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Frankreichs neuer Nationalheld

Antoine Griezmann: Der kleine Drache mit der Spongebob-Unterhose

  • Aktualisiert: 08.07.2016
  • 12:11 Uhr
  • Andreas Reiners
Article Image Media
© imago/Colorsport
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Antoine Griezmann ist Frankreichs neuer Nationalheld. Dabei nahm die Karriere des 25-Jährigen nur durch einen Zufall eine entscheidende Wendung. ran.de stellt den Stürmerstar der Equipe Tricolore näher vor.

München - Ein kleines Lächeln. Immerhin. Ganz kurz huscht es über das Gesicht von Antoine Griezmann, als er über sein Husarenstück spricht. Es wirkt fast so, als sei dem 25-Jährigen sein neuer Status als französischer Nationalheld ein bisschen peinlich. Als sei es ihm unangenehm, so im Rampenlicht zu stehen. Er hat es dementsprechend eilig, den Fokus auf die gesamte Equipe Tricolore zu drehen.

"Das war Teamarbeit. Wir waren eine geschlossene Einheit und stehen verdient im Finale. Natürlich wollen wir auch das Endspiel gewinnen", sagte Griezmann nach dem 2:0 (1:0) der Gastgeber im Halbfinale gegen die deutsche Nationalmannschaft. Vorbildlich. Ein Teamplayer, wie er im Buche steht. Einer, der offenbar erwachsen geworden ist. Auf dem Platz und abseits des Rasens.

Dabei hatte er den Traum der Weltmeister vom EM-Titel nahezu im Alleingang platzen lassen.

Es ist der vorläufige Höhepunkt einer Karriere, die erst durch einen Zufall an Fahrt aufnahm. Mit 14 war er in Auxerre, Saint-Etienne, Sochaux und Metz als für zu leicht und zu klein befunden worden. Bei einem Jugendturnier in Paris reichten Eric Olhats ein paar Minuten, um sich von dem Talent des Stürmers zu überzeugen. Der damalige Scout für die Profis von Real Sociedad San Sebastian wollte eigentlich nur einen Kollegen treffen, als ihm der schmächtige Kerl nachhaltig auffiel.

Mit einer Visitenkarte fing alles an

Olhats fackelte nicht lange, steckte Griezmann seine Visitenkarte inklusive eines Angebots für ein Probetraining zu und bearbeitete dessen Eltern vier Tage lang, bis er ihren Sohn mit nach Spanien nehmen durfte. "Ich war Vater, Mutter, Lehrer, alles", erzählt Olhats, inzwischen Griezmanns Berater, rückblickend.

Griezmann lebte sich so trotz seines Heimwehs ein, schloss mit 15 ein spanisches Schul-Diplom ab und saugte die spanische Mentalität auf. Die Ablehnung in Frankreich und die positiven Erfahrungen in Spanien erklären auch ein wenig sein gespaltenes Verhältnis zu seiner Heimat. "Die Ausbildung und die Mentalität in Spanien sind vollkommen anders als in Frankreich. Die Technik ist wichtiger, das entspricht meinem Stil", erklärte Griezmann einmal.

Durchbruch in Spanien

2009 schaffte er den Durchbruch als Profi und war fortan nicht mehr aufzuhalten. Für San Sebastian schoss er in 202 Spielen 52 Tore, ehe er 2014 für 30 Millionen Euro zu Atletico Madrid wechselte. In 107 Spielen traf er dort 57 Mal. Angesichts der auf eine starken Defensive basierenden Taktik von Diego Simeone eine beachtliche Ausbeute. Während der EM verlängert er dort seinen Vertrag bis 2021, mit einer festgeschriebenen Ablösesumme in Höhe von 100 Millionen Euro.

Dass Fußball nur ein Spiel und Geld im Leben nicht alles ist, wurde ihm spätestens im vergangenen Jahr bewusst, als seine Schwester den Terroranschlägen rund um das Freundschaftsspiel zwischen Frankreich und Deutschland am 13. November nur knapp entkam. Während Antoine auf dem Platz stand, bangte Maud in der Konzerthalle Bataclan um ihr Leben. Mit ihrem Bruder hat sie seitdem nur ein einziges Mal über die Erlebnisse gesprochen. Dafür drückt sie ihm bei der EM im Stadion die Daumen und hat zudem als PR-Beraterin seine Vermarktung übernommen.

Sportlich geprägt hat Griezmann auch ein Karriereknick in der französischen U21-Nationalmannschaft. Im Oktober 2012 unternahm er als Vorbereitung auf ein Playoff-Spiel zur EM gegen Norwegen gemeinsam mit einigen Teamkollegen einen Ausflug ins Pariser Nachtleben. Frankreich verlor das Spiel, Griezmann aufgrund einer Sperre bis Ende 2013 seinen Platz in der Auswahl. "Diese Strafe war ein entscheidender Wendepunkt. Ich verstand, dass ich einen professionellen Lebensstil führen muss", sagte Griezmann.

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Griezmann

GER vs. FRA: Die Teams in der Einzelkritik

ran.de bewertet die Spieler von Deutschland und Frankreich in der Einzelkritik zum Halbfinale der EM.

  • Galerie
  • 08.07.2016
  • 00:18 Uhr

Seitdem gilt er als Asket, als Vorbild ohne Eskapaden und Skandale. Zu klein ist er aber eigentlich immer noch. Mit seinen 1,76 Meter und 70 Kilogramm ist er ein Leichtgewicht. Er wirkt wie ein schüchterner Schuljunge, wenn er neben Mannbildern wie Olivier Giroud oder Paul Pogba seine Eleganz, gepaart mit einer feinen Technik und einem untrüglichen Torinstinkt mit beeindruckender Effektivität auf den Platz bringt.

Frankreichs Feuerwehrmann

"Grizou", wie ihn seine Mitspieler in Anlehnung an den Drachen aus der Zeichentrickserie nennen, der lieber Feuerwehrmann werden wollte, löscht keine Brände. Er ist ständiger Unruheherd und legt das Feuer mit seiner Schnelligkeit und Präzision selbst. Wie im Champions-League-Halbfinale, als er mit seinem Tor im Rückspiel zum Bayern-Schreck wurde. Wie in vielen seiner rund 60 Pflichtspielen, die er in dieser Saison bereits auf dem Buckel hat.

In insgesamt 33 Länderspielen erzielte er nun 13 Tore, alleine sechs bei dieser EM, zwei davon im Halbfinale gegen Deutschland. Sein Glücksbringer? Ist eine Unterhose. Eine Spongebob-Unterhose. Ganz erwachsen ist er dann doch noch nicht geworden.


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