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Audi-Kundensport droht Schließung: Aus für R8 in DTM und bei GT3-Klassikern?

  • Aktualisiert: 05.05.2023
  • 11:56 Uhr
  • Motorsport-Total
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© DTM
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Was darauf hindeutet, dass Audi Sport Customer Racing 2023 geschlossen wird und welche Auswirkungen das auf die Einsätze in der DTM und auf der Nordschleife hätte

Bei Audi kündigt sich im Motorsport-Bereich die nächste Kursänderung mit Sprengkraft an: Denn laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' soll der komplette Kundensport-Bereich mit Saisonende 2023 eingestellt werden. Davon betroffen wäre unter anderem das weltweit erfolgreiche GT3-Programm mit dem Audi R8 LMS, darunter der Einsatz in der DTM und auf der Nürburgring-Nordschleife.

Nach den werksseitigen Ausstiegen aus der Class-1-DTM im Jahr 2020, aus der Formel E im Jahr 2021 und dem 2022 gestoppten LMDh-Projekt würde dieser Schritt bei Audi Sport in Neuburg und bei vielen Fans für ein weiteres Erdbeben sorgen.

Aber was steckt hinter dem Vorhaben? Audis Vorstandsvorsitzender Markus Duesmann, der vor rund zwei Jahrzehnten bei Mercedes und dann bei BMW für die Formel-1-Motorenentwicklung verantwortlich zeichnete und seit April 2020 die Volkswagen-Tochter führt, wollte Audi unbedingt in die Königsklasse des Motorsports führen, wie Konzern-Kenner berichten.

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Audi-Vorstandsbeschluss: Voller Fokus auf Formel-1-Projekt

Duesmanns Wunsch ging im August 2022 mit dem bestätigten Formel-1-Einstieg ab der Saison 2026 in Erfüllung. Schon Ende 2021 habe der Vorstand in Ingolstadt - wie mehrere Quellen aus dem Audi-Umfeld berichten - beschlossen, dass der volle Fokus auf das Formel-1-Projekt gelegt werden soll. Auf Kosten aller anderen Motorsport-Engagements.

Ende 2022 soll dann vom Audi-Vorstand intern endgültig die Anweisung gekommen sein, Audi Sport Customer Racing - und damit die Programme mit dem TCR-Boliden RS 3 LMS und den GT2-, GT3- und GT4-Varianten des R8 LMS - mit Saisonende 2023 einzustellen.

Kürzungen bei Kundensport, Ausbau des Dakar-Projekts

Interessant ist aber, dass das Dakar-Werksprojekt trotz des Vorstandsbeschlusses 2021 vorerst weiterlaufen soll: Für 2024 plant Audi laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' sogar, zusätzlich zur legendären Wüstenrallye auch noch die Rally-Raid-Meisterschaft zu bestreiten.

Und das, obwohl man in den bisherigen zwei Jahren nicht den erhofften Erfolg einfuhr und die ursprünglichen Kostenpläne deutlich überschritten wurden - auch weil die Maße des RS Q e-tron nicht den Vorgaben entsprachen und man deshalb für 2023 ein neues Auto bauen musste. Die Rede ist von einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag, den man pro Jahr lockermacht.

Während es für das Dakar-Projekt Sonderbudgets gab, kürzte Ex-Sportchef Julius Seebach, der von Dezember 2020 bis August 2022 Geschäftsführer der Audi Sport GmbH war und somit den Motorsportbereich leitete, die Gelder für Audi Sport Customer Racing in den Jahren 2022 und 2023.

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2022 war Rekordsaison für Audi Sport Customer Racing

Eine Einstellung von Audi Sport Customer Racing im 15. Jahr des Bestehens wäre ein harter Schlag für die Truppe von Chris Reinke, der bis Anfang 2016 das LMP1-Projekt führte, in der Szene einen guten Ruf genießt und intern bereits als möglicher zukünftiger Sportchef gegolten hatte. Zumal die Zahlen eigentlich für die rund 80 Personen umfassende Abteilung sprechen, die Teil der Audi Sport GmbH ist.

