München - Vor knapp vier Jahren wagte der deutsche Football-Spieler Lorenz Metz den Sprung in die USA.

Seither steht er für Cincinnati Bearcats auf dem Feld und durfte diese Saison erstmals den Einzug in die College-Football-Playoffs feiern. Im Halbfinale (am 31.12. ab 21:10 Uhr LIVE auf ProSieben MAXX und ran.de) wartet Titelfavorit Alabama. Metz lief diese Saison in acht Partien als Guard auf und entwickelte sich zu einer Stütze in der Offensive Line. 

Im Interview mit ran spricht der Offensive Lineman über Cincinnatis Erfolgsgeheimnis, den Macher hinter dem Erfolg, seinen Positionswechsel und die damit verbundenen Änderungen.

ran: Herr Metz: 13-0-Bilanz, Einzug in die College-Football-Playoffs. Eine perfekte Saison für die Bearcats. Wie ist die Stimmung in Cincinnati? 

Lorenz Metz: Wir sind das erste Group-of-5-Team [Teams aus den fünf Conferences, die nominell als am schwächsten gelten, Anm d. Red.], das in die Playoffs eingezogen ist und es war das erste Mal, dass die Bearcats ungeschlagen durch eine Saison gegangen sind. Die Uni, die Stadt, alle stehen hinter uns und feiern uns ab. 

ran: Der Macher hinter dem Erfolg, Head Coach Luke Fickell, wird mit positiven Schlagzeilen überschwemmt. Die Chemie zwischen ihm und der Mannschaft scheint zu stimmen, was zeichnet ihn als Head Coach aus? 

Metz: Er ist nicht umsonst der AAC Head Coach des Jahres geworden. Er ist sehr nahbar, hört uns Spielern zu und man kann mit ihm auch mal das Einzelgespräch suchen. Wir haben eine sehr familiäre Atmosphäre in der Mannschaft und geben aber gleichzeitig alle Vollgas im Training, egal ob Backup oder Starter. 

ran: Was macht Fickell schematisch, um Euch den Job zu erleichtern? 

Metz: Bei uns sind die Aufgaben klar verteilt. Jeder weiß, was zu tun ist. Das hilft uns allen, gut zu spielen.

Lorenz Metz: "Bin stolz auf meine Leistungen"

ran: Auch Sie haben große Schritte nach vorne gemacht. Die Umschulung von Tackle auf Guard hat sich ausgezahlt. Wie würden Sie ihre Saison bewerten? 

Metz: Ich übernahm ab dem dritten Spieltag den Starterposten auf Right Guard, dann ging es direkt gegen Indiana und Notre Dame. Ich hab mich gut geschlagen und bin stolz auf meine Leistungen. Ich wurde am Ende der Saison als Guard ins All-Conference-Team [All-Star-Team aus allen Spielern der AAC, Anm. d. Red.] gewählt, das ist schon sehr cool.

ran: Was sind die Gründe für diesen Leistungssprung?

Metz: Ich habe schon immer das Gefühl gehabt, dass ich auf diesem Niveau spielen kann. Mental war ich dann aber in den vorherigen Spielzeiten oft nicht auf der Höhe und konnte dem Druck nicht immer standhalten. Das hat dann dazu geführt, dass ich nicht immer meine Top-Leistung abrufen konnte. 

ran: Was hat sich seit dieser Spielzeit in der Hinsicht geändert? 

Metz: Letztes Jahr war hart für mich. Die Kritik der Fans ist mir sehr nah gegangen. Ich habe dann meine Social-Media-Accounts gelöscht und viel mit dem Team-Psychologen zusammengearbeitet. Das hat mir sehr geholfen. Ich konnte mich auf mich fokussieren und alles andere ausblenden. 

Bearcats-Quarterback Ridder "ein echter Leader"

ran: Und dann haben Sie sich zu einem der besten Guards ihrer Conference entwickelt. Welcher Moment ist Ihnen diese Saison besonders im Kopf geblieben? 

Metz: Das Spiel im Stadion von Notre Dame. Das ist eines der ältesten Stadien im College-Football und Notre Dame hatte 26 Heimsiege in Folge geholt. Und dann sind wir dahin und haben diese Serie beendet. Das war echt ein cooles Erlebnis, unsere Fans sind Stunden mit dem Auto dahin gefahren und haben richtig Radau gemacht. 

ran: Die Bearcats sind ein talentiertes Team mit vielen guten Spielern, auch in der Offensive Line. Sie stehen nicht immer in der Startformation, sondern es wird hin und wieder rotiert. Wie gehen Sie damit um? 

