George Karlaftis wurde beim NFL Draft 2022 in der 1. Runde von den Kansas Ci... - Bildquelle: IMAGO/Icon SMIGeorge Karlaftis wurde beim NFL Draft 2022 in der 1. Runde von den Kansas City Chiefs gepickt © IMAGO/Icon SMI

München - Ausgerechnet der schlimmste Schicksalsschlag seines Lebens führte ihn zum American Football.

George Karlaftis war schon immer ein sportlicher Junge. Schwimmen, Fußball, Tennis, Basketball, Leichtathletik, Judo und Wasserball - kaum eine Sportart ließ er aus. Im Wasserball war er besonders talentiert und wurde Torwart der griechischen U 16-Nationalmannschaft.

Nur American Football wollte er eigentlich nie ausprobieren.

Der Grund: Sein Vater Matt, der als Leichtathlet ein Studium an der Universität von Miami absolviert hatte, hatte einst ein Probetraining absolviert und sich dabei eine schwere Kopfverletzung zugezogen. Kein Wunder also, dass er seinen Kindern von diesem vermeintlich gefährlichen Sport abriet. "Ich hatte Angst und wollte nie wirklich spielen, als ich aufwuchs", erzählt George Karlaftis im Interview mit "ESPN".

Da er nicht in den USA aufwuchs, sondern sein Vater nach Griechenland zurückgekehrt war und in Athen eine Familie gründete, war das kein Problem. Andere Sportarten stehen in dem südeuropäischen Land eher im Vordergrund als Football.

Nach dem Tod des Vaters ging es in die USA

Doch dann kam es zu dem schweren Schicksalsschlag, der sein Leben auf den Kopf stellte: Als George Karlaftis 13 Jahre alt war, starb sein Vater an einem Herzinfarkt. Die junge Familie musste komplett neu anfangen. Und das tat sie auch: in den USA. 

Zusammen mit seiner Mutter und seinen drei Geschwistern zog er in die Nähe von West Lafayette (Indiana), direkt zu der Familie seiner Mutter. Der junge George musste nicht nur den Verlust seines Vaters verarbeiten, sondern auch eine neue Sprache lernen und sich an ein neues Umfeld gewöhnen.

Seine sportliche Begabung half ihm dabei - und führte ihn an der High School zum einst so gefürchteten American Football. "So ist das Leben", sagt Karlaftis heute: "Es ist viel passiert, als ich zwölf, 13 Jahre alt war. Es gab große Veränderungen in meinem Leben. Ich musste fast über Nacht erwachsen und ein Mann werden."

Karlaftis denkt noch immer gerne an seine Heimat Griechenland zurück: "Dort erlebt man die besten Sommer aller Zeiten. Es ist eine andere Atmosphäre als irgendwo sonst auf der Welt." Doch in den USA fand er eine neue Berufung.

College Football: Bereits als Freshman ein Stammspieler

Seine beeindruckenden Leistungen als Defensive End brachten ihm ein Football-Stipendium an der Purdue University ein. Bereits als Freshman wurde er Starter und verbuchte in zwölf Spielen 7,5 Sacks. Nach der Saison 2021 wurde er sogar in das All-Star-Team der Big Ten Conference gewählt.

Dementsprechend selbstbewusst blickte Karlaftis dem NFL Draft 2022 entgegen. "Mein bester Football liegt noch vor mir", ließ er verlauten: "Ohne einen einzigen Zweifel in meinem Kopf weiß ich das. In meinem Herzen glaube ich, dass ich der Nummer-1-Pick sein sollte. Wenn die Teams oder Twitter oder Instagram oder ESPN das anders sehen, ist das in Ordnung. Aber ich fühle mich so." 

Schlussendlich wurde er als Pick Nummer 30 von den Kansas City Chiefs ausgewählt. Möglicherweise hätte ein anderes Team sich früher für ihn entschieden, wenn er sich in der Saison 2020 keine schwere Beinverletzung zugezogen und dadurch den Großteil der Spielzeit verpasst hätte.

Einer der besten Run-Stopper der Draft-Klasse  

Der 1,96 Meter große und 115 Kilogramm schwere Edge Rusher verfügt über lange Arme und weiß im Pass Rush seine physische Kraft zu nutzen. Gleichwohl ist er beweglich genug, um auch über einen Outside Rush zum Quarterback zu gelangen. Beim Spiel gegen den Lauf kann er ebenfalls überzeugen und galt als einer der besten Akteure des NFL Draft 2022. Alleine in der Saison 2021 gelangen ihm 39 Tackles, zehn davon führten zu einem Raumverlust. 

Trotzdem weiß Karlaftis, dass er sich in der NFL erst noch behaupten muss. "Ich werde ganz unten anfangen und mich nach oben arbeiten. Ich werde mir meine Streifen verdienen und so hart wie möglich arbeiten", kündigt er an: "Wenn du etwas findest, das du liebst, musst du so hart wie möglich daran arbeiten. Es würde keinen Sinn machen, fast sein ganzes Leben einer Sache zu widmen, wenn man nicht alles gibt." 

Beim Preseason-Spiel gegen die Chicago Bears (Samstag ab 18:45 Uhr, live auf ProSieben MAXX und ran.de) bekommt er die Möglichkeit dazu, erstmals im Trikot der Chiefs sein Potenzial unter Beweis zu stellen.

Was wohl sein Vater dazu sagen würde? "Er wäre so unglaublich stolz auf mich, obwohl ich Football spiele", lautet seine Überzeugung: "Ich habe das College in drei Jahren abgeschlossen und bin Profisportler. Für ihn wäre damit ein Traum wahr geworden."

Oliver Jensen

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