2022 gelang Audi Sport Customer Racing eine Rekordsaison mit weltweit 76 Titeln, 290 Einzelsiegen und einer Siegquote von 36 Prozent. Der Audi R8 LMS GT3 ist eines der erfolgreichsten und am meisten verbreiteten GT3-Fahrzeugen überhaupt. 2022 produzierte die Kundensportabteilung bereits den 300. Audi R8 LMS GT3. Insgesamt sind global fast 1.000 Kundensport-Boliden in Umlauf.

Gibt es noch die Chance auf eine Rettung?

Als Rolf Michl im September 2022 den Sportbereich übernahm, gab es Hoffnung, doch der Ex-Abt-Mann scheint bei seinen Bemühungen, den Kundensport zu retten, nicht erfolgreich gewesen zu sein.

Dieses Jahr treten die Ingolstädter in der Intercontinental GT-Challenge erstmals nicht in der Herstellerwertung an. Fahrerkader und Details zur Werksunterstützung wurden später als üblich bekanntgegeben. Zudem setzt mit Abt das vielleicht traditionsreichste Audi-Team beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring auf Lamborghini. Und Rosberg hat sich überhaupt zurückgezogen.

Jetzt könnte nur noch eine Neubewertung der Lage durch den Vorstand der Audi AG das Kundensport-Aus verhindern. Durch die gemeinsame Basis mit dem Huracan GT3 der Schwestermarke Lamborghini gäbe sogar eine kostengünstige Gelegenheit, einen Nachfolger für den R8 zu bauen, dessen Produktion in der Serie Anfang 2024 voraussichtlich ausläuft.

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R8-Einstellung: GT3-Zukunft nur mit Seriennachfolger

Der Bau des Lamborghini-Modells dürfte beschlossene Sache sein. Auch eine Audi-Designstudie für ein GT3-kompatibles Nachfolger-Auto soll es bereits geben.

"Der Kundensport tritt an, die Speerspitze auf Basis von Serienfahrzeugen darzustellen", stellte Reinke im Vorjahr im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' klar, dass eine Fortsetzung des GT3-Engagements unwahrscheinlich ist, wenn es keinen R8-Nachfolger in der Serie gibt. "Diese Authentizität muss gegeben sein. Und dafür müssen wir eine Antwort finden, wie wir das in Zukunft aufstellen."

Wir haben Audi Sport die Möglichkeit gegeben, zur Recherche Stellung zu beziehen. "Das Motorsport-Programm im Kundensport für das Jahr 2023 ist beschlossen und wird auch so durchgeführt: 24 Stunden Nürburgring, 24 Stunden Spa, GT-World-Challenge, TCR-World-Tour, DTM", richtet ein Audi-Sprecher auf Nachfrage von 'Motorsport-Total.com' aus.

"Über die weitere Ausgestaltung des Kundensports und auch des Dakar-Projekts wird derzeit beraten. Sobald Entscheidungen gefallen sind, werden wir unsere Teams und Partner informieren", ergänzt der Audi-Sprecher.

Welche Folgen hätte ein Kundensport-Aus?

Wird die Abteilung wirklich eingestellt, würde das auch das Ende des Kundensport-Kaders bedeuten, dem 2023 14 Piloten angehören. Darunter befinden sich unter anderem Ex-Formel-1-Pilot Markus Winkelhock, Christopher Mies, Christopher Haase und DTM-Pilot Ricardo Feller. Kelvin van der Linde und Robin Frijns haben dieses Jahr bereits ihren Abschied bekanntgegeben.

Würde das Ende von Audi Sport Customer Racing bedeuten, dass Audi in Zukunft im GT3-Sport gar nicht mehr präsent ist? Nicht zwangsläufig, denn es wäre vorstellbar, dass Teileservice sowie Revisionen von Motor und Getriebe für die in Umlauf stehenden Fahrzeuge ausgelagert wird und dadurch aufrecht bleibt.

Die Zeiten der Hersteller-Unterstützung, wie es sie in der DTM oder bei namhaften Langstrecken-Rennen gibt, wäre dann aber vorbei. Audi würde in den verschiedenen GT-Serien auch keine Fahrer mehr zur Verfügung stellen. Und auch Updates für die Autos würden nicht entwickelt werden, weshalb die Marke früher oder später von der Bildfläche verschwinden würde.


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