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Formel E: Lenkung zu gefährlich und schwerfällig für Frauen?

  • Aktualisiert: 29.06.2023
  • 10:30 Uhr
  • Motorsport-Total
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© Motorsport Images
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Mehrere Verletzungen an der Hand trüben die aktuelle Formel-E-Saison: Ist die Lenkung zudem zu schwerfällig, um Frauen in der Serie zu haben?

Hat die Formel E ein Lenkradproblem? Die Bilder der Hand von Robin Frijns sind vielen sicherlich noch im Gedächtnis. Der Niederländer hatte sich bei einem Unfall beim Saisonauftakt in Mexiko Brüche in Hand und Handgelenk zugezogen und musste operiert werden, sodass er vier Rennen aussetzen musste.

Doch der Abt-Cupra-Pilot war kein Einzelfall: Auch Sebastien Buemi (Envision) verletzte sich an der Hand und geriet zeitweise in Gefahr, nicht fahren zu können, Oliver Rowland (Mahindra) stieg in Monaco mit Schmerzen vorzeitig aus, und auch Porsches Antonio Felix da Costa sah man schon mit dicker Hand durch das Fahrerlager laufen.

"Das sollte nicht passieren, weil es einfach grobe Verletzungen sind, die total unbegründet sind", sagt Pascal Wehrlein. "Der Unfall von Robin Frijns war ja mit langsamer Geschwindigkeit, und auch der Aufprall war relativ gering, aber trotzdem war seine Verletzung schwer. Die Relation hat überhaupt nicht gepasst."

Im Fokus steht seit Saisonbeginn die Lenkung der neuen Gen3-Boliden, die noch schwerfälliger ist als in den vergangenen Jahren. Denn die Formel E ist im Gegensatz zur Formel 1 ohne Servolenkung unterwegs. Das war sie aber auch schon vorher, doch ein neuer Motor an der Vorderachse hat das Thema noch einmal schwieriger gemacht.

Laut Wehrlein ist die Lenkung des aktuellen Formel-E-Autos die anstrengendste und schwerfälligste seiner gesamten Karriere: "Definitiv - mit Abstand", sagt er. Das liegt auch an den hohen Lenkwinkeln in den vielen engen Kurven und Schikanen und den dadurch langsamen Geschwindigkeiten.

Rene Rast (McLaren) sagt, er habe über den Winter acht Kilogramm Muskelmasse zugelegt, und auch Wehrlein meint, er habe im Vergleich zu seiner DTM-Zeit jetzt zehn Kilogramm an Masse mehr.

"Natürlich geht die Tendenz da hin, dass du schwerer wirst, weil du einfach Muskelmasse im Oberkörperbereich zulegen musst", sagt auch Maserati-Pilot Maximilian Günther. "Das ist wirklich ein ziemliches Brett, muss man sagen, ein Formel-E-Auto zu fahren."

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Könnte eine Frau überhaupt Formel E fahren?

Mit einer steigenden Präsenz von weiblichen Fahrerinnen im Motorsport stellt sich dabei die Frage: Könnte eine Frau heutzutage überhaupt in der Formel E fahren? Die Tendenz spricht jedenfalls eine klare Sprache.

Mit Michela Cerruti, Katherine Legge und Simona de Silvestro waren bislang drei Frauen in der Formel E unterwegs - alle in der ersten Saison 2014/2015. De Silvestro fuhr auch noch in der zweiten Saison, doch seitdem gibt es keine Frau mehr in der Formel E. Nicht einmal beim Nachwuchstest in Berlin im April war eine Fahrerin dabei.

Ist die Formel E zu schwer für eine Frau? "Ich kann nur für mich selber sprechen, aber es ist schon sehr, sehr anspruchsvoll", meint Günther. Andere Fahrer sind da zuversichtlicher, dass auch eine Fahrerin mit den Kräften zurechtkommen könnte: "Ich meine, es gibt sehr starke Frauen", sagt Wehrlein.

Andrettis Andre Lotterer meint gegenüber 'Motorsport-Total.com', dass es "kein Problem" sein sollte. "Ich glaube nicht, dass es so schwer ist. Ob Mann oder Frau sollte eigentlich kein Unterschied sein." Und auch Buemi stimmt zu: "Die Lenkung geht zwar schwerer als vorher, aber ich glaube nicht, dass sie zu schwergängig ist. Es ist schon noch fahrbar."

Lucas di Grassi (Mahindra) sagt hingegen, dass die Lenkung schon ziemlich schwer sei und er ebenfalls an Muskelmasse zulegen musste. Für eine Frau sei das aber kein Hindernis: "Ich bin der Meinung, dass auch Frauen Muskeln zulegen können", so der Brasilianer.

Braucht es eine Servolenkung?

Für Günther könnten aber auch die Männer irgendwann an die Grenze kommen, sollte die Formel E noch weitere Maßnahmen einführen - wie etwa Reifen mit mehr Grip, was auch das ein oder andere mal angesprochen wurde. "Ganz ehrlich: Ich weiß nicht, wenn wir jetzt noch mehr Grip hätten, ob wir dann das Auto lenken könnten", sagt er.

