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München/Glendale - Die Tampa Bay Buccaneers haben es in der Saison 2020 geschafft, die Los Angeles Rams 2021: den Super Bowl im eigenen Stadion zu gewinnen.

Was jahrelang Utopie war - allein schon ins Endspiel um die Vince Lombardi Trophy einzuziehen -, ist in den vergangenen beiden Spielzeiten zum Maßstab geworden.

2022 - bzw. genauer gesagt am 12. Februar 2023 - steigt das größte Einzelsportereignis der Welt nun in Glendale. Im State Farm Stadium. Heimstätte der Arizona Cardinals.

Für die Cardinals geht es demnach um nichts anderes, als den Heim-Hattrick perfekt zu machen. Und dafür hat die Klubführung den Geldbeutel aufgemacht: 230 Millionen Dollar.

Nur verteilt sich die Summe nicht auf mehrere Spieler, sondern wandert allein in die Tasche von Quarterback Kyler Murray. Die Zweifler am jungen und nur 1,78 Meter großen Quarterback werden durch die Vertragsverlängerung nicht geringer, zumal eine Klausel für viel Wirbel sorgte, aber immerhin haben die Cardinals noch vor der Saisonvorbereitung hinter der Personalie einen Haken gemacht.

Entspannter geht der Klub aus dem Wüstenstaat dennoch nicht ins zweite Preseason Spiel in der Nacht von Sonntag auf Montag gegen die Baltimore Ravens ab 1:50 Uhr live auf ProSiebenMAXX und im Livestream auf ran.de.

Kyler Murray: Noch immer nicht restlos überzeugt

Mit dem horrenden Gehalt steigt auch der Druck auf Murray. Aufgrund der Videostudiums-Klausel sogar noch mehr. 

Jenes Vertragsdetail besagt, dass der Quarterback eine bestimmte Anzahl Stunden pro Woche mit der Analyse von Videomaterial verbringen muss. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit für Profi-Footballer. Nun stellt sich bei der expliziten Verankerung im Vertrag die Frage: Ist Murray etwa so "faul", dass man eine solche Klausel installieren muss?

Zwar wurde diese im Nachhinein aus dem Papier gestrichen, aus dem Gedächtnis der Leute lässt sich diese jedoch nicht so leicht entfernen. 

"Das ist ein Schlag ins Gesicht", meint Hall-of-Fame-Quarterback Warren Moon: "Das ist einfach peinlich." Im Statement der Cardinals hieß es: "Weil das ganz anders aufgenommen wurde, als es geplant war, wurde die Klausel entfernt." Interpretationsspielraum lässt diese Klausel allerdings kaum.

Leistungsmäßig ist Murray in der Vorsaison wenig vorzuwerfen. 69 Prozent seiner Pässe brachte er an, rund 3.800 Yards Raumgewinn erreichte er bei 24 Touchdowns und 10 Interceptions. Zwar klingen die Zahlen nicht so beeindruckend wie bei manch anderem Quarterback, was hinzukommt ist jedoch seine Gefahr als Läufer: 423 Rushing Yards sowie 5 Touchdowns stehen dort zu Buche.

Die entscheidende Zahl ist jedoch die 0. Und die steht bei Playoffsiegen. Der wichtigsten Kategorie.

Bei seinem Postseason-Debüt wurde er von den Los Angeles Rams, dem späteren Champion, nahezu aufgefressen.

Nun gilt es für den mobilen Passgeber, aus dieser Partie zu lernen, Videos zu studieren und seine Schlüsse daraus ziehen. Dann kann Murray den nächsten Schritt machen. Das Potenzial hat er allemal.

 

Kliff Kingsbury: Die Zweifel werden größer

Allerdings wird nicht nur der Quarterback hinterfragt, auch die Personalie an der Seitenlinie. Head Coach Kliff Kingsbury ist längst nicht mehr so unumstritten.

Der Grund ist vor allem die Diskrepanz zwischen der ersten und der zweiten Saisonhälfte. In seiner gesamten Karriere, also sowohl bei den Cardinals als auch an der Texas Tech, kommt er in den Wochen eins bis sieben auf 42 Siege, 20 Niederlagen und ein Unentschieden.

Ab Woche acht jedoch sieht es ganz anders aus. Da gewann er von 62 Spielen nur 17, verlor also satte 45. Eine Erfolgsquote von nur 27,4 Prozent - in der Phase, in der Siege über Playoff-Teilnahmen, über die Saison entscheiden.

Nicht umsonst impfte Trainerkollege Bill Belichick seinen Spielern stets ein: "Der richtige Football wird erst ab Thanksgiving gespielt."

Kingsbury gilt als herausragender Offensiv-Coach, einer der mit Kreativität Spielzüge entwickelt, die Stärken seiner Spieler herausstellt. Aber - und das ist eben das, was auch die Siege und Niederlagen aufgeteilt in erste und zweite Saisonhälfte beweisen -  er hat keine Antwort darauf, wenn Teams sich auf die Spielweise eingestellt haben.

Den Leistungsabfall seines Teams Richtung Jahresende bzw. nach Neujahr gilt es für ihn, in den Griff zu bekommen.

Schafft er das nicht, könnte es seine letzte Saison im Rentner-Paradies Arizona werden.

Hopkins gesperrt, Ertz angeschlagen, Green altert

Immerhin kann Kingsbury sich im Passspiel austoben, seiner Kreativität mit den Passempfängern DeAndre Hopkins, Zach Ertz, A.J. Green, Rondale Moore und Neuzugang Marquise "Hollywood" Brown freien Lauf lassen

Zwar schillern die Namen Hopkins, Green und Ertz mittlerweile mehr als die Leistungen des Trios - insbesondere Green ist nicht mehr der Nummer 1-Receiver, der einst bei den Cincinnati Bengals war, er ist aber immer noch eine verlässliche Nummer 2 oder auch 3. Eine Rolle, die er vergangene Spielzeit gut ausfüllte.

Brown als Speed-Element für die tiefen Pässe und Moore für die kurzen Anspiele im Slot und auch den einen oder anderen Lauf aus dem Backfield sorgen für reichlich Variationsmöglichkeiten.

Bleibt nur das Problem um die Sechs-Spiele-Sperre für Nummer 1-Anspielstation DeAndre Hopkins.

Eine Defensive - angeführt von J.J. Watt -, hinter der qualitativ ein großes Fragezeichen steht, lassen den Druck auf die Offensive zusätzlich anwachsen. Auf Murray. Auf Kingsbury.

Der Maßstab Heim-Triumph wirkt bei all den Fragezeichen bei Super Bowl LVII dann doch wieder eher wie Utopie.

Kai Esser

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