Trumpft weiter auf: Running Back A.J. Dillon. - Bildquelle: gettyTrumpft weiter auf: Running Back A.J. Dillon. © getty

München - Die offizielle Bedeutung von Sisyphusarbeit wird im Duden mit "sinnloser, vergeblicher Anstrengung" beschrieben. 

Genau das erlebten die Verteidiger der Los Angeles Rams, wenn sie im Spiel gegen die Green Bay Packers am Sonntag versucht haben, Shooting-Star A.J. Dillon zu stoppen. Immer wieder rauschte der Running Back wie eine Naturgewalt durch die Defensiv-Front der Rams.

Auch wenn er dabei teilweise von mehreren Spielern gleichzeitig gehalten wurde, walzte er für ein paar extra Yards vorwärts. Nicht nur die Fans konnte er dabei im Lambeau Field begeistern, auch die Coaches sehen in ihm mittlerweile weit mehr als nur einen Backup-Spieler. 

A.J. Dillon zahlt Vertrauen zurück

Weil mit Aaron Jones der eigentliche Starter in den vergangenen zwei Spielen ausfiel, schlüpfte Dillon in die Rolle des "Workhorse". Dabei lief er den Ball in den vergangenen drei Spielen über 50 Mal und fing alle seiner 13 Targets. Immer wieder begeisterte er mit seiner unfassbaren Kraft.

"Für mich geht es dabei ums Mindset", sagte er nach dem Spiel gegen Rams: "Vielleicht habe ich nur ein Yard Raumgewinn geschafft, aber du hast mich ganz sicher nicht getackelt. Ich habe das Gefühl, dass andere Leute davon profitieren", so der 23-Jährige. 

 

Gegen LA legte er dabei zwar keine außergewöhnlichen Zahlen (90 Scrimmage Yards, ein Touchdown) auf, doch sorgte er immer wieder mit wichtigen First Downs für Entlastung. "Als Running Back ist es immer schön, den Drive aufrecht zu erhalten. Es ist mein Job, für First Downs zu sorgen", so Dillon weiter. 

Obwohl Jones gegen die Rams zurückkehrte, blieb Dillon auch in den wichtigen Situationen auf dem Feld und war ein Grund, warum die Packers den Sieg über die Zeit brachten. Nicht undenkbar, dass sich das Szenario in den kommenden Wochen wiederholt.

Coach LaFleur: "1A und 1B Lösung"

Dass Dillon gegen die Rams deutlich öfter auf dem Feld stand, hatte auch mit der vorangegangenen Verletzung von Jones zu tun: "Ich würde nicht sagen, dass wir ihn nur eine gewisse Anzahl an Snaps haben spielen lassen. Wir wollten aber vorsichtig mit ihm sein", sagte Head Coach Matt LaFleur nach dem Spiel über den eigentlichen Starter. 

Die Packers genießen nun am kommenden Wochenende eine Bye Week, bevor es in den Schlussspurt der Regular Season geht. Doch auch danach muss sich an der derzeitigen Situation im Backfield nicht groß etwas ändern, obwohl Jones wieder fitter sein sollte. 

"Wir haben eine 1A und 1B Lösung. Natürlich hat die Verletzung eine Rolle gespielt. Beide sind in dieser Liga ausgezeichnete Running Backs", fuhr LaFleur fort. Quarterback Aaron Rodgers unterstrich die Wichtigkeit von Jones: "Wenn die Nummer 33 auf dem Feld ist, sind wir ein besseres Football-Team", so der Star-Quarterback. 

Kommt es tatsächlich zu einem Zweikampf auf der Position, sollte vor allem die Offensive um Rodgers davon profitieren. Die Packers würden zudem einem Trend in der NFL folgen. 

Packers-Backfield nach Browns-Vorbild?

Zwar übernahm Dillon erst mit der Jones-Verletzung die Rolle des alleinigen Arbeitstiers, doch auch davor überzeugte der letztjährige Zweitrunden-Pick mit starken Zahlen. So kommt der Youngster bislang in der Saison auf 804 Scrimmage Yards und insgesamt vier Touchdowns.

Zum Vergleich: Jones steht bei insgesamt 862 Scrimmage Yards und insgesamt sieben Touchdowns. Ohne das Vier-Touchdown-Spiel von Jones in Woche zwei gegen die Detroit Lions, würde Dillon das interne Touchdown-Duell sogar anführen. 

Die Zahlen über die bisherige Saison zeigen: Der letztjährige Rookie steht dem Star-Running-Back auch aus statistischer Sicht nur wenig nach. Bei den Packers entwickelt sich auf der Running-Back-Position ein echtes Zweigestirn - wie es bei anderen Teams in der NFL bereits der Fall ist.

Während die Cleveland Browns mit Nick Chubb und Kareem Hunt hier als Paradebeispiel gelten, kann man eine ähnliche Situation auch bei den Dallas Cowboys erkennen. Auch hier trumpft mit Tony Pollard der eigentliche Backup groß auf, während Superstar Ezekiel Elliott immer mehr Möglichkeiten an den Youngster abgeben muss.

Green Bay Packers: Ein hausgemachtes Problem?

Sicher hätten nur wenige mit einer derart plötzlichen Leistungsexplosion bei Dillon gerechnet. Dennoch stellt sich schon die Frage, ob sich die Packers durch den Pick von Dillon auf mittlere Sicht in ein vermeidbares Dilemma geritten haben.

Schließlich investierte Green Bay einen Zweitrunden-Pick in das Muskelpaket und war offenbar von dem Potenzial überzeugt. Schon in dessen Rookie-Saison war die Explosivität und das Talent zweifelsfrei zu erkennen.

Dennoch verlängerten die Packers in der vergangenen Offseason langfristig mit Aaron Jones, der einen neuen Vierjahres-Vertrag in Green Bay unterschrieb, der ihm jährlich bis zu 12 Millionen US-Dollar einbringt. Erst zur Saison 2023 könnte das Team einigermaßen günstig aus dem Vertrag aussteigen.

Gleichzeitig wurden auf anderen Positionen wichtige Spieler abgegeben, da nicht genügend Geld in der Free Agency zur Verfügung stand. Bestes Beispiel ist hier Center Corey Linsley, der für ähnliches Geld wie Jones bei den Los Angeles Chargers anheuerte. 

 

Noch gibt den Packers der Erfolg mehr als Recht, mit dem jetzigen Modell fortzufahren. Die Jones-Dillon-Kombination entwickelt sich zu einem der besten Running-Back-Duos der Liga. Geht die Entwicklung von Dillon jedoch weiter so steil nach oben, droht den Packers ein waschechtes Dilemma...

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