Jimbo Fisher und Nick Saban liefern sich eine öffentliche Schlammschlacht - Bildquelle: GettyJimbo Fisher und Nick Saban liefern sich eine öffentliche Schlammschlacht © Getty

Alabama/München - Nick Saban, Head Coach der Alabama Crimson Tide, löste am Mittwoch ein Beben im College Football aus. Auf einer Pressekonferenz äußerte er, dass sich die Texas A&M University die beste Recruiting Class der kommenden Saison zusammengestellt hat, weil sie "jeden Spieler gekauft hat".

Die Antwort von Jimbo Fisher, Head Coach der Aggies, ließ nicht lange auf sich warten. In einer fast zehnminütigen Rede nannte er die Vorwürfe Sabans mehrfach "verachtenswert" und den Trainer selbst einen "Narzissten". "Es kann nicht sein, dass ein Coach sich so äußert, nur weil etwas nicht in seinen Kram passt. Er verhält sich lächerlich, wenn er nicht ganz oben steht", legte Fisher nach.

Seine Schule sicherte sich fünf Five-Star-Prospects aus der "ESPN300", einer Liste der Spieler mit dem größten Potential. Insgesamt 20 neue Spieler an der Texas A&M landen in diesem Ranking unter den besten 150 des Landes. Laut Saban konnte dies nur gelingen, weil es Colleges jetzt möglich ist, Spieler mit Geld zu locken.

NCAA erlaubt Bezahlungen für Spieler

Das Stichwort lautet "NIL" - Name, Image, Likeness. Dadurch haben Spieler das Recht, einen finanziellen Ausgleich für den Gebrauch ihres Namens, ihrer Bilder und ihrer Beliebtheit zu erhalten. Colleges wie die Spieler selbst dürfen sich damit vermarkten, sei es über Autogramme, Social-Media-Posts und weitere Möglichkeiten.

Die NCAA behält allerdings weiterhin den Status des Amateursports, ein Gehalt bezahlen dürfen die Colleges ihren Spielern also nicht. Dennoch bieten sich aufgrund von "NIL" nun einige Optionen, Spieler um die offiziellen Statuten herum zu bezahlen. Gerade für größere Colleges mit mehr finanziellen Mitteln öffnen sich dadurch neue Türen.

Die aktuelle Recruiting Class für die nächste Saison ist die erste, bei der "NIL" zum Tragen kam.

Fisher: "Manche halten sich für Gott"

Nachweisen konnte Saban seine Anschuldigungen nicht, das hinderte ihn aber nicht daran, weiter Öl ins Feuer zu gießen. Über seine Recruiting Class - die laut "ESPN" an Rang zwei geführt wird - konnte er sich den Kommentar nicht verkneifen: "Wir haben nicht einen einzigen Spieler gekauft, verstanden?"

Fisher nannte es eine Schande, dass er eine Presskonferenz einberufen musste, um sich zu den Anschuldigungen zu äußern und "17-Jährige und ihre Familien sowie das College selbst verteidigen" zu müssen. "Wir haben niemals jemanden gekauft. Keine Regeln wurden gebrochen. Nichts wurde falsch gemacht."

Stattdessen lenkte er den Fokus zurück auf seinen ehemaligen Lehrmeister, unter dem er von 2000 bis 2004 als Offensive Coordinator an der LSU agierte: "Manche Menschen halten sich für Gott. Aber graben sie tiefer, wie Gott seine Deals gemacht hat. Sie werden einiges herausfinden, einiges, was sie nicht wissen wollten. Was er tut und was er getan hat. Es ist verwerflich." Sabans Namen erwähnte Fisher dabei nie, seine Antworen bezogen sich aber klar auf die Kommentare des Alabama-Coaches.

Beben in der NCAA

Einen solch öffentlichen Verbalangriff gab es im College Football nicht allzu oft, noch dazu von zwei hoch dekorierten Coaches. Dass beide Teams in der gleichen Conference und der gleichen Division spielen, lässt die Angelegenheit nur brisanter erscheinen. Vor allem, da Alabama im Vorjahr gegen die Texaner, die am Ende der Saison nur bei einer Bilanz von 8-4 standen, verlor.

Ein ehemaliger Assistent des sechsmaligen Champions mit Alabama sagte gegenüber "ESPN", dass Saban mit seinen Aussagen eine Linie überschritten habe. Dennoch waren er und weitere Coaches in der NCAA überrascht über Fishers Reaktion. So hob er hervor, dass Saban Texas A&M niemals als Betrüger bezeichnet habe.

Der 70-Jährige entschuldigte sich nachträglich zwar dafür, Texas A&M und auch Jackson State, an der Deion Sanders coacht, explizit erwähnt zu haben, seine Meinung zu "NIL" sei aber weiterhin die gleiche. Ganz alleine steht er damit wohl nicht da. Laut Berichten äußerten bereits mehrere Coaches Bedenken aufgrund mangelnder Regularien und befürchten einen Zustand wie im "wilden Westen".

Heiß erwartetes Rematch im Oktober

Wie Saban selbst zukünftig mit dem Thema umgeht, formulierte er jedoch mit einem Fragezeichen: "Ich möchte wirklich nicht diesen Weg einschlagen, auf dem ein Bieterrennen um die Jungs aus der Highschool entsteht. Aber wenn wir all diese Spieler verlieren, weil sie woanders hunderttausende von Dollar bekommen, was kannst du dann tun?"

Ein herzliches Wiedersehen wird es im Oktober zwischen Alabama und Texas auf jeden Fall nicht geben. Fisher wollte von einer Entschuldigung anscheinend nichts wissen. Er sagte "CBS Sports", dass er einen Anruf von Saban bekam, jedoch nicht abhob. Stattdessen stellte er klar: "Ich bin fertig mit ihm. Er hat euch gezeigt, wer er wirklich ist."

Der Ton für die kommende Saison ist gesetzt, das Echo wird noch mindestens bis in den Herbst zu hören sein.

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