signal Callers verlässt, eine signifikante Rolle.

Defensiv-Systeme: 3-4 und 4-3

Die 32 NFL-Franchises greifen dabei vor allem auf zwei Basis-Schemata zurück. System eins: 4-3. Dabei wird mit zwei Defensive Ends, zwei Defensive Tackles und drei Linebackern dahinter gespielt.

System zwei: 3-4. Hier agieren zwei Defensive Ends, ein Nose Tackle und zwei Outside sowie zwei Inside Linebacker in der Front Seven.

Diese beiden Systeme werden als Basis gesehen. Jedoch gibt es sie in zahlreichen Variationen. Nahezu alle NFL-Teams spielen in bestimmten-Situationen mit sogenannten Sub Packages.

Heißt: Ein Spieler der Front Seven nimmt auf der Bank Platz. Im 3-4 ist das meistens der Nose Tackle, im 4-3 einer der Outside Linebacker. Dafür kommt ein sogenannter Nickelback, also ein zusätzlicher Defensive Back aufs Feld. Diese System-Variation wird häufig in offensichtlichen Pass-Situationen angewandt.

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Wo durchbrechen? Die Gaps der O-Line

Um aber die eigentlichen Unterschiede, Vor- und Nachteile beider Systeme zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die Gegenseite. Die Offensive Line wird dabei in sogenannte Gaps unterteilt.

Die Lücken zwischen den verschiedenen Spielern werden als A-Gap (zwischen Center und Guard), B-Gap (zwischen Guard und Tackle), C-Gap (zwischen Tackle und Tight End) und D-Gap (Außenseite des Blocking-Tight-Ends) bezeichnet.

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Defensive-Line-Techniques

Je nachdem, mit welchem System die Defensive aufläuft, verändert sich das Anforderungsprofil der Verteidigung. Die sogenannte Defensive-Line-Technique beschreibt, wo sich die Verteidiger vor dem Snap aufstellen.

Platziert sich die Defense frontal und direkt vor ihren Gegenspielern der Offensive-Line – auch Head-on genannt – besetzen sie damit die 0-, 2-, 4- und 6-Technique-Positionen. Stehen die Defensiv-Akteure leicht nach außen versetzt und nicht frontal vor ihrem Gegenspieler (In der Fachsprache Outside bzw. Inside Shade genannt), werden die 1-, 3-, 5-, und 7-Technique-Positionen besetzt.

Inside Shades – also die Aufstellung des Defensive-Lineman gegenüber der Innenschulter des Gegenspielers - werden in der graphischen Darstellung mit einem kleinen "i" versehen (siehe Bild unten). Outside Shades – die Positionierung gegenüber der Außenschulter des Gegners – werden durch die ungeraden Zahlen ausgedrückt.

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Pass Rush bei der 3-4-Defensive

Im klassischen 3-4-System (siehe Bild oben) platziert sich der Nose Tackle frontal vor dem Center, spielt somit 0-Technique und ist meistens für beide A-Gaps zuständig. Ein klassisches Beispiel: Die Spielweise von Dontari Poe vergangenes Jahr für die Kansas City Chiefs.

Die beiden Defensive Ends stehen leicht versetzt vor den Guards und spielen damit ein 3-Technique. Aktuelles NFL-Beispiel: Aaron Donald, von den Los Angeles Rams. Die drei Defensive-Linemen sind vor allem für den Innenbereich, also die A- und B-Gaps zuständig.

Für diese Spielweise werden schwere, kräftige Jungs benötigt. Es ist nicht ihr primäres Ziel, direkt zum Quarterback durchzubrechen. Viel eher sollen sie die Offensive Linemen aus dem Spiel nehmen und das Laufspiel durch die jeweiligen Gaps verteidigen.

Der wirkliche Druck auf den Quarterback im 3-4-System kommt von den Linebackern. Broncos-Profi Von Miller ist das Paradebeispiel für diese Position. Die beiden Outside Linebacker spielen die 5- bzw. 7-Technique an der Line of Scrimmage und gehen über die Außenseite auf Quarterback-Jagd. Die Offensive Line hat damit alle Hände voll zu tun.

