• Darts
  • Tennis
  • Alle Sportarten

  • ran Shop
Anzeige
Anzeige
Hamann über Flick und den DFB

WM 2022: Hansi Flick bleibt Bundestrainer! Hamann sieht die Entscheidung kritisch - "Hätte mir einen Neustart gewünscht"

  • Aktualisiert: 09.12.2022
  • 12:48 Uhr
  • ran.de
Article Image Media
© Getty
Anzeige

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat sich also festgelegt: Hansi Flick bleibt Bundestrainer und wird die deutsche Nationalmannschaft mindestens bis zur Heim-WM 2024 weiter betreuen. Eine Entscheidung, die für Diskussionen sorgt und nicht jeden vollends überzeugt. Im exklusiven Gespräch mit ran erklärt "Sky"-Experte Dietmar Hamann unter anderem, warum er sich einen kompletten Neustart beim DFB beispielsweise mit einem ausländischen Trainer gewünscht hätte, wieso er Flick für sein Verhalten nach dem Bierhoff-Aus kritisiert und wie er die Rolle von DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke einschätzt.

Von Dominik Hechler

München – Der Krisengipfel ist vorbei. DFB-Präsident Bernd Neuendorf, DFB-Vizepräsident und BVB-Boss Hans-Joachim Watzke sowie Bundestrainer Hansi Flick haben in einem noblen Hotel in Neu-Isenburg ganz in der Nähe von Frankfurt am Main die Köpfe zusammengesteckt, diskutiert, analysiert, um dann am Ende des Tages doch gemeinsam festzustellen: es bleibt alles, wie es ist. Also fast. Oliver Bierhoff ist nach dem erneuten WM-Aus nach der Vorrunde als DFB-Direktor zwar zurückgetreten, aber Flick darf weiter Bundestrainer bleiben. Kein Rücktritt, kein Rauswurf. Seine neue Mission: eine erfolgreiche Heim-EM im Jahr 2024. Eine Entscheidung, die nicht alle nachvollziehen können.

"Ich hätte mir tatsächlich einen kompletten Neustart gewünscht", sagt der "Sky"-Experte und ehemalige deutsche Nationalspieler Dietmar Hamann im exklusiven Gespräch mit ran. "Denn es kommt ja jetzt im Nachhinein unter anderem heraus, dass es bei der WM in Katar offenbar Differenzen zwischen dem Bayern-Block und dem Rest gegeben haben soll – und genau all diese Spieler werden ja auch in den nächsten Monaten und Jahren noch dieselben sein. Außer zwei, drei Ausnahmen vielleicht, die aus der Nationalmannschaft zurücktreten werden. Es wird sich an dem Kader also generell nicht so viel verändern. Somit wüsste ich jetzt nicht, warum sich das Klima innerhalb der Mannschaft in den nächsten Wochen und Monaten bis zur Heim-EM 2024 nachhaltig verbessern sollte."

Anzeige

Hamann: Hätte mir einen kompletten Neustart gewünscht

Und auch, dass Flick offenbar tatsächlich zu keinem Zeitpunkt wirklich zur Disposition stand und somit offensichtlich auch sehr schnell klar war, dass es mit dem 57-Jährigen als Bundestrainer weiter gehen soll, wundert Hamann. Zumal sich die Frage stellt, ob der "Frieden von Neu-Isenburg" bei zu vielen Negativergebnissen in den kommenden Länderspielen nicht vielleicht doch nur ein "Burgfrieden auf Zeit" ist.

"Das kann natürlich passieren", so Hamann, "wenn du jetzt aber zu dieser Entscheidung kommst, mit Hansi Flick als Bundestrainer in die Zukunft zu gehen, dann musst du das auch durchziehen. Auf der anderen Seite hätten wir diese Diskussion eigentlich jetzt schon führen müssen und nicht im Falle eines Falles erst in drei, vier Monaten. Leider ist das – aus welchen Gründen auch immer – ausgeblieben."

Hamann: DFB wird das mit Flick jetzt durchziehen

Und weiter: "Es sind ja nur noch 18 Monate bis zur Heim-WM 2024 in Deutschland. Schon aus diesem Grund glaube ich nicht, dass Flick in ein paar Monaten wieder zur Diskussion stehen wird – außer, die Ergebnisse sind wirklich miserabel. Dann könnte das Ganze eventuell nochmal Fahrt aufnehmen. Aber nochmal: ich gehe davon aus, dass der DFB das mit Flick jetzt komplett durchziehen wird."

