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Markus Babbel: "Größenwahn und Arroganz" sind schuld am Abstieg von Hertha BSC

  • Aktualisiert: 25.05.2023
  • 13:00 Uhr
  • ran.de
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© Imago
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Der ehemalige Hertha-Trainer Markus Babbel rechnet bei ran schonungslos mit den Berlinern ab. Größenwahn und Arroganz hätten zum Abstieg geführt. Dem Team stellt er ein miserables Zeugnis aus.

Von Stefan Kumberger

Seit vergangenen Samstag ist es amtlich: Hertha BSC steigt zum siebten Mal in der Vereinsgeschichte aus der Bundesliga ab.

Für den ehemaligen Hertha-Trainer Markus Babbel ist der Abstieg der logische Tiefpunkt einer fatalen Entwicklung.

Bei ran spricht der 50-Jährige, der die Berliner 2010 und 2011 trainierte, exklusiv über die Gründe der Fehlentwicklung. Allen voran sei es die grenzenlose Selbstüberschätzung der früheren Verantwortlichen gewesen, die den Verein nun in die 2. Bundesliga geführt habe.

ran: Herr Babbel, wie war Ihre erste Reaktion, als der Abstieg der Hertha feststand?

Markus Babbel: Sie haben es ja immer wieder geschafft, sich noch geradeso in der Liga zu halten. Pal Dardai hat spürbar noch Hoffnung gebracht, aber das späte Gegentor gegen Bochum war in seiner Entstehung mal wieder symptomatisch für die ganze Saison der Berliner. So steigt man ab und ich bin irgendwie erleichtert, dass diese jahrelange Hängepartie ein Ende gefunden hat.

ran: Die ganze Saison war von viel Theater rund um den Verein geprägt. Ist Hertha mittlerweile ein absoluter Chaos-Klub?

Babbel: Ich sehe die Berliner seit Jahren in einer Abwärtsspirale. Die Entwicklung ist daher nicht überraschend. Im Klub herrschte lange Größenwahn vor. Die aktuelle Führung nehme ich da explizit aus. Die jetzigen Verantwortlichen treten bescheidener und realistischer auf. Aber der angesprochene Größenwahn und die Arroganz vergangener Tage wiegt schwer. Das sucht in Fußball-Deutschland seinesgleichen. Ich war selbst dort Trainer und kenne den Verein. Es ist schon erstaunlich, mit welch unbegründetem Selbstvertrauen viele Leute in den letzten Jahren aufgetreten sind.

ran: Was waren denn die Fehler der vorherigen Führungskräfte?

Babbel: Es wurde übelst gewirtschaftet und man war öffentlich arrogant. Gott sei Dank hat das aktuelle Präsidium das erkannt und handelt jetzt anders. Man hat bei der Mitgliederversammlung gesehen, dass sich da was geändert hat. Zecke Neuendorf findet klare Worte, Pal Dardai spricht Klartext und auch Kay Bernstein macht einen guten Eindruck. Zecke hat es richtig gesagt: Die aktuellen Leute müssen jetzt die Suppe auslöffeln, die ihnen andere eingebrockt haben.

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ran: Hat man aus der knappen Rettung in der vergangenen Relegation gegen den HSV denn nichts gelernt?

Babbel: Damals hatten sie das Glück, dass Fredi Bobic die geniale Idee hatte, Felix Magath als Feuerwehrmann zu verpflichten. Ohne ihn wäre der Klassenerhalt nicht möglich gewesen. Aber in der Folge habe ich Fredi nicht mehr verstanden. Man hat in der Sommerpause nicht erkannt, was diese Mannschaft eigentlich benötigt. Mein Eindruck ist, dass es sich um einen Kader handelt, der permanent einen Tritt in den Hintern braucht. Man hat sich bezüglich der Qualität der Spieler selbst in die Tasche gelogen und Dinge gesehen, die dieser Kader nicht leisten kann. Trotz all der Niederlagen wurde immer wieder davon gesprochen, dass die Leistungen doch gar nicht so schlecht gewesen seien.

ran: Ist das Team denn wirklich so limitiert?