Die beiden Inside Linebacker können sich in offensichtlichen Passsituationen fallen lassen und somit gegen den Pass verteidigen. Oder sie schließen sich der Quarterback-Jagd an. Da der Center und ein Guard meistens mit dem Nose Tackle beschäftigt sind, stehen die Chancen gut, nahezu ungeblockt, oder in einer 1-gegen-1-Situation mit einem blockenden Running Back, zum Quarterback durchzubrechen.

Das 3-4-System lebt von der Überraschung. Die gegnerische Offensive kann nie mit Sicherheit sagen, durch welche Gaps und durch welche Spieler der Druck auf den Quarterback kommt. Das System ist perfekt, um Spielzüge zu verschleiern und für viel Verwirrung in der O-Line zu sorgen.

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Die Nachteile der 3-4-Defensive

Das 3-4-System steht und fällt mit den drei Linemen. Sind die Big Man nicht in der Lage, das Laufspiel zu unterbinden und gleichzeitig noch genug Druck auf die O-Line und den Quarterback auszuüben, fällt das System auseinander.

Gleichzeitig stellt es ein hohes Risiko dar, mit zu vielen Linebackern auf Quarterback-Jagd zu gehen. Linebacker sind ebenso für die Deckung verantwortlich. Zu aggressives Blitzen kann von einem guten Quarterback durch schnelle Pässe eiskalt ausgenutzt werden.

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Pass Rush bei der 4-3-Defensive

Beim 4-3 erfolgt die Quarterback-Jagd vor allem durch die beiden Defensive Ends. Das Schema lässt sich in verschiedenen Auslegungen spielen. Am beliebtesten sind dabei das "over" bzw. "under" System. Bei beiden Varianten ist das Grundprinzip gleich: Jeder der vier Linemen ist für mindestens ein Gap zuständig, in dem er das Running Game stoppen, oder zum Quarterback durchbrechen soll.

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Beim "4-3 under" (siehe Bild unten) verschiebt die Defensive Line zur Weak Side der Offense, also auf die Seite, auf der nicht der Tight End steht. Auch hier erfolgt der Druck auf den Quarterback durch die beiden Defensive Ends.

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Sowohl bei der "over" als auch der "under" Variation geht es darum, durch die vier Defensive Linemen maximalen Quarterback-Druck zu kreieren. Während bei der 3-4-Defense viel auf Komplexität, verschleierte Blitzes und das Verwirren der O-Line gesetzt wird, ermöglicht die 4-3-Defense genug Druck auf den Quarterback mit zwei designierten Pass Rushern, während sieben Spieler in die Deckung gehen können (drei Linebacker + vier Defensive Backs).

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Die Nachteile der 4-3-Defensive

Dreh- und Angelpunkt des 4-3-Systems sind die Defensive Ends. Sie müssen groß, schnell und stark zugleich sein. Obwohl die NFL von athletischen Spielern nur so wimmelt, ist diese Kombination enorm selten. Hat man keine guten DEs im Team, bekommt der Quarterback zu viel Zeit.

Dazu kommt die Anfälligkeit gegen das Laufspiel. Jeder Spieler der Front Seven ist für ein Gap zuständig. Versagt einer, fällt das System in sich zusammen. Wird die Mitte beispielsweise freigeblockt und der Running Back kommt durch, steht der Middle-Linebacker alleine da – zumal einer der Outside Linebacker beim 4-3 häufig für einen zusätzlichen Cornerback auf der Bank gelassen wird: ein sogenanntes Sub Package.

Round Up

Sowohl das 4-3 als auch das 3-4 haben Vor- und Nachteile. Durch die häufige Variation mit Sub Packages, also nur sechs statt sieben Spielern an der Line of Scrimmage, ähneln sich die Systeme sehr. Der Grundgedanke dahinter ist dann der selbe: mit vier Spielern Druck auf den Quarterback ausüben und gegebenenfalls durch überraschende Blitzes zum Erfolg kommen.

Am Ende ist es die Vorliebe des Defensive Coordinators, die entscheidet, mit welcher Variante gespielt wird. Teams wie die New England Patriots oder Chicago Bears spielen eine Hybrid Front Seven und können in beiden Systemen agieren.

Andere Franchises setzen immer auf dasselbe System und variieren die Aufstellung nur leicht. Schlussendlich ist es noch immer die Qualität der einzelnen Spieler, die für Big Plays und Game Changer sorgt. Und das ist oft wichtiger, als jeder One-Handed-Touchdown-Catch.

Jan Horstkötter und Michael Häring

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