Lorenz Metz (r.) soll die Blinde Side schützen - Bildquelle: ImagoLorenz Metz (r.) soll die Blinde Side schützen © Imago

München/Cincinnati - Das Diamanten-Vorkommen in den USA ist gering. Mit 48 Prozent bilden die USA trotzdem den höchsten Absatzmarkt.

Vor gut eineinhalb Jahr importierten sie einen weiteren Rohdiamanten: Lorenz Metz. Im kleinen Ort Neuötting in Oberbayern entdeckt und bei den Kirchdorf Wildcats geschliffen, soll der Deutsche nun beim College-Team Cincinnati Bearcats seine volle Pracht entfalten. 

ran.de hat exklusiv mit ihm gesprochen (das Spiel der Bearcats gibt es am 7. September ab 17:45 Uhr live auf ProSieben MAXX und ran.de):

ran.de: Lorenz Metz, Ihre Football-Karriere begann mit 17 Jahren bei den Kirchdorf Wildcats. Wie kam es dazu?

Lorenz Metz: Vor Football habe ich zwei bis drei Jahre hobbymäßig Tischtennis in einem Verein gespielt. Ein Freund von mir schleppte mich dann eines Tages mit zum Footballtraining, dort habe ich den Sport lieben gelernt.

 

ran.de: Es dauerte nicht lange, bis man Ihr Talent bemerkte. Durch das Recruiting-Progamm "PPI" schafften Sie den Sprung zum College. Wie sind Sie mit der neuen Situation umgegangen?

Lorenz Metz: Brandon Collier vom "PPI"-Programm entdeckte mich beim Auswärtsspiel gegen die Wiesbaden Phantoms. Nach dem Match kontaktierte er mich und bot mir die Möglichkeit, dem Programm beizutreten. Alles hinter mir zu lassen war eine schwere Entscheidung. Logischerweise waren die ersten Monate in der neuen Umgebung nicht leicht für mich. Wenn ich jetzt reflektiere, kann ich sagen, es war die beste Entscheidung meines Lebens.

Vorbild J.J. Watt

ran.de: Bei den Cincinnati Bearcats wurden Sie vom Defensive-Liner zum Offensive Tackle umgeschult. Wie verlief die Umstellung?

Lorenz Metz: Der Kickslide, also das schnelle Rückwärtslaufen in der Passprotection, war schwierig zu erlernen. Mittlerweile fühle ich mich aber sehr wohl in der Offensive.

ran.de: Viele Spieler haben ein Vorbild. Bei wem haben Sie sich was abgeschaut?

Lorenz Metz: In der NFL ist J.J. Watt mein Vorbild, auch wenn ich mittlerweile nicht mehr seine Position spiele. Watt fiel mir als erster Spieler ins Auge, als ich angefangen habe Football zu schauen. Neben seinem offensichtlichen Talent, war ich von seinem Willen und seiner Arbeitsmoral sehr beeindruckt.

 

Muss gegen Spieler bestehen, die schon ihr ganzes Leben Football spielen

ran.de: Sie sind mittlerweile größer und schwerer als J.J. Watt. Mit ihren 2,05 Metern und 150 Kilogramm erfüllen Sie die physischen Voraussetzungen eines Tackles. Wo ist noch Platz für Verbesserung?

Lorenz Metz: Die Größe und das Gewicht stimmen, aber es gibt noch einige Dinge, an denen ich arbeiten muss. Ich spiele erst ein Jahr auf der offensiven Seite des Balles und muss gegen Spieler bestehen, die schon ihr ganzes Leben Football spielen. Momentan arbeite ich daran, auf den Füßen zu bleiben und weniger aufgeregt zu sein.

ran.deAm zweiten Spieltag werden Sie sich mit Chase Young, einem potentiellen Erstrunden-Pick von Ohio State, messen. Young ist flexibel und kann sowohl per Bullrush, als auch per Speedrush zum Quarterback gelangen. Wie bereiten Sie sich auf so jemanden vor?

Lorenz Metz: Davon lass' ich mich nicht beeindrucken. Die Vorbereitung läuft wie bei jedem anderen ab. Wir schauen uns gemeinsam als Team die vorherigen Spiele des Gegners an. Zuhause studiere ich, wie andere Tackles ihn blocken konnten.

In der idealen Zukunft spiele ich in der NFL

ran.de: Vor der Saison ernannte Sie Head Coach Luke Fickell zum Starter. Wie sieht ihre ideale Zukunft aus?

Lorenz Metz: Vorher soll gesagt sein: Ich mag es nicht, mir zu große Ziele zu setzen. Aus Teamsicht ist es ganz klar: Die Konferenz-Meisterschaft zu erreichen und zu gewinnen. Zu meiner persönlichen Entwicklung lässt sich Folgendes sagen: Als ich zu den Bearcats kam, war mir das Wichtigste, es ins Starting-Lineup zu schaffen. Ich arbeite jeden Tag daran, einer der besten Tackles der Liga zu werden. Natürlich ist es noch ein weiter Weg, aber in der idealen Zukunft spiele ich in der NFL.

ran.de: In Deutschland gibt es immer mehr Footballverrückte. Geschichten wie Ihre zeigen, dass man mit Willen und natürlich dem nötigen Talent, auch in Amerika bestehen kann. Wie viel Potenzial hat der deutsche Football aus Ihrer Sicht?

Lorenz Metz: Das sehe ich ähnlich. Der Zuwuchs an Fans über die letzten Jahre ist enorm. Immer mehr Jugendliche fangen mit dem Sport an. Der deutsche Football ist mittlerweile auf dem Radar der Recruiter, dass sieht man allein schon daran, dass viele Spieler aus den deutschen Ligen den Sprung ans College oder sogar in die NFL schaffen. Das ist meiner Meinung nach auch eurem Kommentatoren-Team zu verdanken. Ich selbst saß damals in Deutschland oft bis tief in die Nacht vor dem Bildschirm, um ranNFL zu schauen. Mit dem Start der Übertragungen vom College Football dieses Jahr bekomme ich sehr viele Nachrichten von Fans aus Deutschland, die mir schreiben, dass sie stolz auf mich sind und mir viel Glück wünschen. Das treibt mich umso mehr an, meine Ziele und die ideale Zukunft zu erfüllen.

Das Interview führte: Tim Rausch

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