Die Utah Jazz sind aktuell das beste Team der Liga - Bildquelle: imago images/UPI PhotoDie Utah Jazz sind aktuell das beste Team der Liga © imago images/UPI Photo

Utah/München - So mancher NBA-Fan dürfte sich beim Blick auf die aktuelle Tabellensituation verwundert die Augen reiben und an die 90er Jahre des vergangenen Jahrtausends zurückdenken.

Damals wie heute waren die Utah Jazz eines der besten Teams der Liga. Angeführt von Michael Stockton und Karl Malone erreichten die Jazz Ende der 90er Jahre zweimal die Finals in den Playoffs und unterlagen dort jeweils den Chicago Bulls um Michael Jordan.

Von solchen Erfolgen ist das aktuelle Team mit den beiden Stars Rudy Gobert und Donovan Mitchell noch ein Stück weit entfernt, doch auch in dieser Saison sorgen die Jazz für Aufsehen. Gerade erst schlugen sie die Los Angeles Lakers, Champion des Vorjahres, deutlich mit 114:89 und treffen nun auf die Miami Heat, den Finalgegner der Lakers in der Vorsaison.

Utah Jazz das beste Team der Liga

Mit nun 26 Siegen und gerade einmal sechs Niederlagen führt das Team aus dem US-Bundesstaat Utah nicht nur die Western Conference souverän an, sondern ist auch das klar die Nummer eins in der gesamten Liga.

Auch dank einer beeindruckenden Siegesserie, 22 der vergangenen 24 Spiele konnten Mitchell, Gobert und Co. gewinnen, eng wurde es dabei nur selten, denn 20 Siege wurden mit zweistelligem Vorsprung gewonnen. Angesichts dieser Zahlen fliegen die Jazz nicht mehr unter dem Radar.

"Sie versuchen gerade, eine Meisterschaft zu gewinnen, und ich denke, sie sind dazu in der Lage. Sie sind da, wo wir vor drei, vier Jahren waren", warnte Steve Kerr, Head Coach der Golden State Warriors, bereits im Januar vor den Jazz, die als einziges Team aktuell sowohl eine Top-5-Offense als auch eine Top-5-Defense stellen.

Gobert spielt defensive Stärken wieder aus

Die Verteidigung rund um den zweimaligen Defensive Player of the Year Gobert war schon in den vergangenen Jahren eine Stärke des Teams von Coach Quin Snyder. Lediglich in der vergangenen Saison hakte es defensiv bei den Jazz, dies mündete in einer absurden Offensiv-Schlacht in der ersten Playoffrunde zwischen Mitchell und Jamal Murray von den Denver Nuggets.

Mit dem besseren Ende für Murray und die Nuggets. In dieser Saison aber ist die Defense neu erstarkt, auch weil sich die Rotation von Gobert verändert hat, der nun seltener in Foulprobleme gerät und gleichzeitig die Second Unit der Gegner reihenweise kaltstellt.

Hinzu kommt, dass wohl kaum ein Team auf den Schlüsselpositionen so eingespielt ist, wie es die Jazz sind. In einer strapaziösen Corona-Saison mit vielen Spielen und deutlich weniger Training ein echtes Pfund, nicht nur defensiv. Denn auch offensiv haben die Jazz einiges zu bieten.

So verfügen sie mit dem wiedererstarken Mike Conley, Joe Ingles, Royce O'Neal, Mitchell, Bojan Bogdanovic und Jordan Clarkson über gleich sechs überdurchschnittliche Dreierschützen. In einer Liga, die immer mehr die Abschlüsse von jenseits der Dreier-Linie oder direkt unter dem Korb sucht, sind das glänzende Aussichten. Diese Wurfgewalt von außen ermöglicht es auch Center Gobert unter dem Korb zu wirken und seine Reboundstärke dort voll auszuspielen.

Gobert und Mitchell haben Streit beigelegt

Ein weiterer Grund für den Erfolg der Jazz dürfte auch das wieder reparierte Verhältnis der beiden Stars Gobert und Mitchell sein. Gobert verharmloste im vergangenen Jahr das Coronavirus, beispielsweise indem er sämtliche Mikrofone auf einer Pressekonferenz anfasste. Kurze Zeit später wurde der Franzose positiv getestet und zog den Zorn von Mitchell auf sich, der kurze Zeit später ebenfalls infiziert war.

Anschließend redeten die beiden wochenlang nicht miteinander. Inzwischen, ausgestattet mit hochdotierten und langfristigen Verträgen, harmonieren Mitchell und Gobert wieder - zumindest auf dem Feld. Während andere Teams teilweise massiv von Corona-Ausbrüchen betroffen waren, kamen die Jazz in dieser Spielzeit bislang weitestgehend unbeschadet durch. Es scheint, sie haben ihre Lektion bereits im vorangegangenen März gelernt.

All diese Faktoren machen das Team aus Salt Lake City im Moment zum Primus der NBA, bekanntlich entscheiden aber erst die Playoffs über Ruhm und Ehre in der Liga. "Wir wollen nicht im Februar das beste Team sein, sondern im Juli", kündigte auch Jazz-Star Mitchell die Zielsetzung an. "Keiner trommelt sich jetzt deswegen auf die Brust, für das was wir erreicht haben", meinte Coach Snyder.

Wie schlagen sich die Jazz in den Playoffs?

Und tatsächlich: In Richtung Meisterrunde gibt es auch bei den Jazz noch einige Fragezeichen. Beispielsweise wie sich das ausgeglichene Team gegen die beiden Super-Duo-Teams aus L.A. - die Lakers mit LeBron James und Anthony Davis sowie die Clippers mit Kawhi Leonard und Paul George - schlagen würde. Aber für den Moment geben die Jazz ihren Gegnern Rätsel auf und sind auf dem besten Weg in Richtung Platz eins nach der regulären Saison.

Die Erinnerungen an "Stockalone" werden wohl noch öfter bemüht werden.

Markus Bosch

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