Jim Harbaugh. - Bildquelle: imago images/ZUMA WireJim Harbaugh. © imago images/ZUMA Wire

München – Für eine erfolgreiche College-Saison muss alles passen. Nicht nur der Trainer, das Personal oder die Tagesform, sondern auch das Umfeld. 

"Culture" nennt der US-Amerikaner das, was als Oberbegriff für Energie, Stimmung, Chemie oder Moral genutzt wird. Die Team-Kultur – ein Faustpfand auf ganz hohem College-Niveau. Dafür ist es ein herausfordernder Bereich, der schwer zu steuern ist, bei positiver Gemengelage aber den Unterschied machen kann. Bei Negativität kann aber auch alles schieflaufen – trotz vorhandener Qualität. 

Jim Harbaugh: Radikale Neuerungen

Jim Harbaugh, der Bruder von Ravens-Coach John, wusste deshalb: Er musste etwas ändern. Mit Stellschrauben war es längst nicht mehr getan. Radikale Neuerungen mussten her, damit sein Team ein neues Gesicht, eine neue Mentalität bekommt.

Sechs neue Assitenz-Coaches sind vor der Saison dazugestoßen, zehn haben die Wolverines insgesamt. Und sie haben etwas bewirkt, jeder für sich. Es birgt ein gewisses Risiko, so viele neue Gesichter an die Seitenlinie zu bringen, doch wie es scheint, hat der personelle "Kahlschlag" funktioniert. 

 

Natürlich in Kombination mit den Spielern, auf die es letztlich ankommt. Doch es ist mehr Positivität da, die um sich greift. Verantwortung. Mehr Moral, eine engere Bindung.

Eine bessere Kultur.

Senior-Kapitän Aidan Hutchinson nahm vor der Saison kein Blatt vor den Mund: "In den Jahren 2018 und 2019 stimmte eindeutig etwas mit der Kultur nicht", sagte er. "Coach Harbaugh hat einen großartigen Job gemacht, indem er sich angepasst hat und gesehen hat, was unser Team braucht und geändert hat, was geändert werden muss."

Zu den Problemen gehörte das ständige Scheitern: Ja, Harbaugh hat seit seinem Amtsantritt 2015 rund 70 Prozent seiner Spiele gewonnen, drei Saisons mit zehn Siegen hingelegt und fünf Mal das Bowl Game erreicht, es zuletzt aber auch vier Mal in Serie verloren. Seit 2004 warten die Wolverines auf einen Big-10-Titel.

Michigan: Nur Niederlagen gegen Ohio State

Schlimmer noch: Gegen den großen Rivalen Ohio State gab es in fünf Spielen fünf Niederlagen, darunter zuletzt zwei deftige Klatschen (39:62, 27:56). Die 2:4-Saison 2020 war dann der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Der Tiefpunkt. 

Längst stand auch Ex-Michigan-Absolvent Harbaugh in der Kritik, der einst gefeierte Messias war nur noch geduldet – wenn überhaupt. Sein Vertrag wurde zwar im März bis 2025 verlängert – allerdings zu reduzierten Bezügen, dafür mit hohen erfolgsbasierten Boni.

Und der 3:0-Start 2021 macht Mut, ebenso das Feedback. 

Wolverines als nächstes gegen Rutgers

"Wenn die Jungs das Gebäude betreten, sind sie voller Leben", sagte Assistenztrainer Sherrone Moore. "Sie sind voller Energie. Das Training macht Spaß und die Jungs haben Freude daran. Ich denke, wenn die Jungs Spaß an einer Sache haben und alles geben, dann bekommt man auch ein gutes Ergebnis. Und das bekommen wir im Moment."

Drei deutliche und souveräne Siege sind gut, sie sind aber nur der Auftakt. Mit den Rutgers Scarlet Knights (Samstag ab 21:25 Uhr im Livestream auf ran.de) kommt das erste Big-10-Team, und auch Spiele wie gegen die Rivalen Michigan State und Ohio State oder auch gegen Penn State werden zeigen, wie tief die Änderungen tatsächlich gehen. 

Für eine erfolgreiche College-Saison muss schließlich alles passen.

Andreas Reiners

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