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"Man hat jetzt Fakten geschaffen": Audis Kundensport-Aus abgewendet?

  • Aktualisiert: 17.10.2022
  • 14:00 Uhr
  • Motorsport-Total
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© ABT Sportsline
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Bei Audi stand dieses Jahr die GT3-Zukunft und damit auch die DTM auf der Kippe: Wieso sich das vorerst geändert hat und wie es mit einem R8-Nachfolger aussieht

Seit einiger Zeit gibt es wilde Gerüchte, dass Audis Kundensport-Programm komplett eingestellt werden könnte - und damit auch die erfolgreichen GT3-Einsätze mit dem R8 LMS. Dadurch stand auch das DTM-Engagement auf der Kippe. Und auch bei den Fahrern gab es bei Audi Sport kürzlich durch die Abgänge der zwei Toppiloten Rene Rast und Nico Müller einen Aderlass, der ins Bild passt.

Doch beim DTM-Saisonfinale in Hockenheim durften die Audi-Teams endlich aufatmen. "Audi hat jetzt Fakten geschaffen", bestätigte Attempto-Teamchef Arkin Aka am Hockenheim-Sonntag im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. "Die Kernaussage beim gestrigen Meeting war, dass sich Audi zum Kundensport bekennt. Deswegen ist für uns jetzt alles klar."

Eine entscheidende Rolle dürfte dabei der Machtwechsel an der Spitze von Audi Sport gespielt haben: Denn seit dem 1. September ist nicht mehr Julius Seebach als Geschäftsführer der Audi Sport GmbH für den Motorsport zuständig, sondern Rolf Michl, der davor Audi-Sport-Betriebsleiter war und auch bei Abt als Vertriebsleiter gearbeitet hatte.

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Erleichterung nach Abzug von Sportchef Seebach

"Ich denke, dass Rolf Michl ein Racer ist", so Aka. "Und ich denke, dass Seebach bestimmt andere Stärken hat, die er jetzt unter Beweis stellen kann, aber gottseidank nicht mehr im Bereich Motorsport", kann der Teamchef seine Freude nicht verbergen, dass der wenig Motorsport-affine Seebach seinen Posten los ist und eine neue Rolle in der Technischen Entwicklung übernommen hat.

Auch der bei den Teams sehr geschätzte Audi-Kundensport-Chef Chris Reinke, der früher LMP1-Leiter war und seit 2016 für Audi Sport Customer Racing zuständig ist, kam laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' unter Seebachs Führung in Bedrängnis, hat aber nach dessen Abzug wieder Oberwasser bekommen.

Sondermodell: R8-Zukunft in der Serie vorerst gesichert

Attempto-Teamchef Aka ist davon überzeugt, dass es jetzt bei Audi Sport "in die richtige Richtung" gehe. Ein Indiz dafür sei auch die Tatsache, dass Audi Sport mit dem R8 Coupe V10 GT RWD eben erst ein Sondermodell des Straßenfahrzeugs R8 präsentiert hat, das - so die ursprünglichen Pläne - eigentlich bereits 2022 hätte eingestellt werden sollen. Beim R8 GT handelt sich um das letzte V10-Modell in der Serienproduktion.

Dadurch wird die Produktion des Autos, von dem auch das in der DTM eingesetzte GT3-Fahrzeug abstammt, zumindest um zwei Jahre verlängert. "Mehr Zeichen kann man nicht setzen", freut sich Attempto-Teamchef Aka.

Als positives Signal für die Zukunft darf auch gewertet werden, dass die Ingolstädter als Hauptsponsor das DTM-Saisonfinale unterstützt haben, das unter dem Titel "DTM Hockenheim powered by Audi" über die Bühne ging.

Bereits vor der Saison hatten sich die Hersteller BMW und Mercedes-AMG festgelegt, die Events am Norisring und am Nürburgring zu unterstützen. Der Deal mit den Ingolstädtern wurde erst wenige Wochen vor dem Finale Anfang Oktober fixiert.

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Erhält der R8 LMS einen GT3-Nachfolger?

Und auch bei den Audi-Teams in der DTM arbeitet man gemeinsam mit dem Hersteller an einem Paket für die Saison 2023. Aber wie sieht die langfristige Kundensport-Zukunft bei Audi aus? Der seit 2009 eingesetzte Audi R8 LMS erhielt Anfang 2022 mit dem R8 LMS GT3 Evo II sein bislang letztes Update. Zuletzt gingen die Gerüchte von einer kompletten Einstellung des GT3-Programms bis zu einem neuen Boliden.

"Da machen sie echt ein Geheimnis drum", fällt Attempto-Teamchef Aka auf. "Ich denke, dass wir Ende nächsten Jahres hören werden, wo die Reise hingeht." Laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' ist es aktuell am wahrscheinlichsten, dass der R8 LMS GT3 Evo II, dessen aktuell bis Ende 2023 laufende Homologation jederzeit verlängert werden kann, noch ein weiteres Update erhalten wird, ehe man möglicherweise einen Nachfolger bringt.

Als Basis könnte entweder erneut die gemeinsame Plattform des R8 und des Lamborghini Huracan dienen, oder man setzt mit einem RS 5 wie BMW mit dem M4 oder Ford mit dem Mustang statt einem reinrassigen Sportwagen auf eine Limousine. Sollte es überhaupt dazu kommen, würde es aber vermutlich noch bis 2026 dauern, bis ein entsprechendes neues Fahrzeug einsatzbereit ist.

"Kümmere mich heute ums Feiern und morgen um den Kater"

Audis Kundensportchef Reinke deutet an, dass es unwahrscheinlich ist, dass der R8 im GT3-Sport weiter eingesetzt werden würde, wenn das Modell in der Serie gar keine Rolle mehr spielt. "Der Kundensport tritt an, die Speerspitze auf Basis von Serienfahrzeugen darzustellen", sagt er im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. "Diese Authentizität muss gegeben sein. Und dafür müssen wir eine Antwort finden, wie wir das in Zukunft aufstellen."

Am dieses Jahr eingeführten R8 LMS GT3 Evo II, mit dem Audi neben anderen GT3-Erfolgen dieses Jahr in der DTM den Herstellertitel holte, werde man "noch so lange wie möglich partizipieren wollen", fährt Reinke fort. Auf die Frage, ob es einen Nachfolger für den R8 geben werde, sagt er: "Das ist noch nicht entschieden. Aber auch da kümmere ich mich heute ums Feiern und morgen um den Kater."

Wie der Attempto-Teamchef die Lage einschätzt? "Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, dass es keinen Nachfolger gibt", sagt Aka, der nicht nur das Seebach-Aus, sondern auch den Eintritt des neuen Volkswagen-Chefs Oliver Blume in den Vorstand des Konzerns als positives Signal für eine GT3-Zukunft bei Audi wertet.

"Ich glaube, er ist kein Verfechter von Elektromobilität und sagt, man muss beides machen", so Aka. "Also wird der Verbrenner ein Thema bleiben."


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