Die Phoenix Suns mit Chris Paul (2. v.l.) und Devin Booker (3.v.l.) stehen i... - Bildquelle: imago images/Icon SMIDie Phoenix Suns mit Chris Paul (2. v.l.) und Devin Booker (3.v.l.) stehen in den NBA-Finals. © imago images/Icon SMI

Phoenix/München - Binnen zwei Jahren haben die Phoenix Suns eine wahre Cinderella-Story aufs NBA-Parkett gelegt.

Kam das Team am Ende der Saison 2018/19 auf gerade einmal 19 Siege aus 82 Spielen, kämpfen die Suns gut zwei Jahre später um die Meisterschaft und haben auf dem Weg zur Vollendung den ersten Schritt schon einmal gemacht. Gegen die Milwaukee Bucks setzten sie sich in Spiel eins der NBA-Finals mit 118:105 durch (alles zu den NBA Finals in der Nacht von Samstag auf Sonntag ab 0:05 Uhr in "Locker Room - das US-Sport-Magazin" live auf ProSieben MAXX und ran.de).

Dabei befinden sich sogar noch einige Spieler aus dem Team von vor zwei Jahren im aktuellen Roster der Franchise aus Arizona.

Wie also konnte dieser beeindruckende Wandel gelingen?

Vor allem drei Personen haben am Erfolg der Suns, die vor dieser Saison zuletzt 2010 die Playoffs erreichten, einen großen Anteil. Zunächst einmal Devin Booker: Der Shooting Guard der Suns spielt in seinen ersten Playoffs so, als ob er das bereits seit Jahren tut. Dabei ist es für den 24-Jährigen die erste Teilnahme überhaupt in der Meisterrunde.

Devin Booker reift vom Shooter zum Star

Mit 27 Punkten pro Partie, dazu 6,4 Rebounds sowie 4,8 Assists in den Playoffs ist Booker der Topscorer der Suns. In Spiel eins der Finals bestätigte er exakt seinen Punkteschnitt.

2015 an 13. Position gedraftet, sahen die Suns in Booker zunächst einen reinen Shooter. Denn am College in Kentucky kam er zumeist als Schütze von der Bank. Doch in Phoenix, einem Team ohne jegliche Perspektive und Ambitionen, avancierte Booker plötzlich zum Star. Jahr für Jahr steigerte er seinen offensiven Output, garniert mit einigen Komplett-Eskalationen wie beispielsweise seinem Career-High von 71 Punkten.

Doch die Phoenix-Bilanz blieb weiterhin desaströs, trotz Booker. Insgesamt machten die Suns im Draft zu wenig aus ihren durchaus guten Möglichkeiten. Bis 2017 Ex-Profi James Jones als neuer Vizepräsident in Phoenix installiert wurde, die zweite Schlüsselperson. Der heutige General Manager stand an der Seite von LeBron James zwischen 2010 und 2017 immer in den Finals. Bei den chronisch erfolgslosen Suns war er zunächst vorwiegend im Scouting involviert und sorgte dort für ein Umdenken im NBA-Draft. Wurden zuvor vor allem Spieler mit Potenzial geholt, sollten nun möglichst "fertige" Spieler gedraftet werden.

2018 entschieden sich die Suns für DeAndre Ayton und holten sich per Trade noch Mikal Bridges ins Team. Beide Spieler sind inzwischen elementare Säulen des Final-Teams der Suns. "Wir müssen kleine Schritte machen und darauf bauen, dass uns dies weiterbringt. Der Rest kommt dann von alleine", erklärte Jones das Vorgehen.

Im Oktober 2018 übernahm Jones dann den Posten des General Managers.

Suns-GM James Jones krempelt den Kader Jahr für Jahr um

Auch in der neuen Position krempelte er weiterhin den noch erfolglosen Kader um. Im Mai 2019 wurde Monty Williams zum neuen Head Coach ernannt und einen Monat später tauschten die Suns ihren Nummer-Sechs-Pick mit den Minnesota Timberwolves und erhielten dadurch Cameron Johnson sowie Dario Saric.

Beide ebenfalls wichtige Bestandteile des Teams in diesem Jahr.

Mit Point Guard Ricky Rubio sollte dann endgültig der Angriff in Richtung Playoffs gelingen. Bis zur Corona-Pause 2020 stand Phoenix bei 34 Siegen und 39 Niederlagen, eine deutliche Steigerung, im Vergleich zu den 19 Siegen aus der Vorsaison. Aber noch immer zu wenig für die Playoffs.

Kurz vor dem Restart in der Bubble von Disney World wurde dann noch Weltenbummler Cameron Payne verpflichtet, bevor die Suns erstmals wieder so richtig in den Fokus rückten. Acht Spiele, acht Siege lautete ihre Bilanz, nur knapp wurde die Playoff-Teilnahme verpasst.

Der Plan von GM Jones war aber das erste Mal für Fans und Experten ersichtlich, die Suns waren wieder auf dem richtigen Weg.

Doch um in den Playoffs eine wichtige Rolle spielen zu können, braucht es auch Erfahrung, die ging den Suns noch ab. Hier kommt nun die dritte Schlüsselfigur für den Suns-Erfolg ins Spiel. Denn "Point God" Chris Paul schloss sich im vergangenen Sommer überraschend dem Team aus Arizona an. In seinen bisherigen 15 NBA-Saisons erreichte CP3 nie die Finals und es gab viele Stimmen, die ihn mit den Suns dazu auch nicht in der Lage sahen. Der ehrgeizige Paul war aber vor allem von der Arbeitseinstellung im Phoenix-Team beeindruckt, auch wenn er selbst in Spiel eins mit 32 Punkten und neun Assists der überragende Mann war. Allen voran Superstar Booker, der immer weiter an seinem Spiel feilt.

CP3 lockt weiteren Routinier an

Pauls Unterschrift in Phoenix, für die im Gegenzug unter anderem Rubio gehen musste, lockte mit Jae Crowder einen weiteren Routinier an, der im Vorjahr mit den Miami Heat die Finals erreicht hatte. Die Führungsqualitäten von Paul und Crowder gepaart mit dem Selbstvertrauen aus der "NBA-Bubble" sorgten dafür, dass die Suns in diesem Jahr eine formidable Regular Season spielten und dabei durch ihre gute Balance zwischen Offense und Defense überzeugen konnten.

Als zweitplatziertes Team ging es gleich zum Playoff-Auftakt gegen Titelverteidiger Los Angeles Lakers. Aufgrund von Verletzungen waren die Lakers nicht in Topform und doch war es beeindruckend, wie furios die Suns teilweise aufspielten und sich letztendlich in sechs Spielen durchsetzten.

Auch gegen die Denver Nuggets und die Los Angeles Clippers überzeugten die Suns und erreichten folgerichtig das Finale. Neben ihrer soliden Spielweise an beiden Enden des Parketts profitierten sie natürlich auch von der Tatsache, dass bei ihren Gegnern jeweils mindestens ein Star verletzt fehlte, während die Suns lediglich zwei Partien ohne Paul auskommen mussten.

Und doch ist es kein Zufall, dass es die Suns zum dritten Mal in ihrer Geschichte in die Finals geschafft haben. Denn der langfristige Plan von GM Jones, die enormen Leistungen von Booker sowie die Routine und Abgezocktheit von Paul sind wohl drei wichtige Faktoren, die die Cinderella-Story der Suns dann doch mehr als Lohn nach getaner Arbeit aussehen lassen.

Markus Bosch

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