Kobe Bryant und Shaquille O'Neal bei der Veröffentlichung von O'Neals Statue... - Bildquelle: gettyKobe Bryant und Shaquille O'Neal bei der Veröffentlichung von O'Neals Statue. © getty

München/Los Angeles -  "Geht’s dir gut?"

Das waren die letzten Worte von Kobe Bryant via "Instagram" an Shareef, Sohn von Superstar Shaquille O’Neal.

"Sicher! Ich beende nur eben mein Workout und schaue, wie die nächsten Schritte aussehen. Wie geht’s dir?"

Shareef ahnte beim Senden dieser Nachricht nicht, dass er keine Antwort auf seine Frage bekommen würde. Denn zum Zeitpunkt von O’Neals Nachricht hatte sich der tragische Unfall Bryants bereits ereignet.

Kobe war Shareefs Mentor

Kobe und Shareef entwickelten über die Jahre eine innige Freundschaft, Shareef selbst bezeichnet Bryant sogar als Onkel. Dementsprechend emotional reagierte der älteste Sohn von Shaquille O’Neal auf die Tragödie.

"Ich bin sehr glücklich, dass wir über die vergangenen Jahre so eine tolle Beziehung aufgebaut haben", schrieb Shareef auf "Instagram". "Du warst nicht nur ein großartiger Onkel, du warst auch ein Mentor und ein Coach für mich. Ich liebe dich. Danke für alles, was du für mich und den Basketball getan hast".

Kein Platz für Shaq und Kobe in L.A.

Vor 16 Jahren hätte das wohl niemand geahnt. Denn nach drei NBA-Titeln in Folge scheiterten die Los Angeles Lakers 2004 in den NBA-Finals sang und klanglos an den Detroit Pistons. Es sollten die letzten Spiele von Shareefs Vater Shaquille für die Lakers werden.

Denn die angespannte Beziehung zwischen Kobe und Shaq war auf ihrem Höhepunkt. Bryant soll die Lakers sogar vor die Wahl gestellt haben. Entweder er oder ich. Getreu dem Motto: L.A. hat keinen Platz für zwei Alphatiere.

Los Angeles entschied sich gegen ihren dreimaligen Finals MVP O’Neal und tradete den Center zu den Miami Heat.

Kobe setzte seinen Willen durch. Doch spätestens seitdem herrschte zwischen den beiden Superstars erstmal Eiszeit.

Kein Augenkontakt oder Handschlag

In der Zeit zwischen 2004 und 2011 pflegten die ehemaligen Teamkollegen kaum Kontakt. Im Gegenteil: In den ersten Jahren nach der Trennung soll es bei Spielen zwischen der Heat und den Lakers weder Augenkontakt noch einen Handschlag gegeben haben.

Wie so oft heilte auch bei Bryant und O’Neal die Zeit alle Wunden. Allen voran Shaq zollte in seiner Rolle als TV-Experte bei "Turner Sports" Kobe immer wieder seinen Respekt als Spieler. Peu a peu näherten sich die ehemaligen Teamkollegen wieder an.

Das Kriegsbeil ist mittlerweile vollständig begraben. Bryant und O’Neal äußerten sich 2015 erstmals zu den Streitigkeiten von damals.

"Ich war ein Idiot"

"Eine Menge Dinge wurden in der Hitze des Gefechts gesagt. Ich garantiere dir, dass ich viele Sachen, die damals gefallen sind, gar nicht mehr weiß, weil ich meine Sichtweise dazu geändert habe. Es ist doch so, wir haben drei von vier Finals gewonnen. Worüber reden wir überhaupt? Das ist doch nicht mal erwähnenswert", erklärte Shaq in seinem Podcast "The Big Podcast With Shaq".

Auch Kobe änderte seine Sichtweise über den Verlauf seiner Karriere.

"Als man es damals gesagt hat, hat man es so gemeint. Wenn man dann älter wird und eine andere Perspektive bekommt, denkst man nur: 'Du heilige Scheiße! Was war ich für ein Idiot, als ich jünger war.'"

"Bester Lakers-Spieler der Geschichte"

In den vergangenen Jahren entwickelte sich eine ganz besondere Beziehung. Shaq bezeichnete Kobe immer wieder als "besten Lakers-Spieler der Geschichte". Darüber hinaus freundeten sich die Familien der beiden immer besser an. Es entwickelte sich eine regelrecht familiäre Beziehung zwischen den beiden Superstars.

Dementsprechend schockiert war Shaq über die Todesnachricht von Kobe.

"Es gibt keine Worte, die meinen Schmerz nach dem traurigen Tod meiner Nichte Gigi und meines Freundes, Bruders und Partners, mit dem ich Titel gewann, beschreiben können. Ich liebe dich und werde dich vermissen. Ich richte mein herzliches Beileid an die Bryant-Familie und an die Familien der anderen Passagiere aus. Ich bin total bestürzt", erklärte O’Neal bei "Instagram".

Mehr als Freundschaft

Letztlich prägte die langjährige Fehde die innige Freundschaft der beiden Superstars umso mehr. Wie viel Respekt O’Neal vor seinem ehemaligen Teamkollegen hatte, offenbarte Shaq nach Bryants letztem NBA-Spiel 2016.

"Ich habe vor dem Spiel 50 Punkte von Kobe gefordert. Und der 'Motherfucker' erzielt ernsthaft 60 Punkte", berichtete Shaq anerkennend über das epische letzte Spiel von Bryant.

Ein Jahr später zelebrierten die Lakers O’Neals Karriere und präsentierten eine gigantische Statue des ehemaligen Centers vor ihrer Arena. Bryant war bei der Feier zu Gast und ehrte Shaq in seiner Rede als "dominantesten Spieler", den er je gesehen hätte.

"Die nächste Statue gehört dir"

O’Neal wusste das zu schätzen und richtete während seiner Dankesrede ein paar persönliche Worte an Kobe.

"Danke für alles. Wir haben uns gegenseitig herausgefordert und waren nicht immer einer Meinung, jedoch haben wir uns immer respektiert. Ich hätte meine Erfolge definitiv nicht ohne dich erreicht. Wenn es die nächste Statue vor dem Staples Center gibt, wird es wahrscheinlich deine sein. Dann feiern wir zusammen deine Karriere."

Dass Kobe Bean Bryant die nächste Statue vor den heiligen Hallen der Lakers bekommt, scheint spätestens nach seinem tragischen Tod sicher zu sein. Die Franchise wird keine Kosten und Mühen scheuen, Bryants legendäre Karriere ausgiebig zu zelebrieren.

Jedoch werden die beiden Lakers-Legenden diesen Tag nicht zusammen feiern können.

Raman Rooprail

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