Ein Weg, der für den ehemaligen Champions-League-Sieger mit dem FC Liverpool nur wenig nachvollziehbar ist. Zumal Hamann auch Probleme auf den DFB und Flick zukommen sieht – den er für sein Verhalten und vor allem seine Aussagen nach dem Bierhoff-Rücktritt auch mit klaren Worten kritisiert. "Ich denke da vor allem an den neuen Sportdirektor, der dann ja bald beim DFB dazu stoßen soll und welche Vorstellungen der dann hat. Ich war schon ein bisschen irritiert, als Flick sagte, dass er erstmal schauen müsse, wie er den Weggang von Oliver Bierhoff gemeinsam mit seinem Trainerteam nun verarbeitet. Da kann ich nur sagen: Flick hat einen Vertrag mit dem DFB und nicht mit Oliver Bierhoff."

Externer Inhalt

Dieser Inhalt stammt von externen Anbietern wie Facebook, Instagram oder Youtube. Aktiviere bitte Personalisierte Anzeigen und Inhalte sowie Anbieter außerhalb des CMP Standards, um diese Inhalte anzuzeigen.
0812

Machtfülle? Watzke: "Kann damit nichts anfangen"

DFL-Aufsichtsratsvorsitzender und DFB-Vize-Präsident Hans-Joachim Watzke erklärt: "Ich möchte meinen Beitrag leisten, dass der deutsche Fußball aus der schwierigen Lage herauskommt."

  • Video
  • 05:25 Min
  • Ab 0

Hamann: Kritik an Flicks Verhalten nach dem Bierhoff-Aus

Klartext von Hamann. Und er legt nach: "Man sollte nicht vergessen, dass das bei der WM in Katar das schlechteste Abschneiden einer deutschen Nationalmannschaft in den vergangenen 60 Jahren war. Wenn die Japaner in ihrem zweiten Gruppenspiel Costa Rica geschlagen hätten, wäre das Turnier für die DFB-Elf womöglich zu diesem Zeitpunkt schon vorbei gewesen. Dass sich Flick danach dann auch hinstellt und sagt, dass er nun erstmal schauen müsse, wie das im Verband jetzt alles so weiter geht, wer vielleicht auf Bierhoff folgt und somit letztlich auch noch Ansprüche anmeldet, bei solchen Entscheidungen womöglich ein Mitspracherecht zu bekommen, dann hat mich das schon sehr stark gewundert und irritiert. Ich habe auch so meine Bedenken, dass die Probleme, die wir bei der WM in Katar hatten, bis zur Heim-EM in 18 Monaten behoben sein werden."

Deswegen kommt es ja nicht von ungefähr, dass Hamann bereits direkt nach dem blamablen WM-Aus in Katar in seiner "Sky"-Kolumne einen kompletten Neustart beim DFB gefordert hat – vielleicht sogar mit einem ausländischen Coach als neuen Bundestrainer. "Ich hatte da keine konkreten Namen im Kopf, bin mir aber sicher, dass es einige Kandidaten gibt, die den Job unheimlich gerne machen und vor allem Veränderung reinbringen würden", erklärt Hamann. "Das ist ja auch vonnöten. Wir haben uns jetzt drei Turniere in Folge schlecht verkauft und daraus resultiert auch, dass diese ehemalige 'Ehrfurcht vor der deutschen Mannschaft' nicht mehr da ist. Das ist vor allem im Hinblick auf die Heim-EM und die WM 2026 in den USA nicht zu unterschätzen. Dieses Ansehen hat uns in der Vergangenheit sicherlich auch den einen oder anderen Punkt gewonnen, weil die anderen Nationen nämlich eine gewisse Angst vor uns hatten. Die sehe ich in absehbarer Zeit aber erstmal nicht mehr."

Anzeige
Anzeige

Hamann: Ehrfurcht vor der deutschen Elf nicht mehr da

Ein Coach, der für Konsequenz, Klarheit, Härte, aber auch Erfolg steht ist Louis Van Gaal. Das hat der Niederländer nicht nur in der Vergangenheit beim FC Bayern gezeigt, sondern auch jetzt in der niederländischen Nationalmannschaft. Im Viertelfinale trifft er mit der "Elftal" auf Argentinien und hört nach der WM bei den Niederlanden auf. Van Gaal wäre also auf dem Markt – und lässt keine Pressekonferenz aus, um klar zu machen, dass er schon noch Lust hätte, als Coach zu arbeiten. Halb im Spaß, halb im Ernst. Wäre also ein Trainer der Marke "Van Gaal" jemand für Deutschland?

