Wer wird MVP? Dak Prescott, Kyler Murray und Josh Allen (v.l.n.r.) gelten al...Wer wird MVP? Dak Prescott, Kyler Murray und Josh Allen (v.l.n.r.) gelten als Kandidaten.

München - Vor der Saison war Patrick Mahomes der große Favorit der Buchmacher. Bis Ende Oktober sah es dann so aus, als könnte Kyler Murray das Rennen machen. Als Murray sich verletzte, wurde Josh Allen als heißester Kandidat für den Titel im MVP-Rennen gehandelt. Doch dann schwächelte plötzlich auch der Bills-Quarterback, genauso wie Dak Prescott, der ebenfalls immer wieder als Kandidat für den wertvollsten Spieler der NFL genannt wird.

Nur eine Sache ist im Kampf um den MVP-Titel klar, nämlich dass es so spannend und offen zugeht wie seit vielen Jahren nicht mehr. Dass sich bislang kein klarer Kandidat herauskristallisieren konnte, liegt vor allem daran, dass die heißesten Anwärter zuletzt alle keine Werbung für sich machen konnten.

MVP-Rennen: Kyler Murrays verpasste Spielen wiegen schwer

Beginnen wir mit Kyler Murray, dem nicht wenige Expertinnen und Experten die Krone des wertvollsten Spielers nach den ersten Wochen der neuen Saison schon zustecken wollten. Doch der 24-Jährige, im dritten Jahr in der NFL, zog sich in der Woche vor Halloween eine Knöchelverletzung zu. Diese war offenbar nicht so schlimm, dass die Arizona Cardinals ihn auf IR gesetzt hätten. Aber schlimm genug, dass Murray nicht zum Einsatz kam.

Und so musste er machtlos dabei zusehen, wie die Cardinals ihre ersten zwei Spiele verloren und seine bis dahin starke Saison unterbrochen wurde. Nach der Bye Week des Teams aus Arizona am Wochenende wird Murray in Week 13 wohl zurückkehren, aber die drei verpassten Spiele wiegen schwer im Kampf um die MVP-Trophäe. Der Quarterback müsste den Rest der Regular Season wohl überragend spielen, um noch eine Chance zu haben.

Jüngste Niederlagen werfen Josh Allen zurück

Murray könnte allerdings davon profitieren, dass auch Josh Allen aus dem Tritt gekommen ist. Mit 15:41 verloren die Buffalo Bills zuletzt gegen die Indianapolis Colts, der 25-jährige Quarterback warf zwei Interceptions. Vor zwei Wochen kamen die Bills in Jacksonville unter die Räder, Josh Allen blieb ohne Touchdown und bekam von seinem Namensvetter auf Jaguars-Seite die Show gestohlen.

"Das waren nicht wir", sagte Allen nach der bitteren Niederlage gegen die Colts: "Es ist kein Geheimnis, dass wir an allen Fronten einen besseren Job machen müssen. Aber wir sind nicht im Panikmodus." Das mag mit Blick auf das gesamte Team auch seine Richtigkeit haben, aber Allens Chancen auf den MVP-Titel sind tatsächlich enorm gesunken. Zu wenig konstant sind die Leistungen des Quarterbacks.

Dak Prescott: "Bin angepisst"

Angesichts der schwächelnden Konkurrenz rückte zuletzt auch Dak Prescott mehr in den Fokus. Doch prompt verloren die Dallas Cowboys am Wochenende gegen die Kansas City Chiefs. Der 28-Jährige warf für 216 Yards, bei zwei Interceptions gelang ihm kein Touchdown.

"Ich bin nicht entmutigt, sondern angepisst", erklärte Prescott: "Ich bin angepisst, weil ich nicht gut gespielt habe, das Team nicht gut war und die Offensive allgemein nicht lief." Nach seiner schweren Verletzung scheint Prescott ein heißer Anwärter für den "Comeback Player of the Year" zu sein. Um MVP zu werden, müsste er sich aber nochmal deutlich steigern und einen starken Schlusssprint hinlegen.

Mahomes schwächelt, Rodgers macht Corona zu schaffen

Und Patrick Mahomes? Die Kansas City Chiefs haben zuletzt vier Spiele in Folge gewonnen, auch der Quarterback hat nach schwachem Saisonstart wieder besser zu seiner Form gefunden. Gegen die Cowboys gelang ihm trotzdem kein Touchdown, dafür warf er eine Interception. Es ist vor allem die Defense, die die Chiefs derzeit trägt. Mahomes spielt bei weitem keine Saison in MVP-Form.

Wer bleibt dann noch? Aaron Rodgers dürfte nach der Aufregung um seinen Impfstatus und Corona-Pause ebenfalls nicht die besten Karten haben, junge Quarterbacks wie Justin Herbert (Los Angeles Chargers) oder Jalen Hurts (Philadelphia Eagles) spielen stark, ihnen kommt aber allenfalls die Rolle als Sleeper zu. Weshalb aktuell tatsächlich Tom Brady von den Tampa Bay Buccaneers als heißester MVP-Kandidat gilt. Der 44-Jährige legt Woche für Woche starke Zahlen auf, auch wenn er nicht überragend spielt, besticht er durch seine außergewöhnliche Konstanz.

 

Kann Jonathan Taylor MVP werden?

Aber vielleicht ist in dieser NFL-Saison, die bislang so unberechenbar ist und so viele Überraschungen parat hält, auch einfach mal wieder die Zeit gekommen, dass kein Quarterback MVP wird. Zuletzt gelang dies 2012 Adrian Peterson, aktuell macht wieder ein Running Back von sich reden.

Jonathan Taylor von den Indianapolis Colts wuchtete den Ball am Sonntag gegen die Bills fünf Mal in die Endzone. Bleibt er verletzungsfrei, dürfte der 22-Jährige am Ende der Regular Season mehr als 2.000 Yards erlaufen und mehr als 20 Touchdowns erzielt haben.

Dass Taylor wirklich MVP wird, erscheint zwar relativ unwahrscheinlich, zumal die Colts sich derzeit maximal im Rennen um die Wild Card Round befinden. Aber ausschließen sollte man in dieser verrückten Saison nichts.

Christian Stüwe

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