Absolvierte seine erste Saison als Starter: Lorenz Metz - Bildquelle: Getty ImagesAbsolvierte seine erste Saison als Starter: Lorenz Metz © Getty Images

München/Cincinnati - 2,06 Meter, 150 Kilogramm, athletisch: Lorenz Metz erfüllt alle Bedingungen, die es an einen Right Tackle gibt. ran.de hat exklusiv mit dem im bayerischen Neuötting geborenen 22-Jährigen der Cincinnati Bearcats, die von der Presse als Nummer 21 im Football-College der abgelaufenen Saison eingestuft wurden, gesprochen:

ran.deLorenz Metz, Ihre erste Saison als Starter bei den Cincinnati Bearcats ist vorüber. Sie absolvierten 13 Spiele und etablierten sich als feste Größe auf der Right-Tackle-Position. Wie erlebten Sie die vergangene Spielzeit?

Lorenz Metz: Das war ein sehr schönes Erlebnis. In meinem ersten Jahr durfte ich immer nur rein, wenn wir bereits hoch in Führung lagen oder in Special Teams. Dann war dieser Sprung im zweiten Jahr sehr cool und ich kann die nächste Spielzeit kaum erwarten.

ran.de: Was war das Highlight Ihrer Saison?

Lorenz MetzIn einem engen Spiel gegen die Temple University gelang es mir, einen Extrapunkt zu blocken. Ein Mitspieler hat den Football dann das ganze Feld runter bis in die generische Endzone getragen, zur Two-Point-Conversion, und wir bauten unsere Führung auf 15:6 aus. Das war spielentscheidend (Anm. d. Red.: Endstand: 15:13).

"Spielte trotz Verletzungen"

ran.de: Ihr Team krönte die grandiose Saison mit einem 38:6-Sieg gegen Boston College im Bowl-Game - Sie spielten nicht. Wie sind Sie mit der Situation umgegangen? 

Lorenz MetzAn der Seitenlinie zu stehen, meinen Jungs zuzuschauen und nicht zu spielen, das war ein komisches Gefühl. Am liebsten hätte ich gespielt. Leider habe ich mir in der Saison einige Verletzungen zugezogen. Ich war nach dem Spiel gegen Temple ziemlich angeschlagen, weil ich mir das Fußgelenk verstaucht habe, am darauffolgenden Spieltag verstauchte ich mir das andere Fußgelenk. In dem Match vor dem Bowl-Game spielte ich trotz meiner Verletzungen, weil wir zu wenige Offensive-Liner im Kader hatten, aber darüber wollte ich mich nicht beschweren. 

"Fans forderten, dass ich zurück nach Deutschland gehe"

ran.de: Wie sieht Ihr gesundheitlicher Zustand momentan aus?

Lorenz MetzNach der Saison stellte sich heraus, dass ich einen Bruch in meinen Handgelenk habe, da haben die Ärzte eine Schraube reingesetzt und ich laufe mit einem Gips herum. Für meine Fuß-Verletzungen mache ich jeden Tag Reha und es geht schon besser.

ran.de: Ihre Saison ähnelte einer Achterbahnfahrt mit Höhen und Tiefen. Anfang Dezember entschuldigten Sie sich in einem emotionalen Brief auf Twitter für ihre Leistungen gegen Memphis, obwohl sie verletzt spielten. Wieso?

Lorenz Metz: Viele Fans schrieben mir beleidigende Nachrichten, einige forderten sogar, dass ich zurück nach Deutschland gehen solle. Dabei wissen die meisten gar nicht, was sich hinter den Kulissen abspielt. Das hat mich schon getroffen. Ich hatte einfach das Gefühl, dass ich mich entschuldigen musste für mein Spiel.

ran.de: Wie waren die Reaktionen?

Lorenz Metz: Sehr positiv. Ich spiele erst seit vier Jahren Football. Fans, Spieler und Coaches sagten mir, dass ich mich bereits sehr verbessert habe, das hat mich aufgebaut. Die Coaches waren erstaunt, was ich diese Saison geleistet habe und können nicht erwarten, meinen weiteren Weg der Verbesserung zu verfolgen.

