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München/London - Wenn Tatjana Maria in diesen aufregenden Wimbledon-Tagen Zeit für sich braucht, weiß sie, auf wen sie sich verlassen kann. Tante Ons springt gerne ein.

"Wir kennen uns schon eine Ewigkeit, sie liebt Kinder und sieht meine fast als ihre an", sagt Maria: "Sie ist ein Teil unserer Familie."

Und darüber hinaus am Donnerstag (ab 14:30 Uhr im Liveticker auf ran.de) die letzte Hürde auf dem Weg ins Finale des wichtigsten Tennisturniers der Welt.

Tante Ons heißt mit Nachnamen Jabeur und ist nicht nur eine fantastische Ersatz-Mama für Marias Töchter Charlotte (8) und Cecilia (1), sondern auch eine der besten Spielerinnen der Tour. Die Weltranglistenzweite aus Tunesien gilt seit ihrem Sieg beim Vorbereitungsturnier in Berlin als eine der Favoritinnen im All England Club, doch auch auf sie wartet eine emotionale Aufgabe, bei der viel auf dem Spiel steht.

Rücksicht auf die Familie? "Wir sind professionell"

"Ich liebe Tatjana", sagt Jabeur: "Ich liebe Charlotte. Und die Kleine lacht immer, das gibt so viel Energie. Ich liebe einfach die ganze Familie." So viel Liebe wird auch vom bisher größten Duell in Jabeurs und Marias Tennisleben nicht gefährdet werden. "Wir sind so professionell, wir gehen auf den Platz und geben unser Bestes, aber nach dem Match ist wieder alles in Ordnung", sagt Maria.

Kein Zweifel: Der Respekt voreinander ist gewaltig. Maria weiß, dass Jabeur nicht nur für sich selbst spielt, sondern als erste Spielerin aus der arabischen Welt im Halbfinale eines Grand Slams Millionen Menschen repräsentiert. "Das bedeutet mir viel", sagt sie. Ex-Profi Hicham Arazi habe ihr gesagt: "Araber verlieren immer im Viertelfinale, das haben wir satt." Jabeur (27) hält dem Druck bislang stand.

Auch im "Familienduell"? Maria (34) hat spätestens nach ihrem Sieg über Jule Niemeier in Wimbledon nichts mehr zu verlieren. Gewonnen hat sie schon mehr als sie sich erträumt hat: Darunter eine stattliche Summe Preisgeld (625.000 Euro) und Sympathien aus der ganzen Welt. Zudem taucht ihr Name ab sofort in illustren Listen auf.

Sechste Deutsche im Halbfinale

Maria ist die sechste Deutsche nach Steffi Graf, Angelique Kerber, Sabine Lisicki, Julia Görges und Bettina Bunge im Halbfinale von Wimbledon. Mit 34 Jahren oder älter haben dies vor ihr nur Billie Jean King, Martina Navratilova, Chris Evert, Venus Williams und Serena Williams geschafft. "Das ist unglaublich, ich kann das gar nicht glauben. Das macht mich stolz", sagt Maria.

Für Jabeur bekommt ihre "Barbecue"-Freundin endlich, "was sie verdient. Ich weiß, wie hart sie kämpfen musste. Es ist nicht einfach, nach zwei Geburten zurückzukommen." Doch das macht Maria aus. "So ist mein Leben", sagt sie selbst. Sie zeige den Zweiflern, "dass ich eine Kämpferin bin, dass ich immer weitermache und weiterträume". Aufstehen und arbeiten, das hat sie immer ausgezeichnet.

Auch damals, als ihr Vater an Krebs starb, als sie nach einer Lungenembolie im Ranking weit zurückfiel. Rückschläge und Rückstände sind für Maria Motivation, in Wimbledon hat sie sich bislang aus jeder aussichtslosen Situation befreit.

So ist sogar das Finale möglich, auch wenn Jabeur sicher die bislang stärkste Gegnerin ist - und dazu mit fiesen Tricks arbeitet. Sie habe Charlotte schon gefragt: "Bist Du für mich oder Deine Mama", erzählte sie lachend: "Ich versuche die Kids auf meine Seite zu ziehen. Ich nutze einfach die Familie für mich." War natürlich nur ein Scherz. Auf Tante Ons kann sich Mama Maria verlassen.

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