"Du musst als Trainer harte Entscheidungen treffen. Dabei kannst du es nicht jedem Recht machen. Du musst als Nationaltrainer die besten Spieler für dein Land auswählen und dann wird es trotzdem immer wieder zu Härtefällen kommen. Genau dann musst du eben die bereits angesprochenen harten und klaren Entscheidungen treffen. Louis Van Gaal ist beispielsweise ein Typ, der das macht. Er hat bei den Niederlanden bei der WM in Katar einen Torhüter hinten reingestellt, der zuvor noch nie in der niederländischen Nationalmannschaft gespielt hat und vor zwei Jahren noch vereinslos war. Das ist aber so ein ganz spezielles Gespür, das ein Trainer mit so einer jahrelangen Erfahrung dann bekommt. Er hat gemerkt, dass genau dieser Keeper jetzt am besten zu dieser Mannschaft passt", so Hamann.

Hamann: Beim DFB wird einfach weiter verwaltet

Außerdem legt der 49-Jährige den Finger in die Wunder: "Wenn man sich mal generell anschaut, wie technisch stark andere Nationen wie beispielsweise Japan oder Südkorea ausgebildet sind, dann liegen zwischen denen und unserer deutschen Mannschaft aktuell Welten. Solche Dinge müssen einfach auch mal knallhart angesprochen werden – am besten aus einem ganz anderen Blickwinkel oder einer anderen Denkweise heraus. Denn sobald die Leute anfangen zu überlegen, wird sich auch etwas ändern. Aber wir machen einfach erstmal so weiter. Ganz unabhängig davon, wer jetzt neuer DFB-Sportdirektor wird. Das ist ebenfalls eine ganz schwere Aufgabe. Denn wenn man sich unter anderem den englischen oder französischen Nachwuchs so anschaut, dann können wir da aktuell nicht mithalten. Es gibt also viel zu tun. Aber egal, wer der Neue auf dem DFB-Sportdirektor-Posten auch werden wird – ich habe das Gefühl, dass im Verband trotzdem einfach weiter verwaltet wird."

Genau aus diesem Grund soll nun ja auch ein neuer DFB-Sportdirektor kommen, um all die Krusten des Verbands aufzubrechen. Frischer Wind ist also gefordert – vielleicht sogar von einer Art "Task Force"? Eine Idee, die bei Hamann nicht zwingend auf Gegenliebe stößt: "Grundsätzlich wäre es schon vorstellbar, die Aufgaben auf mehrere Schultern zu verteilen. Auf der anderen Seite braucht es eben auch einen, der die Ansagen macht. Zu viele Köche können auch hier den Brei verderben. Aber wenn man das Know-how eines Karl-Heinz Rummenigge oder Rudi Völler, die beide nicht mehr in Amt und Würden sind, nutzen kann, sollte man das unbedingt tun. Aber nochmal: ob das am Ende jetzt der Fredi Bobic oder ein anderer wird – es ist eine unheimlich schwierige Aufgabe und man wird sehen müssen, was man in diesem Konstrukt DFB überhaupt bewegen kann."

Anzeige

Hamann: Watzke ein Mann der anpackt und Entscheidungen trifft

Für Hamann ist es aber immerhin positiv zu bewerten, dass BVB-Boss Watzke als DFB-Vizepräsident aktuell immer mehr zum "starken Mann" im deutschen Fußball wird. Vom Dortmunder hat der 49-Jährige eine klare, vor allem aber hohe Meinung: "Er ist ein Mann mit großer Erfahrung und sicherlich jemand, der anpackt und Entscheidungen trifft. Und das ist das Wichtigste. Lieber eine falsche Entscheidung treffen als gar keine. Natürlich ist Watzke nicht für falsche Entscheidungen bekannt (lacht). Aber er spricht gerne Klartext und greift durch, wenn es sein muss. Deswegen sehe ich das absolut positiv, dass er nun so einen großen Einfluss hat. Denn wir haben es ja bei der aktuellen WM gesehen, wohin das führt, wenn man keinem weh tun will – nämlich nicht sehr weit. Und wenn dann Widerstände kommen, geht es direkt in die falsche Richtung. Von daher ist Watzke jemand, der genau das macht, was uns fehlt. Ob das letztlich genug ist, werden wir sehen."

Anzeige

© 2024 Seven.One Entertainment Group