Metz: Wenn die Coaches meinen, dass ein anderer Spieler in gewissen Situationen bessere Leistung abruft, dann ist das auch in Ordnung für mich. Hauptsache die O-Line macht einen guten Job und wir gewinnen, das zählt für mich. 

ran: Sie und die O-Line haben diese Saison einen hervorragenden Job gemacht. Ihr Quarterback Desmond Ridder steckte lediglich 18 Sacks ein und konnte hinter der guten Offensive Line starke Leistungen bringen. Was zeichnet ihn als Quarterback aus?

Metz: Er bedankt sich nach Spielen bei uns und ist immer daran interessiert, dass wir alle auf einer Wellenlänge sind. Ridder ist ein echter Leader und vertraut uns, dass wir unseren Job machen. Wenn es irgendwo hakt, können wir das immer schnell mit ihm besprechen und verbessern. Auf dem Feld ist er natürlich mit seiner Athletik und Wurfkraft sehr gut. 

ran: Auch im Laufspiel seid ihr ein gefährliches Team. Jerome Ford hat bisher 1.242 Aushing Yards gesammelt. Welche Stärken bringt er mit? 

Metz: "Kleinigkeiten können uns weiterhelfen"

Metz: Offensichtlich ist ja seine Geschwindigkeit. Er bricht ständig Tackles, liest Defensiven gut und findet die Lücken. Wie Ridder ist er auch ein sehr kommunikativer Typ. 

ran: Im Halbfinale der College-Football-Playoffs geht's am 31.Januar (live, ab 21:15 Uhr auf ProSieben MAXX und ran.de) gegen Alabama. Wie bereitet sich das Team auf so ein großes Spiel und so einen großen Gegner vor? 

Metz: Wir hatten nach dem letzten Saisonspiel ein paar Tage frei, um auch mal durchzupusten. Seit Mitte Dezember bereiten wir uns spezifisch auf Alabama vor. Es läuft eigentlich so ab wie immer. Wir schauen uns gemeinsam Spielsituationen an, von uns selbst, aber auch von Alabama. Und natürlich wird viel trainiert.

ran: Und wie bereitet sich spezifisch die Offensive Line vor? 

Metz: Wir schauen uns jeden Defensive Liner im Detail an. Da wird ja immer viel durchrotiert. Es gibt zu jedem Spieler einen Steckbrief mit Größe und Gewicht beispielsweise. Wir schauen uns die Stärken und Schwächen an. Aber wir achten auch darauf, welche Tendenzen die einzelnen Spieler haben. Schüttelt beispielsweise ein Pass Rusher unbewusst immer seinen Kopf vor dem Snap, wenn er in Coverage droppen muss. Das sind dann so Kleinigkeiten, die uns weiterhelfen können. 

ran: Ein Pass Rusher von Alabama sticht besonders raus, Will Anderson konnte bereits 15,5 Sacks sammeln. Wie plant ihr, ihn zu stoppen? 

Metz: Ich darf nicht sagen, was genau wir machen, aber für solche Spieler gibt es immer viel Aufmerksamkeit. Man kann zwei Offensive Liner auf ihn ansetzen oder der Tight End setzt noch einen Chip-Block, um der O-Line zu helfen. Wir werden unser Bestes geben und schauen wir mal, was er gegen uns macht.

College-Football-Halbfinale: Metz will zeigen, was er drauf hat

ran: Alabama ist an 1 gesetzt, ihr geltet als Underdog, mit was für einer Einstellung geht ihr in die Partie? 

Metz: Alabama hat in der Saison gegen Texas A&M, ein nicht geranktes Team, verloren. Jedes Team muss aufpassen nicht auf die Nase zu fallen. Wir waren immer ein Underdog und haben uns jetzt hochgearbeitet. Und uns gefällt auch diese Underdog-Mentalität. Wir werden unser Bestes geben und sehen dann mal, wer am Ende den Sieg holt. 

ran: Was bedeutet die Partie für Sie persönlich? 

Metz: Meine Mutter und mein Bruder werden zum ersten Mal live dabei sein. Das ist richtig schön. Ich trainiere momentan mit der ersten Garde und werde wahrscheinlich starten. Ich habe so viel an mir gearbeitet und freue mich drauf, dass ich zeigen kann, was ich drauf habe. 

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