"Darf Verletzungen nicht verstecken"

ran.de: Was haben Sie aus der gesamten Situation gelernt?

Lorenz Metz: Ich muss lernen, den Coaches eher Bescheid zu geben, wenn es nicht mehr geht. Es war sehr schwer für mich, den Coaches zu sagen, dass ich nicht mehr spielen kann. Ich darf Verletzungen nicht verstecken und muss Bescheid geben, wenn ich ein Spiel Pause brauche."

ran.de: Ihre Saison hatte auch viel Positives, wie haben Sie sich verbessert?

Lorenz Metz: Rundum! Nicht nur im Pass-Blocking und im Run-Blocking, sondern auch im mentalen Aspekt des Spieles. Mir fällt es leichter, Football in all seinen Details zu verstehen und bis zu meinen Verletzungen wurde ich Woche um Woche besser.

"Wollen die Championship gewinnen" 

ran.de: Woran wollen Sie noch weiter arbeiten?

Lorenz Metz: Natürlich kann man sich immer verbessern. Ich schaue viele Videos über unsere Gegner. Da kriegt man einen guten Eindruck, wie die Gegenspieler in bestimmten Situationen agieren. Das sollte mir kommende Saison weiterhelfen.

ran.de: Stichwort: kommende Saison. Was dürfen die Fans der Cincinnati Bearcats erwarten?

Lorenz Metz: Wir haben dieses Jahr die Championship der Conference leider verloren, deshalb ist das Saisonziel ganz klar: Championship gewinnen. Dadurch kriegen wir ein besseres Bowl-Game, gegen einen stärkeren Kontrahenten - und da wollen wir hin. 

Chase Young ist ein "Top-Spieler"

ran.de: Blicken wir auf den Draft: Am zweiten Spieltag wurden Sie gegen Ohio State ins "kalte Wasser" geworfen und mussten gegen Chase Young, den die meisten Experten als sicheren Top-3-Pick sehen, antreten. Wie war diese Erfahrung?

Lorenz Metz: Wir wussten schon vor der Saison, dass er ein potentieller Erstrunden-Pick wird. Das war für mich mental sehr schwierig, weil ich oft dachte: "Oh, jetzt rennt er mich über den Haufen." Er ist ein Top-Spieler und es war mein zweites Spiel als Starter - es war schon nicht das Leichteste der Welt, ihn zu blocken. 

ran.de: Wie gelingt es ihm, Offensive Tackles zu besiegen?

Lorenz Metz: Er ist extrem schnell und stark. Young kann um einen herum laufen, aber auch mit Kraft überwältigen, das macht ihn unberechenbar. Er hätte es verdient, ein so hoher Draft-Pick zu sein.

"Hätte an einem späteren Spieltag eine bessere Chance gegen Young gehabt"

ran.de: Was für Lehren haben Sie aus dem Spiel gezogen?

Lorenz Metz: Young hat mir meine Schwächen aufgezeigt. Wir schauen uns immer die Spielanalysen an und ich sehe meine Fehler. Seitdem habe ich mich Woche um Woche verbessert und ich denke, hätte ich ihn einige Spieltage später als Gegner gehabt, hätte ich eine bessere Chance gehabt.

ran.de: Denken Sie während eines Spiels über Fehler oder auch gute Spielzüge nach, auch in Hinblick auf den Draft?

Lorenz Metz: Während des Spiels ist man in einer anderen Welt. Nach dem Spiel reflektiert man dann und denkt: "Das war gut und das war schlecht." Den Draft habe ich noch nicht im Blick. Als Offensive Lineman nutzen die meisten Spieler immer alle Jahre, die Sie am College spielen dürfen aus. 

ran.de: In unserem letzten Interview verrieten Sie, dass Sie in der "idealen Zukunft NFL spielen". Wie steht es um diesen Plan?

Lorenz Metz: Ich werde mich weiter voll reinhängen. Wenn meine Entwicklung so weitergeht, denke ich, dass das ein realistisches Ziel bleibt. 

Das Interview führte Tim Rausch

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