Der kritische Blick eines Anführers: Equanimeous St. Brown hat seine Rolle b... - Bildquelle: imagoDer kritische Blick eines Anführers: Equanimeous St. Brown hat seine Rolle bei den Chicago Bears schon vor dem Preseason-Auftakt gefunden © imago

München - Equanimeous St. Brown hat ordentlich Eindruck gemacht in seinen ersten Wochen bei den Chicago Bears. Vor dem ersten Preseason-Spiel gegen die Kansas City Chiefs (Sa., ab 18:45 Uhr live auf ProSieben MAXX und ran.de) wird der Deutsch-Amerikaner mit Lob überschüttet.

Während sich die Reporter durchaus überrascht zeigen, frohlockt Head Coach Matt Eberflus: "Er ist großartig. Er ist ein wirklicher Profi und arbeitet sehr an Details." Für den Neuen an der Seitenlinie ist der älteste der drei Brüder "sicher einer der Anführer der Receiver-Gruppe, er coacht die Jungs und zeigt ihnen den Weg. Und dann zeigt er das auch auf dem Feld, mit seinem Spiel, seinem Einsatz und seiner Leistung."

Fields nennt St. Brown "Waffe in der Offense"

Was mindestens ebenso wichtig ist: Die Chemie mit Justin Fields stimmt. Der junge Quarterback hebt hervor: "Er ist definitiv immer am richtigen Platz und weiß, wohin er bei bestimmten Plays laufen muss. Auf jeden Fall ist er eine Waffe in der Offense." Dabei verweist der 23-Jährige auch auf einen Umstand, der St. Brown die Eingewöhnung in "Windy City" erheblich erleichtert haben dürfte

Denn Offensive Coordinator Luke Getsy kennt der Sechstrunden-Pick des Draft 2018 bereits als Passing Game Coordinator bei den Green Bay Packers. Beim Division-Rivalen wurde St. Brown in vier Jahren allerdings kein wirklicher Faktor im Passspiel - was mit der prominenten Konkurrenz um Davante Adams, Marquez Valdes-Scantling oder Allen Lazard genauso zu tun hatte wie mit seinen Verletzungsproblemen, die ihn mehr als ein Jahr lang außer Gefecht setzten.

So kam Aaron Rodgers nur selten in Versuchung, die Nummer 19 anzuwerfen. Dennoch zeigte St. Brown in der produktiven Offense durchaus gute Ansätze, auch bei der Jagd in Richtung Endzone nach dem Catch. Mehr Meriten verdiente er sich in Wisconsin jedoch als Blocker und Special Teamer.

St. Brown vor Pringle und Harry

Und so erwarteten viele Beobachter auch bei den Bears eine ähnliche Rolle. Darnell Mooney, Byron Pringle und Velus Jones Jr. wurden zu Beginn höher gehandelt als der gebürtige Kalifornier.

Das hat sich längst geändert. Das erste Depth Chart weist St. Brown als Starter neben dem wohl gesetzten Mooney aus, hinter ihm müssen sich Pringle und N’Keal Harry anstellen, der wegen einer Sprunggelenksverletzung aber ohnehin wochenlang ausfallen wird.

Motivation dank Bruder Amon-Ra?

Bei den Bears, die ihn für ein Jahr unter Vertrag genommen haben, könnte der 25-Jährige nun also endlich zeigen, dass er dazu imstande ist, sich auch als Passempfänger in der NFL zu behaupten. Das Rookie-Jahr seines Bruders Amon-Ra bei den Detroit Lions - noch so ein Klub aus der NFC North - mit beachtlichen sechs Touchdowns dürfte ihn zusätzlich motivieren.

Über den Frust seiner ersten Station in der Liga sprach der einstige Notre-Dame-Student in "The Athletic" vor wenigen Tagen relativ offen. "Wenn du heiß läufst und trotzdem warten musst, ist das ein schreckliches Gefühl. Daran möchte ich nicht mehr zurückdenken", erinnerte er an Spieltage an der Seitenlinie.

Frust über verpassten Cut bei den Packers

Richtiggehend geärgert habe ihn, dass er im vergangenen Jahr den finalen Cut verpasste: "Vielleicht haben mich die Leute dann emotionaler erlebt, weil ich eigentlich eher ruhig und besonnen bin." Erst diverse Personalprobleme im Receiving Corps der Packers spülten ihn nach Wochen im Practice Squad dann doch noch ins Roster.

Mit den Packers war der Super Bowl in seinen ersten vier NFL-Jahren stets das erklärte Saisonziel. Musste es auch sein - angesichts der Fülle an Stars. Bei den Bears sieht das völlig anders aus. Selbst ein Playoff-Einzug erscheint utopisch.

St. Brown bei Bears einer für die Red Zone

Von daher erinnert Equanimeous' Situation 2022 etwas an die von Amon-Ra 2021 - mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass er schon deutlich mehr Erfahrung aufweist. Weshalb er eben auch vorangeht. Aber wie sein drei Jahre jüngerer Bruder arbeitete er sich aus dem Schatten ins Rampenlicht. Nur eben schon vor der Saison.

Die Red Zone scheint bei den Bears sein bevorzugtes Revier zu sein, diesen Schluss lassen die Eindrücke aus den Trainings laut Beobachtern zu. Wenn die Endzone naht und die Defense den Raum immer mehr verdichtet. Doch mit seinen 1,96 Meter und 97 Kilogramm ist St. Brown dafür prädestiniert, sich auch durch das Abwehrbollwerk zu graben. Ist er mit Ball unterwegs, muss man ihn erstmal stoppen und zu Boden bringen.

Fields: "Er macht kaum Fehler"

Fields betont auch noch einen anderen Vorzug seines neuen Kollegen: "Er macht wirklich kaum Fehler, wenn wir die Plays umsetzen." Scheint also, als wäre St. Brown in Chicago wirklich angekommen in der NFL. Hätte Spaß am Spiel.

Beste Voraussetzungen, damit die Bears viel Freude an ihm haben werden. Und die NFL-Fans natürlich auch.

Marcus Giebel

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