High-School-Star Travis Hunter sorgt für Aufsehen im College Football. - Bildquelle: itgnext.com/travis-hunter-vs-travis-hunterHigh-School-Star Travis Hunter sorgt für Aufsehen im College Football. © itgnext.com/travis-hunter-vs-travis-hunter

München - In Deutschland dürften noch nicht viele Football-Fans etwas mit dem Namen Travis Hunter anfangen können, in den USA ist der Schüler hingegen spätestens seit Mittwoch bekannt wie ein bunter Hund.

Hunter gilt als bester High-School-Footballspieler der USA und sorgte mit der Wahl seiner künftigen Universität für ein regelrechtes Erdbeben.

Travis Hunter: Jackson State statt Florida State

Am Anfang waren es noch drei Baseballmützen, die auf dem Tisch vor Travis Hunter lagen. Nach und nach setzte der junge Athlet aus Georgia eine auf, nur um sie wenige Augenblicke später gestenreich abzuziehen und wegzuwerfen.

Weder die Auburn Tigers, noch die Georgia Bulldogs oder die Florida State Seminoles konnten sich die Dienste des jungen Cornerbacks sichern. Stattdessen wurde Hunter aus dem ekstatischen Publikum eine weiße Mütze mit blauer Schrift zugeworfen.

Voller Stolz setzte er sie auf und sorgte damit für eine faustdicke Überraschung: Er wird zukünftig für die Jackson State Tigers auflaufen. 

Travis Hunter: Zukunft liegt in Mississippi

Die kleine Hochschule im Bundesstaat Mississippi gehört nicht zu den großen Football-Universitäten der USA. Im Gegensatz zu den anderen Kandidaten spielen die Tigers noch nicht einmal in der höchsten College Division FBS, sondern in der kleineren FCS.

Erstmals seit 2006 entscheidet sich ein Fünf-Sterne-Spieler (höchste Bewertung für High-School-Athleten, Anm. d. Red.) für eine unterklassige Universität. Kurioserweise hatte Hunter bereits der Florida State University mündlich zugesagt, seine Kehrtwende sorgt daher nicht überall für Begeisterung.

"Florida State war für mich immer ein Lichtblick", erklärte Hunter in einem Statement auf Twitter. "Ich lasse diesen Traum ungern los, doch manchmal sind wir dazu bestimmt, in eine andere Zukunft zu gehen, als wir ursprünglich dachten. Diese Zukunft liegt für mich persönlich an der Jackson State University." 

Deion Sanders: Vom NFL-Superstar zum Erfolgstrainer am College

Hunters überraschende Entscheidung wird vor allem einem Mann gutgeschrieben: Deion Sanders - einer der besten Spieler der NFL-Geschichte und seit 2020 Head Coach der Jackson State Tigers.

Die abgelaufene Saison beendeten die Tigers mit einer Bilanz von 11-1 und gewannen unter Sanders Führung erstmals seit 2007 wieder die Southwestern Athletic Conference (SWAC).

Trotz der vermeintlich schlechteren Konkurrenz in der FCS dürfte Hunters Potenzial voll zur Entfaltung kommen - nicht umsonst gilt Sanders in vielen Augen als bester Cornerback der NFL-Geschichte.

College Football: Nachhaltiger Wandel dank Hunter?

Auch aus historischer Sicht könnte Hunters Entscheidung für einen nachhaltigen Wandel im College Football sorgen.

Jackson State gehört zur Gruppe der HBCUs, den Historically black colleges and universities. Diese Hochschulen sollten in Zeiten der Rassentrennung auch der afroamerikanischen Bevölkerung den Zugang zu Bildung ermöglichen. 

Infolge der Civil-Rights-Bewegung und der allgemeinen Öffnung aller Universitäten verloren Schulen wie Jackson State oder die Howard University an Bedeutung, auch im US-Sport.

"HBCUs haben eine lange Football-Geschichte", unterstrich Hunter in seinen Twitter-Statement. "Ich möchte ein Teil dieser Geschichte sein und gleichzeitig auch die Zukunft mitgestalten. Ich habe diese Entscheidung auch getroffen, um anderen ein Vorbild zu sein und auch dem nächsten Spieler zu zeigen, dass HBCUs vielleicht auch all das sein können, was sie sich wünschen." 

HBCU: Heimat vieler NFL-Stars

Lange Zeit galten diese Hochschulen als Fabriken für die größten Talente der NFL. Der legendäre Bears-Running-Back Walter Payton spielte beispielsweise einst selbst für die Jackson State Tigers und auch der beste Receiver der NFL-Geschichte, Jerry Rice, besuchte mit der Mississippi Valley State University eine HBCU.

Heute finden sich nicht mehr viele HBCU-Talente in der NFL wieder, der aktuell bekannteste Spieler ist Linebacker Darius Leonard. Der Colts-Star spielte an der South Carolina State University und wurde von Indianapolis an der 36. Stelle des Draft 2018 ausgewählt. Mit je zwei All-Pro- und Pro-Bowl-Nominierungen zählt er zu den besten Verteidigern der Liga.

Ob Travis Hunters Entscheidung zu einer Renaissance der HBCUs führen kann, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Die College Football Playoffs (am 31. Dezember, ab 21:15 Uhr, live auf ProSiebenMAXX und ran.de) und die allgemeine Konkurrenz werden auch weiterhin die größten High-School-Talente in die Power-5-Conferencen locken.

Führt Hunters Weg aber ohne große Rückschläge in die NFL, könnte den einst so geschätzten Hochschulen ein neuer Boom bevorstehen. 

Tom Offinger

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