Marlin Klein spielt erst seit drei Jahren Football. Doch in der Zeit wurde e... - Bildquelle: PrivatMarlin Klein spielt erst seit drei Jahren Football. Doch in der Zeit wurde er zum größten Talent Europas. © Privat

München – Um in den USA als Footballer erfolgreich zu sein, reicht Talent allein nicht aus. Es ist vor allem harte Arbeit. Wirklich harte Arbeit.

Marlin Klein hat das verinnerlicht. Sein Wecker klingelt jeden Tag um 5 Uhr morgens. Dann geht es für 1,5 Stunden ins Gym, danach gibt es frühstück und bis 15:30 Uhr wird die Schulbank gedrückt. Um 16 Uhr steht er auf dem Feld, trainiert für zwei weitere Stunden, teilweise mit Extraschichten im Anschluss, um mehr zu machen als die anderen. So geht das jeden Tag, am Freitag hat der Wide Receiver und Tight End in der Regel ein Spiel.

Der Kölner hat den Sprung über den großen Teich geschafft. Vor einem Jahr ist er von zuhause weg, um sich in Amerika mit den besten Spielern zu messen. "Das ist ein riesiger Unterschied, eine ganz andere Welt. Die trainieren jeden Tag, alle sind viel schneller und stärker. Hier möchte es jeder schaffen. Einige wollen in die NFL, um ihrer Familie zu helfen, deswegen geben die natürlich alles", sagt Klein im Gespräch mit ran.de.

Marlin Klein: Erster Spieler seiner Schule mit Top-Angeboten

Er ist 17 Jahre alt und spielt an der Highschool für die Rabun Gap-Nacoochee School. Eine eher kleine Schule, irgendwo im Nirgendwo zwischen Atlanta und Charlotte. Kaum ein Spieler dieser Schule bekommt Angebote eines Divisional-1-Colleges bekommen. Doch Klein hat das geschafft.

Obwohl er noch zwei Jahre Highschool vor sich hat, hat der Deutsche bereits 18 Angebote von Top-Colleges vorliegen. Kein Spieler aus ganz Europa hat mehr. "Das war auch für die Schule überraschend, dass plötzlich ein Deutscher kommt und er Top-Recruit im ganzen Land ist", sagt Klein lachend.

Klein spielt erst seit drei Jahren Football

Dabei spielt Klein erst seit drei Jahren Football - obwohl genau das immer schon sein Traum war. Doch seine Schulnoten waren zunächst nicht gut genug, seine Eltern machten sich Sorgen. "Ich habe dann mit meinem Vater einen Deal gemacht. Wenn ich bessere Noten erreiche, nimmt er mich mit zu einem Probetraining. Und das habe ich dann geschafft", erzählt Klein.

So ging es zu den Cologne Crocodiles. Seine athletischen Voraussetzungen sind den Coaches direkt aufgefallen, er kam ins Team, spielte in der U16 in der Regionalliga, in der U19 schon Jugend-Bundesliga. Doch vor allem Head Coach David Drain (auch QB- und Receiver-Coach der deutschen Nationalmannschaft, Anm. d. Red.) erkannte das besondere Talent.

"Er wollte, dass ich in Amerika spiele", erinnert sich Klein. Eines Donnerstags hat der Coach den Teenager angerufen, dass er am Samstag und Sonntag an einem Trainings Camp teilnimmt. Veranstalter war Björn Werner und seine Firma Gridiron Imports. Der ranNFL-Experte hilft dabei, Talenten den Sprung nach Amerika zu ermöglichen. Und so kam es dann auch. Klein überzeugte, kurze Zeit später ging es an die Rabun Gap-Nacoochee School.

40 Yards Dash in Rekord-Zeit

Schon in seinem ersten Jahr hat er sich als Starter etabliert, vor allem seine guten Hände, Größe und Schnelligkeit machen ihn außergewöhnlich. Den 40 Yards Dash läuft er in 4,4 Sekunden – was aktueller Tight-End-Rekord in der NFL ist. Dabei ist Klein zwei Meter groß und wiegt gut 100 Kilogramm.

Wie es durch Corona jetzt weitergeht, ist offen. An normales Training ist aktuell nicht zu denken. Nur in kleinen Gruppen darf das Team trainieren, allerdings ohne Ausrüstung. Auch ein regelmäßiger Corona-Test gehört nun zum Alltag.

Wie sieht es mit der Saison aus?

Der aktuelle Plan ist trotzdem, dass die Saison wie vorgesehen startet. Das wäre am 28. August. Dass das wirklich so kommt, kann sich Klein nicht vorstellen: "Es war eine harte Zeit für jeden, die Teams müssen ja erstmal wieder zusammengebracht werden. Manche haben Familienangehörige verloren. Daher wäre es glaube ich besser, die Saison bis zum März zu verschieben."

Durch die Pandemie verschiebt sich voraussichtlich auch seine Entscheidung. Colleges wie Florida State, Georgia, Purdue, Indiana, Michigan oder Arizona State warten nach wie vor auf eine Antwort. Doch die will er erst nach der Saison geben. "Es gibt Coaches, mit denen rede ich alle zwei, drei Tage. Die fragen, wie es meiner Familie und Freunde geht. Es soll sich schon wie zuhause anfühlen. Aber ich will mir noch ein eigenes Bild vor Ort machen." Doch die Besuche sind aktuell nicht möglich, alles läuft über Facetime.

"Bester Schritt meines Lebens"

Trotzdem hat Klein die zahlreichen Angebote schon vorliegen. Der Junge aus Deutschland, der erst drei Jahre Football spielt. "Das zeigt mir einfach, dass sich die harte Arbeit auszahlt und es der beste Schritt meines Lebens war. Dass ich rübergegangen und alles hinter mir gelassen haben", so der 17-Jährige.

Denn er hat ein großes Ziel vor Augen: "Ich will jetzt noch meine zwei Highschool-Jahre machen, dann für drei oder vier Jahre aufs College gehen und dann ist natürlich mein Traum die NFL."

Dafür arbeitet er hart. Steht jeden Tag um 5 Uhr auf. Um vor allen anderen zu trainieren und sich zu verbessern.

Alles für das eine Ziel. 

Julian Reusch

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