Anders Lee von den New York Islanders war einmal ein großes Football-Talent - Bildquelle: imago images/Icon SMIAnders Lee von den New York Islanders war einmal ein großes Football-Talent © imago images/Icon SMI

München/New York - Anders Lee ist die Identifikationsfigur der New York Islanders (Sonntag, 18:45 Uhr gegen die Philadelphia Flyers, live auf ProSieben MAXX und ran.de). Von seinem ersten NHL-Spiel vor neun Jahren an hat er nie für ein anderes Team gespielt. Seit 2018 führt er das Team als Kapitän an.

Seine große Stärke: die Effektivität. Mit 23 Toren ist er der zweitbeste Torjäger seiner Mannschaft. Der Flügelstürmer hat sich bis zum Jahr 2026 an die Franchise gebunden und kassiert pro Saison sieben Millionen US-Dollar. Kein Spieler der Islanders verdient mehr.

Hätte sich der US-Amerikaner nicht für Eishockey entschieden, hätte er heute womöglich als Quarterback sein Geld verdient. Lee galt in seiner Schulzeit, er besuchte die Edina High School in Minnesota, nämlich als herausragendes Football-Talent. "Ich habe Football geliebt", sagt er rückblickend.   

Ein Mix aus Tim Tebow und Russell Wilson

Lee war nicht nur ein effektiver Werfer, sondern entsprach mit seiner Mobilität auch dem Typus eines modernen Quarterbacks.

"Ich würde mich wahrscheinlich als einen lahmeren Highschool-Tebow bezeichnen", sagt er rückblickend. "Ich bin keine 4,4 oder so gelaufen. Ich habe nur versucht, Plays zu machen, zu rennen und Jungs freistehend anzuspielen."

Lee wurde mit Auszeichnungen überhäuft und im Jahre 2008 unter anderem zum Minnesota Gatorade Football Player of the Year sowie zum Star Tribune All-Metro Player of the Year ernannt. Viele Top-Universitäten bemühten sich um den Football-Spieler Lee. 

 

Nick Rallis, der heute als Linebacker Coach bei den Philadelphia Eagles tätig ist, war sein Wegbegleiter und spielte mit ihm gemeinsam an der High School. Er glaubt, dass Lee heute auch in der NFL auf dem Spielfeld stehen könnte: "Wenn ich Russell Wilson sehe, sehe ich viele Ähnlichkeiten in der Art und Weise, wie Anders seine Athletik einsetzen würde."

NHL-Teams hatten Vorbehalte wegen seiner Football-Karriere

Doch Lee entschied sich für Schlittschuhe und Schläger. "Es war immer klar, dass Eishockey mein Weg sein würde", sagt er. Also stellte er sich beim NHL Draft 2008 zur Auswahl. Dass er lediglich an Position 152 ausgewählt wurde, hing nicht zuletzt mit seiner Nebenfunktion als Footballspieler zusammen. Schließlich bestand die Gefahr, dass er seinen Fokus doch plötzlich auf Football legen würde.

Garth Snow, der damalige General Manager der Islanders, erinnert sich: "Das war ein sehr einzigartiger Fall. Und ich denke, genau das hat die meisten Teams abgeschreckt." Snow hingegen war von Lees Qualitäten überzeugt und ging das Risiko ein: "Er war kraftvoll und stark. Das größte Fragezeichen war sein Skaten. Wir hatten aber das Gefühl, dass er genug Charakter und Antrieb hat, um uns zu verbessern."

Nach Abschluss der Schulzeit spielte er zunächst in der höchsten US-amerikanischen Junioren-Liga, der United States Hockey League, ehe er sich bei der University of Notre Dame einschrieb. Im April 2013 debütierte er in der NHL.  

Mit den Islanders zwei Mal im Halbfinale gescheitert

Seitdem durchlebt er mit den Islanders Höhen und Tiefen. In den vergangenen beiden Spielzeiten scheiterten sie jeweils im Halbfinale an dem späteren Stanley-Cup-Sieger Tampa Bay Lightning. In der aktuellen Saison ist der Rückstand auf die Playoff-Plätze bereits groß. Gleichwohl haben die Islanders einen starken Lauf und vier der letzten fünf Spiele gewonnen. 

  

"Wir kämpfen und sind in jedem Spiel voll dabei", sagt Lee. "Wir versuchen einfach, weiterhin diese guten Spiele zu machen. Wenn man anfängt, Ergebnisse zu erzielen und ein gutes Gefühl für sich selbst und sein Teamspiel zu haben, dann wird alles ein bisschen einfacher."

Auch wenn er heute zu den besten Eishockey-Spielern der NHL zählt, betrachtet ihn sein früherer Schulfreund Rallis heute noch mit anderen Augen: "Er ist mein Quarterback. Und er wird immer mein Quarterback bleiben."

Oliver Jensen

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