- Bildquelle: 2022 Getty Images © 2022 Getty Images

München - Sekunden vor der letzten Sirene umarmte Stephen Curry seinen Vater Dell, setzte sich auf den Hallenboden des TD Garden in Boston und ließ den Emotionen freien Lauf. Dann war es offiziell. Die Golde State Warriors haben Spiel 6 der NBA Finals gegen die Boston Celtics mit 103:90 gewonnen und holen die Serie mit 4:2-Siegen. Curry ist NBA-Champion. Schon wieder - zum insgesamt vierten Mal.

"Ich habe für eine Sekunde das Bewusstsein verloren", sagte er und erklärte wie viel ihm dieser Titel bedeutet. "Es ist definitiv überwältigend. Es ist surreal, denn im Hinterkopf weißt du, wie viel du durchgemacht hast, um wieder auf diese Bühne zu kommen."

Neben seiner vierten Larry O'Brien Championship Trophy darf der 34-Jährige endlich auch die nach Bill Russel benannte Trophäe sein Eigen nennen - MVP der Finals. Diese Ehre blieb dem "Chefkoch" 2015, 2017 und 2018 jeweils verwehrt. Spätestens jetzt fällt es aber auch dem schärfsten Kritiker schwer, noch ein Haar in der Suppe seiner Karriere zu finden.

Curry ist nicht nur das Gesicht der Golden State Warriors - er steht für einen Wandel des Basketballs in der NBA.

Chefkoch der Golden State Warriors

2015 war er der Anführer der Warriors-Dynastie mit fünf Finals in fünf Jahren. Drei Titel sprangen währenddessen heraus. 2016 gelang LeBron James und den Cleveland Cavaliers eines der größten Final-Comebacks, 2019 holten die Toronto Raptors überraschend den ersten Titel der Franchise. Im sechsten Spiel dieser Serie riss sich Klay Thompson damals das Kreuzband, kurz nach seinem Comeback die Achillessehne. Fast drei Jahre fehlte der zweite "Splash Brother" insgesamt.

Superstar Kevin Durant ließ seinen "Chef" nach zwei Titeln in Oakland zurück. Draymond Green hatte wie Thompson mit Verletzungen zu kämpfen, dann erwischte es auch Curry selbst. Eine gebeutelte Warriors-Mannschaft war zwei Jahre lang unter den schlechtesten Teams - Curry blieb und bastelte sich zusammen mit Coach Steve Kerr und dem Front Office einen Supporting Cast.

Die Leidenszeit ist nun vorbei. Die 2022er Dubs zeigten in den Finals sowie den ganzen Playoffs alten Glanz in neuem Gewand. Gary Payton II, Andrew Wiggins und allen voran Jordan Poole. Der 22-Jährige Shooting Guard hätte unter niemand Besserem lernen können als Steph Curry. Dem besten Dreierschützen der NBA. Das anerkennende Grinsen in Spiel zwei von Curry in Richtung seines Zöglings sagte eigentlich alles.

Curry: "Dieser Titel fühlt sich anders an"

Im sechsten Spiel der Serie nahm der Meister die Angelegenheit aber in die eigenen Hände. 34 Punkte, sechs Dreier, dazu je sieben Assists und Rebounds. Über die komplette Serie legte der 34-Jährige 31,2 Punkte und fünf Assists auf - bei einer Quote von 43,7 Prozent aus dem Dreipunktland. Gegen eine der besten Defensiven der Liga. 

"Das hier fühlt sich anders an“, gestand der emotional aufgewühlte Curry nach dem Sieg. „Wir waren so weit weg. Du landest ganz unten mit Verletzungen. Es ist einfach nie garantiert, du weißt nicht, ob du jemals wieder dahin zurückkommst." Umso mehr hat er sich die Auszeichnung als Finals MVP verdient.

Kerr: "Curry war der einzige Grund für diese Championship"

Ganz nebenbei stieß Curry mit seinem vierten NBA-Titel zusammen mit seinen zwei MVP-Titeln der Regular Season in einen elitären Club vor. Lediglich sechs Spieler schafften das vor ihm: Kareem Abdul-Jabbar, Tim Duncan, LeBron James, Magic Johnson, Michael Jordan und Bill Russell. Warriors-Coach Kerr ließ es sich auf der Pressekonferenz nach dem Spiel nicht nehmen, dennoch einen kleinen Seitenhieb an seinen Point Guard zu verteilen. Auf die Frage, ob Currys Karriere nun "komplett" sei, antwortete der 56-Jährige, dass ihm dafür noch Olympisches Gold fehle.

Kerr fand aber auch schnell zur Ernsthaftigkeit zurück und lobte Curry in den höchsten Tönen: "Ich freue mich für jeden, aber ich bin begeistert für Steph. Für mich ist das die Krönung einer ohnehin schon unfassbaren Karriere." Für ihn sei Curry der einzige Grund gewesen, warum dieser Playoff-Run überhaupt erst möglich war.

Curry hat die NBA verändert

Curry galt bisher als bester Dreierschütze der NBA-Geschichte, aber spätestens jetzt ist es an der Zeit, ihn auch als einen der besten Spieler der NBA-Geschichte zu betrachten. Er hat mit seiner Art zu spielen, Basketball neu definiert. Eine Dominanz kreiert, der andere Spieler und Teams nacheifern. Auch Reggie Miller musste das neidlos anerkennen. Nachdem Curry den All-Time-Record von Ray Allen brach, sagte er zu Bob Kravitz von "The Athletic", dass Steph das Spiel verändert habe.

Das erfuhren auch die Boston Celtics in den Finals am eigenen Leib. Über sechs Spiele hatten sie kaum eine Antwort auf die Aufgabenstellungen des 34-Jährigen. Immer wieder zog er die Gegner auf sich, räumte den Mitspielern den Weg frei oder nagelte aus unmöglichen Positionen selbst einen Dreier durch die Reuse. Alles gepaart mit einer Leichtigkeit und einem Lächeln auf den Lippen, als würde ihn all das nicht anstrengen.

Wenn Curry einmal seine Basketballschuhe an den Nagel hängt, wird der Liga ein Aushängeschild und ein ganz besonderer Spieler fehlen. So viel ist sicher. Seine Auswirkung auf die Liga aber wird das Karriereende wohl überdauern.

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