"Wenn du die Autos schneller machen willst, dann brauchst du einfach eine Servolenkung", so der Deutsche. Das sei auch der Wunsch vieler Fahrer.

Allerdings gehen da die Meinungen durchaus auseinander. "Es wäre besser, wenn wir eine Servolenkung hätten", sagt Jean-Eric Vergne (DS Penske). Das sieht di Grassi hingegen anders: "Ich bin nicht der Meinung, dass eine Servolenkung notwendig ist. Man könnte es machen, aber das ist ein Sport. Wenn es zu schwer ist, dann gehst du eben trainieren."

Und auch Wehrlein sieht keinen Grund dafür: "Meistens sagt man doch, ihr wollt echte Männer und harte Arbeit, die Autos sind zu leicht zu fahren. Und jetzt wird gemeckert, dass es keine Servolenkung gibt. Ich weiß nicht", so der Deutsche. "Ob die Autos jetzt schwer zu fahren sind oder körperlich anstrengender sind, für mich ist das gut. Ich habe da nichts dagegen."

Doch da ist ja auch noch das angesprochene Thema Sicherheit. Die Fahrer sind sich einig, dass die Häufigkeit der Verletzungen schon ein kritisches Thema ist und angegangen werden sollte. "Es sollte nie so sein, dass wir uns mit etwas zufriedengeben, was nicht sicher ist", betont Jean-Eric Vergne (DS Penske).

"Das sollten wir uns anschauen, um zu vermeiden, dass es weitere solche Zwischenfälle gibt. Die können im schlimmsten Fall ein Karriereende bedeuten", mahnt Vergnes Teamkollege Stoffel Vandoorne an, der selbst nach einer Berührung in Mexiko Schmerzen in der Hand hatte. "Wäre der Schlag ein wenig heftiger gewesen, hätte ich mir wahrscheinlich die Hand verletzt."

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Andere Ursache für Verletzungen

Ob eine Servolenkung dabei aber überhaupt helfen würde, daran haben viele Piloten ihre Zweifel. "Es geht gar nicht so sehr darum, dass die Lenkung schwergängig ist. Es geht vielmehr darum, dass sich die Autos zu leicht mit den Rädern berühren können und das Lenkrad dann zurückschlägt", erklärt Felix da Costa gegenüber 'Motorsport-Total.com'. "Das sind die Momente, in den man sich verletzen kann."

"Die Lenkung ist das gleiche System wie in der Formel 2, der Formel 3, den IndyCars, auch Kartsport. Das ist nichts Besonders", sagt auch di Grassi und schlägt in die gleiche Kerbe: "Warum wir jetzt mehr Verletzungen sehen, ist, weil sie die Abdeckung von den Vorderrädern genommen haben. Der Vorderreifen ist also frei."

"In der Formel E haben wir enges Racing, viel enger als in Barcelona oder Monza. Für mich ist das Potenzial für Verletzungen nicht da, weil die Lenkung geändert wurde. Die Lenkung ist genau gleich", so der Brasilianer. "Aber sie haben die Radabdeckung weggenommen, die seit Saison 1 da war. Meiner Meinung nach sollten sie die Radabdeckungen wieder draufmachen."

Und auch Lotterer sieht eher das Problem darin, dass die Fahrer im Vergleich zu Rundstrecken nicht immer die notwendige Zeit haben, die Hände rechtzeitig vom Lenkrad zu nehmen. "Man könnte sich überlegen, ob man zwischen Lenkrad und Monocoque mehr Platz lässt", übt er sich an einem Lösungsvorschlag.

Das Thema Lenkrad wird auf jeden Fall erst einmal auf dem Tisch bleiben, doch eine einfache Lösung scheint nicht in Sicht. "Das Auto wurde ja so geplant. Da ist es natürlich schwierig, jetzt noch etwas zu ändern", sagt Buemi.

"Ich habe gehört, dass es für eine Servolenkung nicht genug Platz gibt", sieht der Schweizer erst einmal geringe Aussichten auf eine einfachere Lenkung. Vergne weiß, dass sich die Gefahr im Motorsport "nicht komplett eliminieren" lässt, hofft aber auch mit Blick auf die Formel-E-Zukunft "ganz klar, dass wir eine Servolenkung bekommen werden."

Formel E betont: Die Autos sind sicher

Das könnte allerdings noch etwas dauern: "Mit Sicherheit nicht vor Saison elf, nicht vor der Evolution des Autos", sagt Formel-E-Mitbegründer Alberto Longo auf die Frage, wann man etwas ändern könne. "Aber wir müssen tief in die Details gehen, warum das passiert. Und wenn man den Grund kennt, kann man Lösungen finden."

Dass die Fahrer sagen, dass es gefährlich sei, sei natürlich "nicht gut", so Longo, "aber die FIA kümmert sich um die Sicherheit, und wir sind zuversichtlich, dass sie genau das tun, was sie tun müssen."

"Ich würde sagen, dass es nicht ganz stimmt, was die Fahrer sagen", spielt er die Aussagen herunter. "Das Auto ist sicher zu fahren, und darum wurde es auch von der FIA homologiert. Sonst hätten sie das nicht gemacht."


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