München – Zocker reagieren sensibel, Buchmacher auch. Geht ja um jede Menge Kohle.

Wettquoten in der NFL sind daher gar kein so schlechter Gradmesser für die sportliche Stimmung und die diversen Strömungen, für die nackte Statistik. Für die Lage der Liga.

Je nach Entwicklung kann es schnell gehen. Bei den Buffalo Bills ging es sehr schnell. Sie waren ein heißer Anwärter auf den Super Bowl, galten als sicherer Playoff-Teilnehmer aus der AFC. Und Quarterback Josh Allen war ebenso heißer MVP-Kandidat, hatte bei einigen Buchmachern zuletzt sogar Tom Brady von Platz eins verdrängt.

Das war vor drei Wochen.

Buffalo Bills: Es geht bergab, auch bei den Buchmachern

Abgestürzt sind die Bills und Allen in der Gunst der Zocker zwar noch nicht, doch es geht recht schnell bergab, wie auf dem Feld auch. Im Moment stehen die Bills bei einer 6-4-Bilanz und damit am Scheideweg, Platz sieben in der AFC reicht gerade noch so für die Postseason. Stand jetzt, wohlgemerkt.

Keine Frage: Das Spiel an Thanksgiving in der Nacht auf Freitag (ab 2:15 Uhr live auf ProSieben und ran.de) bei den New Orleans Saints wird richtungsweisend, nachdem die Bills zuletzt zwei Niederlagen in drei Spielen kassierten und etwas orientierungslos durch die Saison stolpern.

Das 15:41 gegen die Indianapolis Colts in Week 10 war dabei der negative Höhepunkt.

Und da Krisen in der NFL oft mit dem wichtigsten Mann auf dem Platz anfangen, steht Allen natürlich im Fokus. 

 

"Wir wissen, wer wir sind. Und das, was wir gerade abliefern? Das ist nicht, wer wir sind", sagte Allen nach der bitteren Pleite. "Es kommt auf die Ausführung an, und die ist im Moment nicht gut genug. Und das fängt bei mir an."

Josh Allen nur ein Teil des Problems

Allen ist aber aber nur ein Teil des Problems, in den letzten drei Spielen leistete er sich fünf Interceptions (nach drei in den acht Spielen davor), bei den beiden Niederlagen kam er auf ein Rating von 62,7 und 72,2. Der Sieg dazwischen gelang gegen die Jets.

Ein weiteres Problem, das sich bei den Niederlagen – vor allem gegen die Colts – zeigte, war die Verteidigung gegen den Lauf. Laufen die Gegner viel und agieren physisch, bekommen die Bills ein Problem, und das trotz einer sonst starken Defense – wie schon bei den Niederlagen gegen die Tennessee Titans und Pittsburgh Steelers.

Gegen die Colts wurde Running Back Jonathan Taylor mit 185 Yards und fünf Touchdowns ein neuer Franchise-Rekord gestattet. Dabei machte sich das Fehlen der eigenen Leistungsträger wie Tremaine Edmunds und Star Lotulelei deutlich bemerkbar.

Defensive Coordinator Leslie Frazier weiß, dass die Saints auf diesen Schwachpunkt gehen werden, vor allem, weil sie in Alvin Kamara einen Top-Running-Back haben. "Wir müssen darauf richtig reagieren. Andernfalls wird es so weitergehen, und wir werden alles tun, was wir können, um besser zu werden", sagte Frazier.

Auch Head Coach Sean McDermott nimmt die Herausforderung an. "Es ist jede Saison eine Reise", sagte er. "Es gibt Ebbe und Flut. Das ist für mich ein Teil der Herausforderung, und ich liebe diese Herausforderung. Nicht, dass man verlieren will, aber man muss diese Anpassungen vornehmen, um das Team genau dorthin zu bringen, wo es sein muss, und man muss lernen, wer man als Team ist, und wir werden weiter wachsen und uns weiterentwickeln", sagte er. Man werde sehen, wo man stehe, sagte McDermott, "und wir müssen jetzt einfach eine Woche nach der anderen abwarten."

Doch das wird alles, nur kein Zuckerschlecken. 

Bills: Heftiges Restprogramm

Zum einen gelang nur einer der bisherigen sechs Siege gegen ein Team mit einer positiven Bilanz (Kansas City, 7-4). Zwei der Siege wurden gegen die schwachen Miami Dolphins geholt, und die sechs Gegner, die Buffalo besiegt hat, haben eine Gesamtbilanz von 23-40.

Dafür wird es nach den Saints erst richtig knackig. 

Zunächst kommen im Monday Night Game die wieder erstarkten New England Patriots, dann geht es zu Titelverteidiger Tampa Bay Buccaneers. Danach kommen die unberechenbaren Carolina Panthers, ehe es zu den Patriots nach Foxborough geht.  

Heißt: Eine Bilanz von 6-9 oder 7-8 an Weihnachten ist nicht einmal unrealistisch. Und für den Super-Bowl-Anwärter könnte die Saison Anfang Januar bereits beendet sein. 

"Wir müssen dieses Spiel hinter uns lassen", forderte Allen. "Ich denke, das ist ein Glück für uns, dass wir am Donnerstag spielen und versuchen können, dieses schlechte Gefühl loszuwerden."

Es könnte allerdings auch noch schlechter werden. Die Zocker werden vorbereitet sein.

Andreas Reiners

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