Babbel: Es ist in meinen Augen die mit Abstand schlechteste Mannschaft der Liga. Die Tabelle spricht Bände. Dabei gibt es doch so viele Klubs, die viel weniger Möglichkeiten haben als die Hertha. Es ist schon ein besonderes Kunststück, angesichts der vielen standortbedingten Vorteile in Berlin abzusteigen.

ran: Das richtige Stichwort: Welche Rolle spielt denn das Berliner Umfeld mit all den Fans und den Medien? Der Druck ist ja doch enorm.

Babbel: Wenn man jahrzehntelang vom Großstadtklub spricht und zuletzt den "Big City Club" propagiert, muss man auch liefern. In den letzten zehn Jahren ist der Negativtrend doch deutlich erkennbar gewesen – trotzdem hat man weiter von großen Erfolgen geträumt und große Ziele ausgegeben. Damit sorgt man für mediale Aufmerksamkeit und Hoffnungen bei den Fans. Diese Geister hat man selbst gerufen. Umso bitterer ist es, dass der Lokalrivale alles besser macht und Erfolge einfährt, die man sich eigentlich bei der Hertha erwartet hatte. Union Berlin hat sich durch Kontinuität und bescheidenes Auftreten den Status als Nummer 1 der Stadt redlich verdient. Mir tun die Fans der Hertha richtig leid, denn ihre Unterstützung war überragend.

ran: Warum sprang der Funke von den Fans nicht auf das Team über?

Babbel: Die Mannschaft ist leider Gottes furchtbar schlecht und gleichzeitig nicht billig. Sie kostet viel und gleichzeitig sieht man kaum jemanden bei den Spielern, der sich wirklich mit dem Verein identifiziert. Wenn man schon so grundlegende Dinge wie Kampf und Einsatzwille explizit loben muss, dann sagt das doch alles aus. Woche für Woche mussten sich die Fans einen Grusel-Kick nach dem anderen ansehen und trotzdem war der Support der Anhänger da. Hertha gehört rein sportlich in die zweite Liga. Fertig. Aus.

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ran: Falls die Hertha überhaupt die Lizenz erhält. Angenommen, sie dürfen in Liga 2 mitspielen: Was braucht man dort? Sie sind ja 2011 als Meister mit den Berlinern aufgestiegen.

Babbel: Du brauchst einen langen Atem. Ich glaube nicht, dass man für die kommende Saison einen Kader zusammenstellen kann, der um den sofortigen Wiederaufstieg spielt – auch weil das Geld fehlt. Es ist unfassbar, dass man von einem Investor 400 Millionen Euro bekommt und jetzt Schulden hat. Da wurde in Saus und Braus gelebt und alles andere war wichtiger als das, was auf dem Platz passiert. Jetzt brauchst du eine komplett neue Mannschaft, die den harten Kampf in der zweiten Liga auch annimmt. Da wird vielleicht nicht immer schöner Fußball gespielt, aber es wird um jeden Meter gefightet.

ran: Ist Pal Dardai als Trainer dafür der Richtige?

Babbel: Auf jeden Fall! Es ist schade, dass er nicht schon früher installiert wurde. Er hätte mit ein bisschen mehr Zeit vermutlich den Klassenerhalt noch geschafft. Ich kenne Pal noch als Spieler, ich habe ihn trainiert. Er ist hochgradig ehrgeizig und kennt den Verein in- und auswendig.

ran: Sehen wir denn vielleicht Sie als Retter der Hertha?

Babbel: Definitiv nicht. Ich hatte einmal das Vergnügen – das hat mir gereicht. Ich habe damals meine Mission erfüllt, aber danach hat es einfach nicht mehr gepasst. Dieser Verein ist einfach anders.

ran: Wo sehen wir die Hertha in drei bis fünf Jahren?

Babbel: Ich hoffe nicht in der dritten Liga. Der Verein hat eine brutale Power, wenn alle an einem Strang ziehen. Allein die Atmosphäre im Stadion gegen Bochum hat das gezeigt. Allerdings fehlt mir aktuell der Glaube.


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